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Benedikts Hirtenbrief bringt keine Annäherung

Hamburg (dpa) - Der Hirtenbrief des Papstes zum sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen hat vor allem Vertreter der Amtskirche überzeugt. Den Kritikern geht das Papier aus Rom allerdings nicht weit genug.

Christliche Laieninitiativen bemängeln vor allem, dass der Papst strukturelle Ursachen des Problems in der katholischen Kirche unerwähnt lässt. Auch dass er in dem Brief an die irische Kirche die deutschen Missbrauchsfälle nicht konkret anspricht, stößt auf Unverständnis und löst Enttäuschung aus. Hohe Kirchenvertreter betrachten den am Samstag in Rom veröffentlichten Briefe dagegen als «klare Weisung auch für Deutschland», loben die «Entschiedenheit» und sehen ihn als «Bestärkung, den Weg der konsequenten Aufklärung und Aufarbeitung weiter zu gehen». Die Reaktionen im Einzelnen:

Robert ZOLLITSCH, Vorsitzender der DEUTSCHEN BISCHOFSKONFERENZ (DBK) versteht das Papier als klare Weisung auch für Deutschland. Es habe «Geltung für die ganze Kirche und ist eindeutig eine Botschaft auch an uns in Deutschland», erklärte Zollitsch am Samstag in Bonn. Der DBK-Vorsitzende bezeichnete den Brief als schonungslose Analyse. Dies zeige, dass sich der Heilige Vater dem Problem sexuellen Missbrauchs mit Ernst und mit großer Sorge stelle.

Bischof Stephan ACKERMANN, SONDERBEAUFTRAGTER der deutschen katholischen Kirche: «Ich empfinde diesen Brief als Verstärkung für unseren Weg», sagte der Bischof in Trier. «Die Entschiedenheit, mit der der Papst die Vorgänge und die Untaten beim Namen nennt und auch Aufklärung erwartet - das ist doch sehr deutlich und das werden wir uns auch entsprechend zu Herzen nehmen.» Es seien «genug Hinweise» auch für die deutsche katholische Kirche enthalten.

Alois GLÜCK, Präsident des ZENTRALKOMITEES DER DEUTSCHEN KATHOLIKEN: «Mit einer geradezu schonungslos offenen Sprache befasst sich der Papst sehr konkret mit der Situation in Irland, mit Schuld und Versagen und den notwendigen Konsequenzen», heißt es in der Stellungnahme Glücks. Der Papst betone die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit dem Staat und der laufenden Überprüfung geltender Richtlinien im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch. Dies seien auch wichtige Kriterien für die weiteren Beratungen in Deutschland. Zum Schweigen des Papstes zu den deutschen Missbrauchsfällen sagte Glück der Deutschen Presse-Agentur dpa in München, es bestehe kein vernünftiger Zusammenhang mit der Situation in Irland.

Christian WEISNER, Sprecher der Initiative «WIR SIND KIRCHE» bedauert, dass der Papst in seinem Hirtenbrief «nicht kirchliche Strukturen, sondern gesellschaftliche Tendenzen für das verstörende Problem des sexuellen Missbrauchs von Kindern verantwortlich machen will». Zudem sei es nicht ausreichend, als konkrete Initiativen nur traditionelle spirituelle Wege, aber keine strukturellen Verbesserungen - etwa in der Zölibatsfrage - vorzuschlagen. Der Brief vermittele den Eindruck, es gehe dem Papst hauptsächlich um das Ansehen der Kirche, sagte Weisner.

«INITIATIVE KIRCHE VON UNTEN» (IKvu) wirft dem Papst vor, in seinem Hirtenbrief bei «verbaler Betroffenheit» stehen zu bleiben. «Statt effektiver Krisenbewältigung bietet der Vatikan das Schauspiel einer sich autistisch abkapselnden Institution: Gefehlt haben in dieser Selbstwahrnehmung nur wenige, vom Zeitgeist verführte Einzeltäter.»

Der BUND DER DEUTSCHEN KATHOLISCHEN JUGEND bemängelt fehlende Aussagen zur Situation in Deutschland. «Angesichts einer größer werdenden Verunsicherung bei jungen Katholikinnen und Katholiken und deren Eltern hätten wir uns über ein persönliches Wort der Begleitung, der Stärkung und des Zuspruchs gefreut», erklärte BDKJ- Bundesvorstand Dirk Tänzler.

Kriminalität / Kirchen / Reaktionen / Vatikan / Deutschland
21.03.2010 · 15:32 Uhr
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