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Berliner ertragen S-Bahn-Chaos mit Fassung

Ausfälle bei Berliner S-BahnGroßansicht
Berlin (dpa) - Die Berliner ertrugen den Notstand bei ihrer S-Bahn mit Fassung - das befürchtete Chaos im Berufsverkehr der Hauptstadt ist am Montag ausgeblieben.

Wegen Sicherheitsüberprüfungen und Auswechslungen an Rädern und Achsen konnte die S-Bahn nur 330 Wagen auf die Schienen schicken. An normalen Werktagen sind es sonst gut 1100 für durchschnittlich 1,3 Millionen Fahrgäste. Doch die meisten Fahrgäste schimpften nur leise und quetschten sich geduldig in die wenigen Schnellbahnen und die zusätzlich aufgebotenen Regionalbahnen, Busse und U-Bahnen. Nicht wenige stiegen aufs Fahrrad oder fuhren mit dem Auto, um pünktlich zur Arbeit zu kommen.

Vor allem aber hatte die S-Bahn Glück im Unglück: «Die Schulferien sind uns zu Hilfe gekommen», sagte ein Bahnsprecher. Es seien weit weniger Menschen in der Stadt unterwegs als sonst. Voraussichtlich noch bis zum 9. August soll ein Notfahrplan gelten. Dann, so hat es die Bahn versprochen, soll es Woche für Woche besser werden mit dem Zugangebot.

Einschränkungen im S-Bahn-Verkehr machen vielen Berlinern und Pendlern aus dem Umland schon seit Ende Juni das Fortkommen in der Stadt schwerer. Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) hatte Sicherheitsüberprüfungen angeordnet, nachdem Anfang Mai ein Zug wegen eines Radbruchs entgleist war. Jetzt ist es für die Berliner noch dicker gekommen, weil das EBA die Fristen für die Wartungsarbeiten vorsichtshalber nochmals verkürzt hat. Im Juni war erneut ein Riss in einer Radscheibe entdeckt worden. Nun stauen sich zwei von drei S-Bahnwagen auf den Abstellgleisen vor den Werkstätten.

Weil die Wagen fehlen, verkehren auf der zentralen Ost-West-Verbindung über die Stadtbahn zwischen Ostbahnhof und Bahnhof Zoologischer Garten seit Montag und in den kommenden knapp drei Wochen gar keine S-Bahnen mehr. Als Ersatz sind sieben Regionalzüge pro Stunde in beide Richtungen unterwegs. Am Bahnhof Alexanderplatz versperren rot-weiße Bänder den Zugang zu den Rolltreppen auf den S-Bahnsteig. Dort ist das gläserne Aufsichtshäuschen verwaist. Aufgestellte Tafeln verweisen auf die Regionalzüge am Nachbarbahnsteig.

Am Montagmorgen waren die doppelstöckigen Bahnen proppevoll, selbst auf den Treppen in den Wagen kauerten Reisende. Hinzu kamen dicke Rucksäcke und Fahrräder - trotzdem herrschte fast gespenstische Ruhe. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte die Berliner zu Solidarität und Rücksichtnahme aufgerufen.

Am Bahnhof Friedrichstraße sagte der Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma mit leuchtend oranger Weste: «Im Prinzip läuft alles, es sind nur ganz wenige Leute nervös.» Er stand für Fragen von Fahrgästen bereit. In einer Bäckerei am S-Bahnhof Tiergarten, wo keine S-Bahn mehr fährt, beklagte der Filialleiter: «Wir haben heute schon 75 Prozent weniger Umsatz. Wenn das so weitergeht, machen wir jeden Tag Verlust von bis zu 1000 Euro - wir leben von den Bahnkunden.»

Bei der S-Bahn, die der Deutschen Bahn gehört, sagte ein Sprecher, in den ersten beiden Stunden nach Betriebsbeginn bis etwa 6.00 Uhr habe es Probleme gegeben. Dann habe sich der Notplan eingespielt. «Wir sind ganz zufrieden», so der Sprecher.

Ohne Hilfe aus dem Konzern geht es freilich nicht. Mittlerweile sind Regionalzüge aus Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen im Berliner Schienennetz im Einsatz, um die Zugausfälle bei der S-Bahn zumindest teilweise auszugleichen. Aus München und Stuttgart hat der Konzern mehrere S-Bahnen herbeibeordert, die vor allem Fernreisende vom und zum Hauptbahnhof bringen sollen. Sie können aber nicht auf Berliner S-Bahngleisen fahren, sondern verkehren auf normalen Oberleitungsstrecken. Solche Hilfe für die Hauptstadt gab es bereits zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006.

www.s-bahn-berlin.de

www.bvg.de

Verkehr / Bahn
20.07.2009 · 17:35 Uhr
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