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Bericht: Ältere Herren dominieren Aschermittwoch

Stoiber und SeehoferGroßansicht

Passau/Vilshofen/Demmin (dpa) - Es ist ein politischer Aschermittwoch der älteren und eher zurückhaltenden Herren. Die CSU lässt in Passau ihren früheren Parteichef Edmund Stoiber den Geist des einstigen Landesvaters Franz Josef Strauß beschwören.

Wenige Kilometer entfernt macht SPD-Spitzenkandidat Christian Ude seinen Genossen Mut für den ersehnten Machtwechsel in Bayern, den die Wahl 2013 bringen soll. Und auch der Koalitionszwist um die erzwungene Rochade im Bundespräsidentenamt inspiriert die Redner - fast alle.

Die deftigen Worte im Süden sind verhallt, da richten sich gespannte Blicke in den Nordosten. In Demmin, in Mecklenburg- Vorpommern, hat CDU-Chefin Angela Merkel erst am frühen Abend ihren Auftritt. Würde sich die Kanzlerin in launigem Rahmen für die Brüskierung durch ihren kleinen Koalitionspartner FDP revanchieren? Schließlich hatten die Liberalen sie bei der Kür Joachim Gaucks zum Kandidaten für das Präsidentenamt zum Einlenken gezwungen.

Doch von Merkel kommt kein Wort dazu in ihrer Rede. Und sie lächelt auch eher gequält, als vor ihr der christdemokratische EU- Parlamentarier Werner Kuhn in Büttenredner-Manier auf das Thema zu sprechen kommt. «Und ist's noch ein geschenkter Gaul, dann schaut kein Wulff ihm mehr ins Maul», reimt er mit Blick auf den abgetretenen Bundespräsidenten. «Er stieg einst auf glatt wie ein Pfeil im Deutschlandtrend, denn Geiz ist geil. Die Medien waren Wulffs größter Jäger, nun endet er als Bettvorleger», spottet Kuhn.

Von Merkel weiß man allerdings, dass sie nicht vergisst. Nur, weil sie die FDP jetzt verschont hat, muss das nicht für die nahe Zukunft gelten.

Die gebeutelte FDP wiederum betont ihre neu entdeckte Stärke und sonnt sich geradezu in ihrem Gauck-Kandidatenglück: «Wenn man uns droht, lassen wir uns davon nicht einschüchtern, sondern wir werden nur noch größer», ruft Parteichef Philipp Rösler. Die bayerische FDP-Landesvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger bremst ihn etwas: «Weder Drohgebärden noch Triumphgeheul ist jetzt das Gebot der Stunde.»

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer muss sich diesmal auf der CSU-Bühne zurückhalten. Denn als Bundesratspräsident ist er ja gerade auch geschäftsführendes Staatsoberhaupt. «Sie können sich denken, wie schwer das fällt», räumt er ein. Für die Attacke war bei der CSU Ex- Ministerpräsident Edmund Stoiber eingeplant. Der spricht gut eine Stunde - vor allem von vergangenen Jahrzehnten, der Regierungszeit von Strauß, seiner eigenen und vom großen Erfolg, den Bayern deswegen habe. Auch deshalb fällt das Fernduell zwischen SPD und CSU am Ende zahmer aus, als von vielen Anhängern erhofft.

In Vilshofen bläst SPD-Chef Sigmar Gabriel zum Angriff auf Schwarz- Gelb. Und wieder spielt ein älterer Herr eine Rolle, nämlich Gauck. SPD, Grüne und FDP können die Freude über den Kandidatentriumph gegen die Union nicht verbergen. Gabriel spottet, die CSU habe sich von einem Tag auf den anderen umentschieden. «Das ist frei nach Horst Drehhofer - was stört mich mein Geschwätz von gestern?» Margarete Bause, Fraktionschefin der Grünen im Landtag, haut in die gleiche Kerbe: «Da wundert sich der Wetterhahn, wie schnell der Horst sich drehen kann.»

Seehofer nimmt es gelassen. Was er doch schon alles gewesen sei: Bundesgesundheitsminister, Bundeslandwirtschaftsminister, Parteichef, Ministerpräsident und nun für einen Monat Staatsoberhaupt. «Für einen der angeblich nicht weiß, was er will, eine ganz schöne Karriere.»

In Demmin bekommt am Abend auch Merkel noch eine Jobempfehlung. «Das Kanzleramt muss unter Fluchen den neuen Präsidenten suchen. Ich sage hier in dieser Sendung, das ist doch reine Geldverschwendung», deklamiert ihr Vorredner Kuhn. «Und fordre jetzt aus meiner Bütt, das macht die Angela gleich mit. Wir sparen auch noch obendrein den Bellevue-Zinnober ein. Das Symbol bald jeder kennt: Bundeskanzlerpräsident.»

Parteien / Aschermittwoch
22.02.2012 · 20:30 Uhr
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