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Bevölkerung wächst weiter - Nur in Europa nicht

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Wiesbaden (dpa) - Die Bevölkerung wächst in allen Kontinenten der Erde weiter - nur in Europa schrumpft sie. Rund 9,1 Milliarden Menschen werden 2050 nach einer Prognose der Vereinten Nationen auf der Welt leben, derzeit sind es etwa 6,8 Milliarden.

Allerdings: Die Bevölkerung wächst langsamer als in den vergangen Jahrzehnten. Ab 2040 sinkt die Geburtenrate weltweit den Schätzungen zufolge sogar unter den Wert von durchschnittlich 2,1 Kindern pro Frau, der statistisch notwendig ist, um die Bevölkerungszahl stabil zu halten. Diese UN-Hochrechnung veröffentlichte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag, einen Tag vor dem Weltbevölkerungstag.

Am stärksten nimmt in den nächsten Jahrzehnten die Einwohnerzahl Afrikas zu: Sie wird sich - trotz hoher Aids-Raten - nach der UN- Schätzung bis 2050 fast verdoppeln und dann rund zwei Milliarden betragen. Indien löst der Prognose zufolge China etwa im Jahr 2025 als bevölkerungsreichstes Land ab. In beiden Ländern zusammen sollen Mitte des Jahrhunderts mehr als drei Milliarden Menschen zu Hause sein, in ganz Asien mehr als fünf Milliarden. Die Europäer hingegen werden dann mit rund 691 Millionen Menschen nur noch etwa 7,6 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen - 100 Jahre zuvor war noch rund jeder Fünfte ein Europäer.

In Deutschland wird die Zahl der Einwohner der UN-Prognose zufolge bis zur Mitte des Jahrhunderts von rund 82 Millionen auf 70,5 Millionen sinken. Die Statistiker in Wiesbaden gehen in ihren eigenen mittleren Projektionen von 68,7 bis 74 Millionen Deutschen im Jahr 2050 aus. «In Deutschland ist die Zahl der Kinder kleiner als die der Eltern, deshalb ist die Zahl der potenziellen Eltern von morgen geringer», erläuterte der Direktor des Instituts für Bevölkerungs- und Gesundheitsforschung der Uni Bielefeld, Prof. Ralf E. Ulrich. «In Afrika, wo die Kindergeneration größer als die der Eltern ist, gibt es auch morgen mehr Eltern, wenn die weniger Kinder kriegen.»

In Europa werde die sinkende Geburtenrate am frühesten sichtbar, sagte Rembrandt Scholz vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock. 1950 lag die durchschnittliche Geburtenrate pro Frau nach Angaben der Fachleute weltweit noch bei 4,92 Kindern, derzeit sind es 2,56 - im Jahr 2050 könnten es weniger als zwei sein. Die Konzentration der Weltbevölkerung in großen Städten ist nach Ansicht von Scholz einer der Gründe für den Rückgang. Die Bedeutung der Kinder als Sicherheit und Versorger sei in Städten geringer als auf dem Land. «Der Wanderungsdruck wird steigen, und die Verantwortung der entwickelten Länder nimmt zu», sagte Scholz für die nächsten Jahrzehnte vorher.

Prof. Ulrich nimmt an, dass die Ernährungsgrundlage für einige Milliarden Menschen wegbrechen könnte, wenn - wie zu erwarten - die Förderung der fossilen Brennstoffe sinke und in Folge dessen die Preise etwa für Erdöl drastisch steigen. «Hungersnöte und die Auseinandersetzung um fossile Brennstoffe könnten stark zunehmen.» Es müssten dringend weltweit Wege gefunden werden, «mit der zweiten Hälfte der fossilen Brennstoffe so umzugehen, dass man einen Einstieg in den Umstieg schnell genug schafft». Als Beispiel sagte Ulrich: «Die Siedlungsstrukturen müssen in den nächsten Jahren so umgestellt werden, dass sie mit weniger Transport auskommen.»

Der Druck auf die Gesundheits- und Bildungssysteme sowie auf die Ernährungslage werde sich in den Entwicklungsländern erheblich erhöhen, teilte die Deutsche Stiftung der Weltbevölkerung in Hannover mit. Gerade in Krisenzeiten sei die Stärkung von Frauen und Mädchen unerlässlich, um Armut zu bekämpfen.

http://esa.un.org/unpp

Bevölkerung / Statistik
10.07.2009 · 14:18 Uhr
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