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Bericht: «Das war ein Albtraum»

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Berlin (dpa) - Rainer Lang (55) wirkt wie ein Mann, den nichts so schnell aus der Ruhe bringen kann. Aber wenn er sich an den Jahresbeginn 2005 erinnert, sucht er nach Worten. «So stellt man sich einen Albtraum vor, eine Atombombenexplosion vielleicht oder einen Weltuntergangsfilm», sagt er dann.

Lang war für die Diakonie Katastrophenhilfe in Sri Lanka - wenige Tage nachdem der verheerende Tsunami im Indischen Ozean die Küstenregionen des Landes völlig verwüstet hatte.

Heute, fünf Jahre später, ist der Wiederaufbau so gut wie abgeschlossen. Schulen, Gesundheitseinrichtungen und Wasserversorgung sind nach Einschätzung des deutschen «Aktionsbündnisses Katastrophenhilfe» vielerorts sogar besser als zuvor. Doch nur weitere Investitionen in die Katastrophenvorsorge können nach Einschätzung der Experten verhindern, dass sich eine derartige Tragödie mit insgesamt fast 230 000 Todesopfern wiederholt.

Auch Lang spricht von Tragödie und Schock, wenn er sich an den Einsatz erinnert. «Die Ankunft auf dem Flughafen in Colombo war sehr eigenartig. Ich hatte die Bilder der Zerstörung aus dem Fernsehen vor Augen, doch das Leben in der Hauptstadt schien völlig normal», erzählt er.

Das änderte sich, als der Diakonie-Mitarbeiter am nächsten Tag mit Kollegen der Partnerorganisation vor Ort in die Küstengebiete aufbrach. «Dort war alles platt. Wirklich kein Stein stand mehr auf dem anderen. Aber überall irrten verzweifelte Menschen herum oder saßen im Schockzustand einfach da. Viele waren nackt, denn die Flut und der Sturm hatten ihnen die Kleider vom Leib gerissen. Ihre Haut war oft völlig aufgerissen, denn sie hatten sich an den scharfkantigen Palmenstämmen festgeklammert. Und viele mussten mit ansehen, dass ihre Kinder und Verwandten keine Kraft mehr zum festhalten hatten und einfach untergingen.»

Langs Aufgabe war es, Hilfsbedarf zu sondieren und unter den Partnerorganisationen abzusprechen. «Doch am Anfang waren alle völlig überfordert», erinnert er sich. «Die ersten Tage war es wie ein Kampf gegen Windmühlenflügel.» Es galt, Überlebende unterzubringen, ihnen Kleidung und Essen zu geben. Lang und seine Kollegen fahren weiter, erreichen schließlich auch Gebiete im Osten der Insel, die zuvor von Rebellen kontrolliert worden waren. «Da war es noch schlimmer. Die pure Armut. Aber zumindest in dieser Phase arbeiteten Armeesoldaten und Rebellen freilich nebeneinander.»

In diesen Gebieten haben Langs Kollegen auch in der Folgezeit viele Entwicklungen anstoßen. «Diese Projektentwicklung vor Ort hat sich bewährt», sagt der Helfer. Nach einem chaotischen Anfang mit mehr als 400 Hilfsorganisationen vor Ort wurde die erste Nothilfe dennoch ein Erfolg. «Kein einziges Kind musste an Unterernährung oder durch Seuchen sterben», berichtet Regine Stachelhaus (Unicef).

Zwei Millionen Menschen wurden binnen weniger Tage mit sauberem Wasser, Nahrung und medizinischer Hilfe versorgt. Ein halbes Jahr nach der Katastrophe gingen bereits fast alle Kinder wieder in provisorische Schulen. Rund 330 Millionen Euro wurden in Deutschland für den größten Hilfseinsatz nach dem Zweiten Weltkrieg gespendet.

Doch nachhaltige Hilfe zur Selbstorganisation ist das Stichwort, das bei der Fünf-Jahres-Bilanz der Aktionsbündnisses am häufigsten fällt. «Das ist langfristig die wichtigste Form der Katastrophenvorsorge. Denn viele Katastrophen werden erst durch Armut besonders katastrophal», sagt Oliver Müller (Caritas International).

Auch die Vorwürfe, es sei zu viel Geld gesammelt worden, weisen die Organisationen zurück. «Der Erwartungsdruck an die Helfer war fast messianisch hoch. Aber wir wollten nicht überstürzt, sondern langfristig sinnvoll handeln», betont Pfarrerin Cornelia Füllkrug- Weitzel (Diakonie). «Umgekehrt ist es richtig: Wir hatten für die Tsunami-Hilfe nicht zu viel Geld, sondern wir brauchen mehr Geld auch für andere, vergessene Katastrophen.» Und mit Blick auf die Zukunft und den Klimagipfel in Kopenhagen mahnt DRK-Präsident Rudolf Seiters: «Der Klimawandel ist der Tsunami von morgen.»

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Hilfsorganisationen
26.12.2009 · 22:13 Uhr
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