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Betroffenheit über Tod von Bärbel Bohley

Bärbel Bohley totGroßansicht

Berlin (dpa) - Die DDR-Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley, eine der Leitfiguren der friedlichen Revolution von 1989, ist tot. Die 65- jährige Pazifistin und Mitbegründerin des Neuen Forums starb am Samstag nach einem längeren Krebsleiden in Berlin.

Die Malerin gehörte zu den führenden Oppositionellen gegen das SED-Regime und den Wegbereitern der deutschen Einheit. Ehemalige Weggefährten und führende Politiker würdigten sie als mutige Vorkämpferin für Freiheit und Gerechtigkeit. Bohley, die für ihre Verdienste um die Wiedervereinigung mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Nationalpreis ausgezeichnet wurde, lebte zuletzt zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die selbst in der DDR aufgewachsen war, nannte ihren Mut und ihre Geradlinigkeit beispielhaft. «Ich behalte sie in Erinnerung als eine Persönlichkeit, die die friedliche Revolution und den Weg zur deutschen Einheit ermöglicht hat», fügte Merkel hinzu. «Wir Deutsche sind Bärbel Bohley zu Dank verpflichtet.» Bundespräsident Christian Wulff sagte, mit ihrem Aufruf zur friedlichen Revolution in der DDR sei es ihr gelungen, «das Regime ins Wanken zu bringen und den Lauf der Geschichte entscheidend mit zu beeinflussen».

Die Robert-Havemann-Gesellschaft, die sich der Geschichte der DDR- Opposition widmet und ihren Tod am Samstag bekanntgab, würdigte Bohley als «streitbare und unbequeme Kämpferin für Menschen- und Bürgerrechte». Die stellvertretende FDP-Vorsitzende Cornelia Pieper bescheinigte Bohley, sie haben «mit Mut, Leidenschaft und Konsequenz» Deutschland verändert. «Ihre Geradlinigkeit und Kompromisslosigkeit werden uns fehlen.»

Für das SED-Regime um Erich Honecker galt die streitbare Künstlerin, die nach einem Studium an der Kunsthochschule Berlin- Weißensee in Ost-Berlin als freischaffende Malerin arbeitete, als kaum ruhig zu stellender Störfaktor. 1983 wurde sie erstmals wegen «landesverräterischer Nachrichtenübermittlung» festgenommen und im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen inhaftiert.

Sie forderte mit andere Dissidenten bei einer offiziellen Demonstration zum Jahrestag der Ermordung der Arbeiterführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht mit einem Luxemburg-Zitat die Freiheit Andersdenkender ein - und wurde 1988 abgeschoben. Bohley musste nach Großbritannien ausreisen. Nach sechs Monaten erzwang sie ihre Rückkehr in die DDR. 1989 gründete Bohley das Neue Forum mit, das später im Bündnis 90 und mit diesem dann in den Grünen aufging.

Vor genau 20 Jahren, im September 1990, besetzte Bohley zusammen mit anderen Aktivisten das Stasiakten-Archiv in der berüchtigten Berliner Normannenstraße. So erzwangen die damaligen Protestler letztendlich die später gesetzlich geregelte Einsicht in die Stasiakten. Nach dem Mauerfall organisierte die Künstlerin in den 90er Jahren in ihrer Berliner Wohnung «Montagsrunden», um zu verhindern, dass alte DDR-Seilschaften wieder mächtig werden. Dort empfing sie auch den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU).

Von 1996 an lebte Bohley vorwiegend im ehemaligen Jugoslawien. Sie organisierte in Bosnien ein Wiederaufbauprogramm und ermöglichte Waisen und Kindern aus Flüchtlingsfamilien aus Ex-Jugoslawien gemeinsame Sommerferien in Kroatien.

Robert-Havemann-Gesellschaft

Geschichte / DDR / Personen
12.09.2010 · 17:13 Uhr
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