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Bischof: Kein Verbot, aber Wachsamkeit

Bischof Gerhard UlrichGroßansicht

Kiel (dpa) - In der Debatte um die Koran-Verteilung in zahlreichen deutschen Städten hat sich Bischof Gerhard Ulrich für eine differenzierte Betrachtung ausgesprochen. Der Vorsitzende der Kirchenleitung der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche sagte, grundsätzlich sei gegen die Verteilung heiliger Schriften nichts zu sagen.

Für das Verständnis einer Religion sei die Kenntnis ihrer Grundlagen unerlässlich, hieß es in einer Erklärung des Bischofs.

Es sei aber zu fragen, was hinter der aktuellen Aktion stehe. «Wenn eine andere Religionen abwertende Absicht deutlich ist, dann ist diese Absicht zu kritisieren, aber ein Verbot der Aktion als solche macht keinen Sinn. Denn nicht die Verbreitung des Korans sollte verboten werden, sondern die Verbreitung einer fundamentalistischen Absicht, die damit verbunden sein könnte.»

Von einer Gegenoffensive durch die Verteilung von Bibeln hält Ulrich nichts. Eine solche Aktion «macht die Bibel zum ideologischen Werkzeug und verschleiert ihren Sinn als Wort Gottes». Wichtig sei, gemeinsam mit «den friedliebenden Kräften des Islam» wachsam gegenüber Fundamentalisten zu sein.

Auch der Bischofsbevollmächtigte im Sprengel Schleswig und Holstein, Gothart Magaard, sieht die Aktionen gelassen. Würde er auf der Straße angesprochen, «ich würde hingehen und versuchen, von Person zu Person ins Gespräch zu kommen. Mich würde der Hintergrund der Aktion interessieren». Das Verhältnis der Religionen zueinander sieht Magaard aktuell nicht als gefährdet an. Die Aktion werde eher eine «innermuslimische Debatte» anstoßen. Es werde sichtbar, «dass wir hier mit Muslimen unterschiedlicher Prägung zusammenleben».

Wenn es bei der Verteil-Aktion aber um ein Hinterfragen des guten Miteinanders gehe, müsse man kritisch sein. «Das sehen wir aber derzeit nicht.» Ähnlichkeiten der Aktion mit in Hotelzimmern ausliegenden Bibeln sieht Magaard nicht. «Das ist im Hotel eine andere Form der Begegnung, weil die Bibel selbstverständlich zu unserer Kultur und unserer Tradition gehört.»

Religion / Extremismus
14.04.2012 · 21:47 Uhr
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