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Berlusconi bleibt vorerst in der Klinik

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Mailand (dpa) - Frühestens drei Tage nach der Wurfattacke gegen ihn wird Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi das Mailänder Hospital wieder verlassen können. «Der Premier müsste am Mittwoch entlassen werden können, mit aller Wahrscheinlichkeit am Nachmittag», sagte der Chefarzt des Krankenhauses San Raffaele, Alberto Zangrillo, am Dienstag.

Unterdessen entschuldigte sich der 42-jährige Attentäter Massimo Tartaglia bei Berlusconi. Die Anwälte des Täters haben am Dienstag beantragt, dass ihr als seelisch labil bekannter Mandant im einer psychiatrischen Klinik untergebracht wird. Er müsse behandelt werden, und im Januar könne er dann fest in einer «therapeutischen Gemeinschaft» aufgenommen werden, sagten sie dem Ermittlungsrichter.

Chefarzt Zangrillo empfahl dem angeschlagenen Regierungschef, «sich mindestens zwei Wochen aller öffentlichen Verpflichtungen zu enthalten». Auch die zahlreichen Krankenbesuche könnten den Ministerpräsidenten «zusätzlich unter Stress setzen.» Nach Angaben des Chefarztes ist Berlusconi «froh über die fortschreitende Genesung», aber «niedergeschlagen und verbittert» über den Vorfall. Es werde eine schwierige Sache sein, den als ebenso arbeitsam wie umtriebig bekannten 73-Jährigen ruhig zu halten, meinte sein Sprecher Paolo Bonaiuti, «auch wenn die Schmerzen im Gesicht weiter anhalten.»

Der umstrittene Medienmogul war am Sonntagabend nach einer Wahlveranstaltung in Mailand von dem 42-Jährigen plötzlich attackiert worden. Der Täter schleuderte Berlusconi eine Miniatur-Nachbildung des Mailänder Doms ins Gesicht. Dabei erlitt Berlusconi einen Bruch der Nasenscheidewand, außerdem wurden zwei Vorderzähne beschädigt. Er brach blutüberströmt zusammen und kam sofort in das Krankenhaus.

In einem Brief an Berlusconi sprach der Täter inzwischen von seinem tief empfundenem Bedauern über «die feige und unbedachte Tat» Der Angreifer befindet sich in Polizeigewahrsam und musste am Dienstag vor dem Ermittlungsrichter aussagen. Nach Angaben seines Vaters befindet er sich seit vielen Jahren in psychischer Behandlung.

Die gewalttätige Attacke hat in Italien eine heftige Diskussion über den Verfall der politischen Kultur ausgelöst. Alle Vertreter der Regierungsparteien sowie große Teile der Opposition machen das «aggressive Politklima» für die Tat verantwortlich. Die Regierung erwägt nach den Worten von Innenminister Roberto Maroni vor diesem Hintergrund auch ein stärkeres Vorgehen gegen Internetseiten, die zur Gewalt aufrufen. Das politische Klima in Italien war nicht zuletzt von Websites aufgeheizt worden, auf denen etwa «Tötet Berlusconi» zu lesen war. Welche Maßnahmen nun ergriffen werden könnten, wird das Kabinett - ohne Berlusconi - womöglich schon am Donnerstag erörtern.

Regierung / Leute / Kriminalität / Italien
15.12.2009 · 15:59 Uhr
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