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Bin-Laden-Fotos unter Verschluss: Jagd geht weiter

US-Präsident Barack Obama am 1. Mai während einer Konferenz im Großansicht

Washington/Berlin (dpa) - Das Weiße Haus wird die Fotos vom toten Terroristenchef Osama bin Laden nicht freigeben. US-Präsident Barack Obama habe sich gegen eine Veröffentlichung entschieden, um kein Propagandamaterial zu schaffen, teilte sein Sprecher am Mittwoch in Washington mit.

Die Jagd auf weitere Führungsmitglieder des Terrornetzes Al-Kaida geht derweil weiter. US-Spezialisten hoffen auf entscheidende Hinweise in dem Material, das im pakistanischen Unterschlupf Bin Ladens sichergestellt wurde. US-Regierungsbeamte sprachen nach Presseberichten von einem «wahren Schatz».

«Es ist uns sehr wichtig, dass sehr eindringliche Fotos von jemandem, der in den Kopf geschossen wurde, nicht zur Anstachelung weiterer Gewalt oder als Propaganda-Werkzeug im Umlauf sind», sagte Obama in einem Interview des Senders CBS, das am Mittwoch ausgestrahlt werden sollte. Es gebe keinen Zweifel, dass Bin Laden tot sei. Auch Mitglieder des Terrornetzes Al Kaida bezweifelten das nicht. Ob die Fotos veröffentlicht würden oder nicht, mache keinen Unterschied. Wer noch immer nicht vom Tod des Terroristenchefs überzeugt sei, werde auch nicht von Bildern umgestimmt, sagte Obama.

Unterdessen werden immer mehr Einzelheiten der Kommandoaktion gegen Amerikas Staatsfeind Nummer eins in der pakistanischen Garnisonsstadt Abbottabad bekannt. Der meistgesuchte Terrorist der Welt war unbewaffnet, als er in der Nacht zum Montag mit Schüssen in Gesicht und Brust getötet werde.

Neben der Leiche des Topterroristen habe das US-Spezialkommando große Mengen Material aus dem Unterschlupf Bin Ladens mitgenommen, berichteten US-Medien. Es seien fünf Computer, zehn Festplatten und mehr als 100 Speichergeräte wie DVDs und USB-Sticks sichergestellt worden. Dies sei eine «fantastischen Ausbeute» für die US-Geheimdienste.

«Es ist mehr als wir erwartet haben», sagte ein Regierungsbeamter. «Wir haben schriftliches Material, Fotos, alle möglichen Sachen.» Sie werden nun zur Analyse ins CIA-Hauptquartier im US-Bundesstaat Virginia gebracht. Die USA erhoffen sich davon unter anderem Hinweise auf die bisherige Nummer zwei der Al-Kaida, Eiman al-Sawahiri.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich geht davon aus, dass die Auswertung des sichergestellten Materials auch Deutschland bei der Terrorbekämpfung zugutekommen wird. «Keine Frage, dass wir davon profitieren werden», sagte Friedrich am Mittwoch kurz vor Abschluss eines dreitägigen Besuches in Washington.

CIA-Chef Leon Panetta sagte, Bin Laden sei unbewaffnet gewesen. Es habe jedoch Schießereien gegeben - «bedrohliche Bewegungen, die unsere Jungs gefährdet haben. Darum haben sie geschossen», sagte Panetta in dem US-Senders PBS. Die Soldaten hätten dafür ausdrücklich die Befugnis gehabt. «Hätte er (Bin Laden) die Hände hochgenommen und aufgegeben oder ein anderes Zeichen gemacht, dass er keine Gefahr darstellt, dann hätten ihn die Soldaten festgenommen.»

Obama habe die Tötung Bin Ladens nicht mitangesehen, berichtete der CIA-Direktor. «Als die Teams in das Gebäude eingedrungen waren, gab es eine Zeitspanne von 20 bis 25 Minuten, in der wir nicht wussten, was dort passierte.» Warum die Verbindung zwischen der Sondereinheit und dem Weißen Haus plötzlich abgebrochen war, sagte der Geheimdienstchef nicht. Schließlich sei das Code-Wort «Geronimo» gefallen, dass für den Tod des Al-Kaida-Chefs gestanden habe. An dem Einsatz waren laut Panetta 25 Elitesoldaten beteiligt.

Der US-Sender MSNBC berichtete, eine solche Mission erfordere Übung. Deshalb sei auf der US-Luftwaffenbasis im afghanischen Bagram das Anwesen Bin Ladens in Abbottabad nachgebaut worden. Dort sei der spätere Einsatz in Pakistan seit diesem April geprobt worden.

Eine Tochter Bin Ladens soll nach pakistanischen Medienberichten die Erschießung ihres Vaters hautnah miterlebt haben. Wie die Zeitung «The News» unter Berufung auf Sicherheitskreise in Pakistan berichtete, wurde Bin Laden nach Aussage des zwölfjährigen Mädchens bei dem Militärcoup zunächst lebend gefasst und wenig später vor den Augen seiner Familie erschossen.

Dem Bericht zufolge befindet sich die Tochter mit anderen Familienmitgliedern in der Hand der pakistanischen Behörden. Pakistanische Sicherheitskräfte hätten nach Ende des US-Einsatzes insgesamt 16 Menschen lebend und mit gefesselten Händen in dem Haus angetroffen.

Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, forderte weitere Aufklärung zu den Todesumständen des Terroristenführers. «Es handelte sich um eine sehr schwierige Operation, und es wäre hilfreich, wenn wir die genauen Fakten der Umstände seiner Tötung kennen würden», heißt laut Sprecher Rupert Colville in der Anfrage an die Regierung in Washington.

Nach der Kritik an ihrer offenen Freude über den Tod von Bin Laden bemüht sich Kanzlerin Angela Merkel um Schadensbegrenzung. In ihrer Stellungnahme zum Tod Bin Ladens hatte Merkel auf eine Frage gesagt: «Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten.» In Kirchenkreisen, aber auch in den Regierungsfraktionen im Bundestag wurde Merkels Wortwahl kritisiert. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin: «Das Motiv ihrer Freude war der Gedanke: Von diesem Mann wird nun keine Gefahr mehr ausgehen. Die Welt lebt hoffentlich ein Stück sicherer.»

Obama will an diesem Donnerstag Ground Zero in New York besuchen. Dort, wo am 11. September 2001 Al-Kaida-Terroristen zwei Flugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Center steuerten, will er sich mit Angehörigen der Opfer treffen. Bin Laden soll der Hauptdrahtzieher der Anschläge gewesen sein, bei denen allein in New York etwa 2600 Menschen ums Leben gekommen waren.

Terrorismus / USA
04.05.2011 · 22:15 Uhr
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