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Bahrain: Polizei schießt auf Trauerzug

Unrests in BahrainGroßansicht

Manama (dpa) - Nach dem Tod zweier Demonstranten im Golfstaat Bahrain haben sich Proteste gegen die Regierung am Dienstag ins Zentrum der Hauptstadt Manama verlagert.

Rund 4000 Menschen aus dem Vorort Daih zogen zum Lulu-Platz in der Stadtmitte, berichteten Augenzeugen. Sicherheitskräfte hatten am Vortag in Daih einen Demonstranten erschossen - und am Dienstag einen Teilnehmer an dessen Begräbnis. König Hamad bin Isa al-Chalifa sprach den betroffenen Familien sein Bedauern aus.

Der Monarch kündigte die Einsetzung einer Kommission an, die die Hintergründe der beiden gewaltsamen Todesfälle untersuchen soll. Sicherheitskräfte hatten wenige Stunden zuvor in der Vorstadt Daih in einen Trauerzug geschossen und einen 31-Jährigen getötet. Rund 4000 Trauergäste hatten am Begräbnis eines Mannes teilgenommen, der am Vortag bei Unruhen in Daih von Polizisten mit einem Kopfschuss getötet worden war. Mindestens 20 weitere Menschen waren verletzt worden.

In Manama schritt die Ordnungsmacht am Dienstag nicht gegen die Demonstranten ein. Diese skandierten Parolen und forderten umfassende Reformen. Vorbeifahrende Autofahrer betätigten die Hupe zum Zeichen der Solidarität mit den Demonstranten.

Die oppositionelle Wifak-Gesellschaft, die 18 von 40 Abgeordneten stellt, kündigte als Reaktion auf die tödliche Gewalt gegen die Demonstranten einen Boykott des Parlaments an. Die schiitisch-religiöse Partei gab namentlich nicht genannten hohen Regierungsvertretern die Schuld am Tod der beiden Demonstranten.

Am Montag hatten in Daih Proteste gegen die Regierung in Zusammenstößen von Demonstranten und Sicherheitskräften geendet. Nach den erfolgreichen Anti-Regime-Protesten in Tunesien und Ägypten hatten Oppositionelle in dem Golfstaat über das Internet zu einem «Tag des Zorns» aufgerufen. Daraufhin wurde in mehreren Orten gegen die Staatsführung demonstriert.

Die Proteste in Bahrain reflektieren allerdings auch konfessionelle Bruchlinien. Das arabische Königreich wird von einer sunnitischen Herrscherfamilie regiert, obwohl schiitische Muslime die Bevölkerungsmehrheit stellen. Mehrere politische Gruppierungen der Schiiten unterstützten den Protestaufruf, den Unbekannte im Internet verbreitet hatten.

Bahrain hat für den Westen große strategische Bedeutung. Manama ist Stützpunkt der 5. US-Flotte, das Königshaus eín enger Verbündeter der USA. Den Inselstaat im Persischen Golf trennen nur 150 Seemeilen von der Küste des Iran.

Unruhen / Bahrain
15.02.2011 · 19:10 Uhr
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