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Bischof Mixa sagt Afghanistan-Besuch ab

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Augsburg/Berlin/Miltenberg (dpa) - Der wegen Misshandlungsvorwürfen unter Druck stehende Augsburger Bischof Walter Mixa hat einen Besuch bei Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan abgesagt. Mixa ist Militärbischof der katholischen Kirche in Deutschland.

Der Besuch war von kommenden Dienstag bis Samstag geplant.

Über die Gründe für die Absage gab es unterschiedliche Darstellungen: Wegen wichtiger Aufgaben in seiner Diözese könne Mixa die Reise nicht antreten, sagte eine Sprecherin des Militärbischofsamts am Freitag in Berlin. Dagegen betonte ein Sprecher des Bistums Augsburg, die Reise müsse «wegen organisatorischer Schwierigkeiten bei der Durchführung des Besuchs in Afghanistan» verschoben werden. Es gebe keinen Zusammenhang mit den aktuellen Anschuldigungen gegen Mixa, dieser wolle die Reise nachholen.

In der «Süddeutschen Zeitung» vom Freitag wurde Mixa erneut von einem früheren Heimkind beschuldigt. Eine 41-jährige Frau, die anonym bleiben will und von 1975 bis 1985 im Kinderheim St. Josef in Schrobenhausen lebte, sagte der Zeitung: «Ich wurde zweimal von Herrn Mixa mit dem Stock geschlagen.» Nach ihrer Darstellung war Mixa damals als Stadtpfarrer regelmäßig im Heim und hatte dabei oft Kinder geschlagen. «Ich musste die Hose runter ziehen, mich über die Badewanne beugen und bekam dann fünf bis sieben Schläge auf das Gesäß. ... Die ersten zwei Tage danach war es unmöglich, vernünftig zu sitzen vor Schmerzen», sagte sie dem Blatt.

Sie ist laut «Süddeutscher Zeitung» das siebte ehemalige Heimkind, das sich bereiterklärt, die Vorwürfe unter Eid vor Gericht zu bezeugen. Der Zeitung liegen eidesstattliche Erklärungen vor. Das Blatt «Donaukurier» berichtet von drei weiteren Menschen, die Übergriffe erlebt haben wollen. Mixa hat die Misshandlungsvorwürfe gegen ihn stets energisch bestritten. Den mutmaßlichen Betroffenen bot er am Freitag erneut das persönliche Gespräch an oder sie könnten sich an den eingesetzten Sonderermittler wenden. «Ich möchte in dieser Angelegenheit die Vorwürfe geklärt haben», sagte Mixa laut einer Mitteilung.

Die Bundesregierung wollte sich Freitag nicht zu den Vorwürfen äußern. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte auf die Frage, ob Mixa als Militärbischof das uneingeschränkte Vertrauen von Ressortchef Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) habe, man könne sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht auf Grundlage von Spekulationen äußern. Eine Sprecherin der Deutschen Bischofskonferenz meinte mit Blick auf die abgesagte Afghanistan-Reise, dies sei eine Angelegenheit des Bistums Augsburg beziehungsweise des Militärbischofsamtes.

Zur Aufklärung der Vorwürfe der früheren Heimkinder hat die Katholische Waisenhausstiftung in Schrobenhausen als Sonderermittler den Ingolstädter Rechtsanwalt Sebastian Knott eingesetzt. Knott teilte am Freitag mit, er könne bisher keine Wertung abgeben. Die weiteren Nachforschungen bedürften noch mehrerer Tage. Betroffene bat er, sich per E-Mail bei ihm zu melden. Er ermittle unabhängig von den Vorwürfen körperlicher Gewalt in dem Heim auch zu möglichen finanziellen Unregelmäßigkeiten in den 1980er und 1990er Jahren, bei denen es um die satzungsgemäße Verwendung von Geld gehe.

Der Schrobenhausener Stadtpfarrer Josef Beyrer sagte dem Sonderermittler seine Unterstützung zu. Das Heim müsse unbelastet in die Zukunft geführt werden. Helmut Mangold, der Vorsitzende des Diözesanrates in Augsburg, forderte: «Es muss aufgeklärt werden, welche Rolle der Stadtpfarrer Mixa damals gespielt hat.»

Er persönlich vertraue weiter dem Bischof, sagte Mangold der Nachrichtenagentur dpa. Das bedeute aber nicht, dass er den mutmaßlichen Opfern Lüge unterstelle. «Es muss klargestellt werden, was Wahrheit ist. Die Wahrheit kann ja durchaus sehr vielschichtig sein.»

Unterdessen hat das thüringische Bistum Erfurt einen im bayerischen Miltenberg eingesetzten Priester wegen sexueller Nötigung angezeigt. Der Mann habe die Übergriffe auf vier Minderjährige in den Jahren 1980 bis 1996 zugegeben, teilte das Bistum am Freitag mit. Die Diözesan-Leitung in Erfurt nannte es eine «falsche Entscheidung», den Mann trotz der bekannten Nötigungsvorwürfe von Januar 2004 bis August 2006 unter anderem im Jugendgefängnis Ichtershausen in Thüringen einzusetzen. Der Beschuldigte arbeitete zuletzt als Geistlicher in einem Seniorenheim im Bistum Würzburg. Jetzt sei er von allen seelsorgerischen Aufgaben entbunden worden.

Neue Missbrauchsvorwürfe gab es auch in Nürnberg. Dort meldeten sich rund ein Dutzend ehemalige Bewohner eines Jugendheimes - des Martin-Luther-Hauses - bei der Stadtmission. Sie berichteten von Gewalt und sexuellen Übergriffen in den 70er und 80er Jahren.

Für den 15. April ist ein Gespräch des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, mit Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) über die rechtlichen Aspekte der Missbrauchsaffäre geplant. Am Freitag hat sich auch der Vatikan erneut öffentlich zu den Missbrauchskandalen geäußert und den Papst gegen Vorwürfe verteidigt: Papst Benedikt XVI. verdiene nicht Kritik, sondern «allen Respekt und Unterstützung». Auf «Teilwahrheiten oder angebliche Enthüllungen» werde die Kirche mit Geduld antworten.

Kirchen / Kriminalität
09.04.2010 · 19:22 Uhr
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