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Bischof Müllers Medienschelte löst Empörung aus

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller (Archivfoto vom 28.10.2009).Großansicht
Regensburg/Hamburg (dpa) - Die Medienschelte des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller im Missbrauchsskandal schlägt weiter hohe Wellen. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) warf dem Bischof am Montag «skandalöse Polemik» vor.

«Es ist Aufgabe der Journalistinnen und Journalisten, kritisch über die zahlreichen Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche zu berichten», erklärte die stellvertretende DJV-Bundesvorsitzende Ulrike Kaiser. Müller wolle mit seiner Kritik von den Fakten ablenken.

Unterdessen hat das Bistum Regensburg die Vorwürfe, Müller habe die Medien mit der Nazipropaganda verglichen, als «fälschende Verzerrung der Aussagen des Bischofs» zurückgewiesen. «Ich sehe keinen Vergleich», sagte Müllers Sprecher Clemens Neck.

Müller hatte die Medien am Wochenende im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen heftig gescholten und von einer «Kampagne gegen die Kirche» gesprochen. Journalisten, die über die Fälle bei den Regensburger Domspatzen berichten, warf Müller «kriminelle Energie» vor. In einer Predigt im Regensburger Dom hatte Müller zudem die Berichterstattung zum Missbrauchsskandal in einen Kontext mit der NS- Zeit gestellt.

In der Predigt hatte er zunächst den Widerstand des Katholischen Deutschen Frauenbundes gegen die christenfeindliche Ideologie der Nazis im Jahr 1941 gelobt. Laut der vom Bistum im Internet veröffentlichten Rede sagte Müller später: «Auch jetzt erleben wir eine Kampagne gegen die Kirche. Von so vielen Medien wird gegen die Kirche gezischt, so als ob man sich vorkommt, als ob man in einem Gänsestall hier die Gänse aufgeweckt hätte, so wird gefaucht und gezischt gegen die Kirche.» Der Bischof warf den Medien vor, dass sie die Leser und Zuschauer «durch zurechtgestutzte und verkürzte Berichte» manipulierten. Es komme darauf an, «nicht auf all diese Schalmeien wie 1941» hereinzufallen.

Nachdem bereits Politiker parteiübergreifend die Angriffe Müllers auf die Medien abgelehnt hatten, kam am Montag auch Kritik aus Reihen der Amtskirche. Der römische Kurienkardinal Walter Kasper distanzierte sich von Müllers Worten. Als Gast bei der evangelischen Landessynode in Weiden sagte Kasper nach Medienberichten, die katholische Kirche solle nicht mit dem Finger auf andere zeigen. «Wir sollen unser eigenes Haus in Ordnung bringen», meinte Kasper. Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Alois Glück.

Müller hatte schon in der Vergangenheit immer wieder Journalisten attackiert und sich über angebliche Kampagnen gegen seine Person oder die Kirche allgemein beklagt. Erst am 3. März hatte er auf der Bistumshomepage einen Artikel unter dem Titel «Das aktuelle Thema: "Sexueller Missbrauch" und seine antikatholische Instrumentalisierung» veröffentlicht. Auch in diesem Text warf Müller den Medien vor, die Pressefreiheit zu missbrauchen, indem «endlos antikatholische Klischees» bedient würden.

Internet: http://dpaq.de/bistum-regensburg

Kriminalität / Kirchen
22.03.2010 · 15:04 Uhr
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