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Bischöfe: Solidarität üben und Schwache unterstützen

Erzbischof ZollitschGroßansicht
Hamburg (dpa) - Die Bischöfe in Deutschland haben in ihren Weihnachtspredigten zu mehr Gerechtigkeit und Solidarität aufgerufen.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, forderte eine stärkere Akzeptanz untereinander und prangerte den Leistungsdruck in der Gesellschaft an.

«Das Zerbrechliche und Schwache, das am Rande Stehende und Unscheinbare - es zählt nicht in unserer Gesellschaft, in der es um Leistung und Erfolg geht, in der sich die Stärkeren durchsetzen», sagte Zollitsch in seiner Weihnachtspredigt im Freiburger Münster am Freitag laut einem vorab verbreiteten Redemanuskript. Die Menschen seien kein Rädchen im Getriebe, bei dem man die Stellschrauben weiter anziehen könne, damit alles noch besser und reibungsloser funktioniere.

Es sei notwendig, auch die Schwachen zu tragen und zu stützen. Wahrscheinlich hätte es gravierende Auswirkungen, wenn die Wertschätzung eines Menschen nur durch das bestimmt wäre, was er leisten könne. «Wir hätten dann keinen Platz mehr für alte und schwache Menschen, die nicht mehr produktiv werden können; wir hätten keinen Blick mehr für Kranke und Behinderte - sie blieben links liegen.»

Als «Botschaft gegen Angst und Misstrauen» bezeichnete der Münchner Erzbischof Reinhard Marx die Weihnachtsbotschaft. Im überfüllten Münchner Liebfrauendom sagte Marx, die Menschen könnten durch Misstrauen, Angst und Mutlosigkeit die christliche Heilsbotschaft von der «Dynamik der Liebe» nicht zerstören. Die Gesellschaft solle sich nicht auf das Bewahren und Besitzen zurückziehen, sondern mit Mut zur Zukunft den Weg nach vorn gehen.

Der Mainzer Bischof Karl Lehmann rückte in seiner Weihnachtspredigt die Bedeutung von Gott und dessen Sohn Jesus in den Mittelpunkt. Gott komme nicht «in irgendeiner Marionette» zu den Menschen, sondern «durch einen, der Sohn ist», sagte der katholische Kardinal laut Manuskript am Freitagmorgen im 1000-jährigen Dom in Mainz. Gott habe in Jesus alles zusammengefasst, was er an Zuwendung den Menschen geschenkt habe. «Darum kann man ihn auch den "Sohn der Liebe" nennen. Weihnachten birgt dieses Geheimnis», predigte Lehmann.

Für den Kölner Erzbischof Joachim Meisner ist Weihnachten «das Geheimnis der Liebe Gottes, über das wir nur staunen können». Trotz aller Verbrechen, «trotz der Millionen Menschen, die verhungern, trotz der millionenfachen Abtreibungen, trotz der Wirtschaftskrisen und der militärischen Rüstungen» sei der Heiland in diese Welt geboren worden, unterstrich Meisner in seiner Weihnachtspredigt am Freitag im Kölner Dom.

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, sagte in Düsseldorf: «Setzt Hoffnungszeichen gegen Gewalt und Unmenschlichkeit.» Resignation und Zynismus angesichts der «"Dämonen" der Gewalt» in der Welt seien fehl am Platze: «Sucht Wege des Friedens», sagte Schneider.

Als «Anwältin des Lebens» bezeichnete der Bischof von Augsburg, Walter Mixa, die Kirche in seiner Predigt am ersten Weihnachtsfeiertag. Sie kämpfe für das Lebensrecht des ungeborenen Lebens, für Freiheit, Frieden und soziale Gerechtigkeit, sagte Mixa am Freitag im Augsburger Mariendom. Die Kirche müsse immer dann ihre Stimme gegen den Egoismus der Starken oder die Interessen des Marktes nach Profit erheben, wenn das körperliche und seelische Wohl des Menschen bedroht sei.

Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen wies in seiner Weihnachtspredigt auf die Würde des Menschen hin. «Die Würde ist nicht austauschbar oder verfügbar und nicht an Bedingungen geknüpft, sondern gilt unbedingt» sagte er am Freitagmorgen bei einem Gottesdienst im Dom laut Redemanuskript.

Vor der Entwurzelung des Menschen warnte der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst in seiner Weihnachtspredigt. «Wo Gott aus dem Blick gerät, werden Menschen entwurzelt», sagte er laut Manuskript. Wo Gott nicht mehr vorkomme, sei der Mensch heimatlos. Gleichzeitig mahnte Tebartz-van Elst die Verantwortung der Gesellschaft an. «Wo die Wirtschaft sich von Werten löst, geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander.»

Der Osnabrücker katholische Bischof Franz-Josef Bode rief in seiner Weihnachtsbotschaft dazu auf, in der Finanz- und Wirtschaftswelt die ethischen Maßstäbe zu beachten. Gerechtigkeit, Solidarität, die Bereitschaft zum Verzicht und der Einsatz für den Frieden seien entscheidend, sagte Bode am Freitag im Dom der Stadt.

Kirchen / Weihnachten
25.12.2009 · 12:30 Uhr
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