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Bildungsministerin Schavan übt Kritik an Ministerkollegen

Berlin (dts) - Bildungsministerin Annette Schavan ist mit den Skeptikern der Bolognareform hart ins Gericht gegangen. In vielen ihrer Kommentare sei zu deutlich der Unwille mitgeschwungen, sich überhaupt auf Veränderungen einzulassen, sagte Schavan gegenüber der "Zeit". Durch den Bolognaprozess wird die europäische Hochschullandschaft vereinheitlicht, was in Deutschland unter anderem zur Einführung der Abschlüsse Bachelor und Master geführt hat.

Kritik übte Schavan auch an einigen ihrer Ministerkollegen, die auf der Höhe der Bildungsstreiks vor knapp zwei Jahren die Studienreform nicht mutig genug verteidigt hätten: "Mancher ist zu schnell in die Büsche gegangen." Vor der zweiten Bolognakonferenz, zu der sich am 6. Mai Vertreter aus Politik, Wirtschaft, der Hochschulen und Studenten treffen, um den Reformprozess weiter zu begleiten, lobte Schavan die Fortschritte, die seit der ersten Konferenz erreicht wurden. "Die Themen vom letzten Jahr haben wir bearbeitet, und die Verbesserungen sind augenscheinlich", meinte Schavan und verwies auf Ergebnisse des Hochschul-Informations-Systems sowie des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft und des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, die am 3. Mai in Berlin vorgestellt wurden. "Die Lust aufs Studieren war nie größer als heute, die internationale Mobilität der Studenten liegt doppelt so hoch wie vor zehn Jahren, die Chancen der Bachelor-Absolventen auf dem Arbeitsmarkt sind gut", fasste sie zusammen. "Hinzu kommt: Die Studierenden sind zunehmend zufrieden mit ihren Studienbedingungen." Vorwürfe, die Bolognakonferenz würde zu einer inhaltsleeren Showveranstaltung werden, wies Schavan zurück. Sie gehe davon aus, dass sie sich mit den Studierendenvertretern auf der Konferenz über die verbliebenen zentralen Baustellen einig werden könne. Für sie selbst sei die Mobilität innerhalb Deutschlands das wichtigste Thema. "Gerade weil der Wechsel ins Ausland in den vergangenen Jahren so viel einfacher geworden ist, darf es nicht sein, dass der Umzug innerhalb Deutschlands eine unüberwindbare Hürde ist." Das zweite wichtige Thema werde die Zukunft der Masterstudiengänge sein. Tatsächlich hatten Studierendenverbände in den vergangenen Wochen vor einer Verknappung der Studienplätze gewarnt und wiederholt das Ende aller Zugangsbarrieren zum Master gefordert. Schavan zitierte als Reaktion eine Übersicht der Kultusministerkonferenz, derzufolge nur ein Viertel aller Masterstudiengänge derzeit überhaupt mit einem Numerus Clausus belegt seien. Das Angebot an Plätzen sei groß genug, so die Ministerin: "Es gibt also keinen Grund, vorbeugend zu schimpfen, weil da vielleicht mal ein Mangel drohen könnte." Allerdings wolle sie daran erinnern, dass es nie Sinn des Bolognaprozesses gewesen sei, Bachelor- und Master-Studium als Einheit zu begreifen. "Die politischen Akteure tun gut daran, nicht den Eindruck zu erwecken, ein Studium sei nur etwas wert, wenn es mit einem Masterabschluss endet."
DEU / Parteien / Bildung
03.05.2011 · 17:08 Uhr
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