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Bischöfin Käßmann leitet als erste Frau die EKD

Margot KäßmannGroßansicht
Ulm (dpa) - Erstmals übernimmt eine Frau das höchste Amt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die EKD-Synode wählte am Mittwoch in Ulm die Landesbischöfin von Hannover, Margot Käßmann, mit großer Mehrheit zur Ratsvorsitzenden.

Damit haben die 25 Millionen Protestanten jetzt eine weibliche Doppelspitze: Bereits im Frühjahr war die Grünenpolitikerin Katrin Göring-Eckardt zur Vorsitzenden des Kirchenparlaments gewählt worden.

«Es ist ein Zeichen, dass wir sagen, aus biblischen, theologischen Gründen ist es möglich, dass in der evangelischen Kirche Frauen wie Männer jedes Amt wahrnehmen können», sagte Käßmann nach ihrer Wahl. Die 51-Jährige erhielt 132 von 142 Stimmen. Es gab fünf Nein-Stimmen und vier Enthaltungen, eine Stimme war ungültig. Bundespräsident Horst Köhler, Politiker aller Parteien und die katholische Kirche reagierten positiv und mit Glückwünschen auf die Wahl.

Käßmann tritt die Nachfolge des Berliner Bischofs Wolfgang Huber (67) an, der mit Erreichen des Pensionsalters ausscheidet. Als neue EKD-Chefin wolle sie den Kampf für soziale Gerechtigkeit zu einer Schwerpunktaufgabe machen, kündigte sie an: «Wenn wir die sozialen Fragen in unserem Land sehen, Armut von Kindern, Bildungsarmut oder am anderen Ende des Lebens die Pflege und würdiges Sterben, dann wissen wir, dass unsere Kirche gebraucht wird.»

Die innerkirchlichen Diskussionen um ihre Scheidung spielten bei der Jahrestagung keine Rolle mehr. Dass sie als geschiedene Frau nun oberste Ansprechpartnerin für den Dialog mit den Katholiken sei, gefährde die Ökumene nicht, meinte Käßmann: «Ich bin überzeugt, dass es die Ökumene nicht belastet. (...) Ich werde alles tun, dass es ein gutes ökumenisches Miteinander gibt.»

Die katholische Kirche sieht nach Käßmanns Wahl gute Chancen für ein stärkeres Miteinander. Beide Kirchen stünden vor großen Herausforderungen, die sie nur gemeinsam lösen könnten, betonte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch: «Lassen Sie uns gemeinsam die ökumenischen Bande weiter entwickeln», erklärte er in einem Glückwunschschreiben. «Es ist ein Weg, den wir gemeinsam und auf Augenhöhe gehen. Das erwarten die Christen in Deutschland von uns.»

Käßmann kündigte an, bei den Katholiken nicht auf die Abschaffung des Zölibats (Ehelosigkeit von Priestern) oder auf die Öffnung des Priesteramtes für Frauen zu dringen: «Ich glaube nicht, dass es gut ist, sich gegenseitig zu sagen, wie Kirche zu sein hat.» Der Vorsitzende der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller, sieht ohnehin keinen Anlass, über die Rolle der Frau in der katholischen Kirche nachzudenken. «Wir haben ein anderes Amtsverständnis als die evangelische Kirche», sagte er dem Radiosender «MDR INFO».

Angesichts schrumpfender Mitgliederzahlen und Finanzen will die Bischöfin den von Huber eingeschlagenen Reformkurs fortsetzen: «Ich werde auf jeden Fall Sorge tragen, dass der Reformprozess der Evangelischen Kirche in Deutschland weitergeht und dass er vor allem auch die Gemeinden vor Ort ermutigt, die oft unter dem Finanzdruck und den Kürzungen verzagt sind.» Die zunehmende Zahl von Kirchenaustritten mache sie unendlich traurig, weil sich die Menschen mit ihren spirituellen Fragen eigentlich in der Kirche zu Hause fühlen müssten, sagte Käßmann dem «Deutschlandradio Kultur».

Huber gratulierte seiner Nachfolgerin: «Ich bin sehr glücklich über die Entscheidung von Synode und Kirchenkonferenz», meinte er. «Es ist kein Zweifel, dass Margot Käßmann eine herausragende Repräsentantin unserer Kirche ist.» Zum Vize-Vorsitzenden wählte die Synode ebenfalls mit großer Mehrheit den Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider.

Bundespräsident Köhler schickte ein Glückwunschschreiben an Käßmann: «Für das verantwortungsvolle Amt, das nicht nur für die Evangelische Kirche in unserem Land, sondern auch für Staat und Gesellschaft von hoher Bedeutung ist, wünsche ich Ihnen viel Kraft, eine glückliche Hand und Gottes Segen.»

Göring-Eckardt freute sich auf die Zusammenarbeit mit Käßmann: «Ich glaube, dass wir beide gemeinsam die evangelische Kirche hoffentlich so vertreten, dass sie erstens modern ist, dass sie zweitens vorankommt und sich anstrengt und dass wir drittens so sprechen, dass es auch Menschen verstehen, die nicht so ganz nah beim Glauben sind.»

Der evangelische Landesbischof von München, Johannes Friedrich, zeigte sich erfreut, dass erstmals seit 1985 wieder ein lutherischer Vertreter die protestantische Dachorganisation leite.

Kirchen
28.10.2009 · 18:09 Uhr
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