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Bahn baut Stuttgart 21weiter

Bahnchef Rüdiger Grube (r) und Volker Kefer, Vorstand Infrastruktur der Deutschen Bahn. Der Konzern soll zu den zu erwartenden Mehrkosten durch die Verbesserungsvorschläge Stellung beziehen.Großansicht

Stuttgart/Berlin (dpa) - Ungeachtet möglicher neuer Konflikte will die Bahn bei ihrem Milliardenprojekt Stuttgart 21 wieder ans Werk gehen. «Es gibt aus meiner Sicht keinen Grund, nicht mit den Baumaßnahmen weiterzumachen», sagte Bahnvorstand Volker Kefer am Mittwoch in Stuttgart.

Die Gegner des Tiefbahnhofs bestanden hingegen darauf, das Ergebnis des sogenannten Stresstests abzuwarten. Schlichter Heiner Geißler hatte am Dienstag einen Weiterbau des Projekts empfohlen, aber Verbesserungen gefordert.

Bahn-Manager Kefer kündigte an, über die nächsten Bauschritte und die Anbindung des Bahnhofs an die Neubaustrecke nach Ulm zu informieren. Das Ergebnis des Stresstests sei nicht vor Mitte 2011 zu erwarten. Dem hielt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) im ZDF entgegen: «Man kann doch nicht weiterbauen, wenn man noch gar nicht weiß, was gebaut werden soll.» Die SPD forderte, die Test- Ergebnisse müssten noch vor der baden-württembergischen Landtagswahl Ende März 2011 publik werden.

Bei dem Stresstest, einer Computersimulation, muss der geplante Tiefbahnhof eine 30-prozentige Leistungssteigerung in der Spitzenzeit im Vergleich zum bestehenden Kopfbahnhof erreichen. Kefer ließ keinen Zweifel daran, dass dies machbar sei. Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 will einen Lenkungskreis für den Test einrichten, in den die Projektkritiker einbezogen werden. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) appellierte an alle Beteiligten, nach der Schlichtung bei einer «neuen Atmosphäre der Sachlichkeit» zu bleiben.

Auch nach dem Willen der CDU/FDP-Landesregierung soll der Gesprächsfaden zwischen S21-Gegnern und -Befürwortern nicht abreißen. Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) kündigte ein «Dialogforum» unter unabhängiger Leitung an. Darin sollen beide Lager mit Sachverständigen beraten. Verkehrsministerin Tanja Gönner (CDU) bezifferte den Preis der Bau-Optimierungen - ohne neuntes und zehntes Gleis im Tiefbahnhof - auf rund 150 Millionen Euro.

Dagegen erwartet der Vorsitzende der Verkehrsausschusses im Bundestag, Winfried Hermann (Grüne), bis zu einer Milliarde Euro Mehrkosten. «Und dann wird ein Projekt, das sich ohnehin schon kaum rechnet, weil es viel zu teuer ist, noch unwirtschaftlicher.» Bahnchef Rüdiger Grube hatte vor kurzem gesagt, das Vorhaben wäre ab einer Summe von knapp 4,9 Milliarden Euro zu teuer.

Grünen-Landtagsfraktionschef Winfried Kretschmann kündigte in der ARD an: «Wir werden weiter protestieren.» Die Schlichtung habe gezeigt, dass das Gegenkonzept eines Kopfbahnhofs «tatsächlich machbar» sei. Die Aktivisten von den Parkschützern erwarten zu einer neuen Demonstration an diesem Samstag bis zu 10 000 Teilnehmer.

In Berlin befasste sich der Bundestag in einer Aktuellen Stunde mit dem Thema. Die SPD forderte, mögliche Mehrkosten für Stuttgart 21 im Bundeshaushalt einzuplanen. Der Grünen-Politiker Hermann betonte: «Wer jetzt sagt, wir machen weiter (...), der hat nicht gelernt.» Der CDU-Abgeordnete Thomas Strobl hielt der SPD eine Haltung vor, die «nicht Fisch, nicht Fleisch» sei. Die Linken-Politikerin Sabine Leidig sagte, nach der Schlichtung fühlten sich die Leute, die in Stuttgart auf die Straße gegangen seien, «beschissen».

Verkehr / Bahn / Stuttgart 21
01.12.2010 · 21:40 Uhr
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