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Berlusconi denkt über Afghanistan-Abzug nach

Särge italienischer SoldatenGroßansicht
Rom (dpa) - Die Leichen der sechs bei einem Selbstmordanschlag in Kabul getöteten italienischen Soldaten der internationalen Afghanistan-Schutztruppe (ISAF) sind am Sonntag nach Italien gebracht worden.

Ihre Särge wurden auf dem römischen Flughafen Ciampino von Familienangehörigen und Mitgliedern der italienischen Regierung - darunter auch Staatspräsident Giorgio Napolitano - mit allen Ehren empfangen. Für Montag ist ein Staatsbegräbnis geplant.

Bei dem Bombenanschlag auf einen Konvoi der ISAF-Truppe am vergangenen Donnerstag waren in der afghanischen Hauptstadt neben den sechs italienischen Soldaten auch zehn Zivilisten getötet worden, mindesten 50 Menschen wurden verletzt. Die radikal-islamischen Taliban bekannten sich zu der Tat.

In Italien hatte der Tod der Soldaten tiefe Bestürzung und erneut eine politische Debatte über das militärische Engagement am Hindukusch ausgelöst. Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der am Sonntag nicht am Flughafen zugegen war, sprach sich erneut für einen raschen Abzug aus, jedoch ohne ein Datum zu nennen. Keines der an dem internationalen Einsatz beteiligten Länder könne allein über einen Abzug entscheiden. Die baldige Heimkehr von 500 Soldaten sei aber bereits vorgesehen. Berlusconi versuchte damit nach Einschätzung von Beobachtern, den Streit im eigenen Regierungslager über einen Rückzug zu glätten und dabei gleichzeitig die Verlässlichkeit als NATO-Mitglied zu betonen.

Papst Benedikt XVI. sprach sich am Sonntag für die Friedensmission in Afghanistan aus. Die Soldaten der ISAF-Truppe «arbeiten, um den Frieden und die Schaffung von Institutionen voranzutreiben, die so nötig sind für das menschliche Zusammenleben», so Benedikt beim sonntäglichen Angelus-Gebet in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo bei Rom. Der Papst sprach den Familien der Toten sein tiefes Beileid aus und forderte die Gläubigen außerdem erneut zu globaler Solidarität auf, «um Gerechtigkeit, Versöhnung, Frieden und Entwicklung unter den Völkern zu fördern.»

Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes sind insgesamt 21 italienische Soldaten ums Leben gekommen. Gegenwärtig hat Italien etwa 2800 Soldaten im Westen des Landes sowie in Kabul stationiert.

Konflikte / Italien / Afghanistan
20.09.2009 · 13:04 Uhr
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