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"Bild": Versorgung von Verwundeten in Afghanistan nicht angemessen sichergestellt

Berlin (dts) - Interne Berichte der Bundeswehr belegen, dass die Versorgung von verwundeten Soldaten in Afghanistan nicht angemessen sichergestellt war. Das berichtet die "Bild-Zeitung" (Donnerstagausgabe) unter Berufung auf die so genannten Kontingentberichte, die als "Verschlusssache" eingestuft sind und der Zeitung vorliegen. In den Kontingentberichten beschreiben Generäle und hohe Offiziere der Bundeswehr in Afghanistan Mängel und Schwächen des Einsatzes.

Im Kontingentbericht aus dem Juli 2010 heißt es: "Die Einhaltung der planerischen Zeitvorgabe der NATO für die Versorgung verwundeter und verletzter Soldaten ist insbesondere nach Herabsetzen der Rettungszeiten von 90 auf 60 Minuten ... derzeit weiterhin nicht grundsätzlich sicherzustellen." Zwar habe es eine "Entspannung der Lage" gegeben, weil die USA im August 2010 so genannte Medevac-Helikopter in den Norden Afghanistans schickten. Doch an der Qualität der amerikanischen Sanitäter äußerten die Deutschen Zweifel: "Der zusätzliche Einsatz eines deutschen Rettungsmediziners nach deutschem medizinischen Standard", so drängten die deutschen Offiziere, sei "unverzichtbar". Dabei geht laut "Bild-Zeitung" aus den Kontingentberichten auch hervor, dass die deutschen Sanitäter nicht ausreichend auf den Einsatz vorbereitet waren. Bei der "Traumaversorgung existieren häufig Lücken, da diese in Deutschland unzureichend ausgebildet sind", heißt es im Kontingentbericht. Die Bundeswehr hatte in den letzten Jahren immer wieder betont, dass die Notfallversorgung der Soldaten erstklassig sei. Auch die Strategie der Bundeswehr, afghanische Soldaten und Polizisten auszubilden, wird laut Kontingentbericht immer wieder gefährdet, weil die Dienstposten der Ausbilder (Mentoren) "nicht adäquat" besetzt werden. Im Bericht aus dem November 2010 heißt es dazu: "Mentorendienstposten werden nicht adäquat bezüglich Alter, Dienstgrad und Erfahrung besetzt. Vor dem kulturellen und geschichtlichen Hintergrund Afghanistans spielen Alter, Dienstgrad und Erfahrung der Mentoren die entscheiden Rolle, um von den afghanischen Partnern akzeptiert zu werden. Eine Besetzung mit ‚Lückenfüllern‘ ist angesichts der vielfältigen Herausforderungen der afghanischen Armee nicht zielführend, ein erfolgreiches Mentoring damit nicht möglich." Die Situation ist so dramatisch, dass die Offiziere des Bundeswehr warnen: "Auftragserfüllung gefährdet."
DEU / Afghanistan / Militär
23.06.2011 · 00:17 Uhr
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