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Bischöfe nennen keine Entschädigungszahlen

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Fulda (dpa) - Nach den Skandal-Monaten wegen sexuellem Missbrauch und Gewaltexzessen in der katholischen Kirche hat die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) Versagen eingeräumt und Besserung gelobt.

Doch in der Debatte um Entschädigungszahlungen für Opfer möchte der Vorsitzende Robert Zollitsch vorerst keine Summen nennen. «Wir wollen nicht über konkrete Zahlen sprechen», sagte der Freiburger Erzbischof in Fulda zur Eröffnung der Herbst-Vollversammlung.

Verärgert reagierte er auf das Vorpreschen der Jesuiten, die Geld in Aussicht gestellt hatten. Dabei war von möglichen Entschädigungen in vierstelliger Euro-Höhe die Rede. Summen um die 80 000 Euro pro Fall, wie von Opfern gefordert, seien für ihn nicht vorstellbar, stellte Zollitsch klar. Der DBK-Vorsitzende signalisierte aber, dass die Bischofskonferenz bald einen Vorschlag am Runden Tisch in Berlin einbringen wolle. Dort werden die Missbrauchsvorfälle aufgearbeitet.

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck sieht den Episkopat nun in der Frage von Entschädigungen unter Zugzwang. «Der öffentliche Erwartungsdruck steigt», räumte er in einem Interview mit der «Frankfurter Rundschau» (Montag) ein. Er bedauere, dass Bischöfe und Ordensgemeinschaften nicht gemeinsam eine Lösung präsentierten. Zollitsch sagte, er halte es nicht für gut, wenn einzelne Gruppen Alleingänge starteten und andere unter Druck setzten.

Bei dem traditionellen Treffen in Fulda wollen die 67 Bischöfe und Weihbischöfe aus 27 Diözesen auch darüber beraten, wie sexuellem Missbrauch Minderjähriger künftig wirksamer vorgebeugt werden kann. Ein Entwurf sei vorbereitet, nun wolle man sich auf eine Rahmenordnung zur Prävention verständigen, sagte Zollitsch. Es gehe darum, Wachsamkeit zu erzeugen, um die Frage von Selbstverpflichtung und auch um polizeiliche Führungszeugnisse von Kirchen-Bediensteten.

Selbstkritisch äußerte sich der Erzbischof zur Rolle der Oberhirten im Missbrauchsskandal: «Wir wissen, wo wir versagt haben. Wir haben als Kirche die Probleme zu spät wahrgenommen. Aber wir haben daraus gelernt.» Die katholische Kirche habe stark an Glaubwürdigkeit verloren, befand Zollitsch. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz befürchtet, dass es in den vergangenen Monaten einen Anstieg der Kirchenaustritte gegeben habe, konnte aber am Montag keine Zahlen nennen.

Erst Ende August hatten die Bischöfe in Trier überarbeitete Leitlinien zum Umgang mit dem Missbrauchsskandal vorgestellt. Auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa nannte die Bischofskonferenz am Montag Zahlen zur Nutzung der Hotline, die als Hilfe für Missbrauchsopfer geschaltet wurde. Von Ende März bis Mitte September seien 3149 Anrufe entgegengenommen worden. Anfangs wurden die Berater von der Flut der Anfragen überrollt. Es gab den Angaben zufolge etwas mehr als 23 000 Anrufversuche.

In einem Impulsreferat zeigte sich Zollitsch nachdenklich und selbstkritisch mit dem Willen zu Aufbruch, Wandel und Erneuerung. «Man wirft uns mangelnde Lernbereitschaft vor und sagt, unsere eigene Lebenswelt sei zu weit entfernt von der Lebenswelt der Menschen, sowohl in der Kirche als auch insgesamt in der Gesellschaft», sagte er laut Manuskript. Er warnte: «Verschlossenheit und Realitätsferne aus Voreingenommenheit können zu Hartherzigkeit führen.»

Zollitsch forderte, die Kirche müsse wieder mehr auf die Menschen zugehen: «Wir haben noch mehr zu lernen, eine Kirche des Hörens zu sein.» Reden wollen die Bischöfe auch über den Zölibat. Zur Papst- Reise Benedikts in England sagte Zollitsch, das Brückenbauen zwischen den Konfessionen sei wertvoll.

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20.09.2010 · 18:10 Uhr
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