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Babyleichenfund in Berlin gibt Rätsel auf

Leichenfund in HochhausGroßansicht
Berlin (dpa) - Das Klingelschild für den zwölften Stock trägt als einziges der 72 Schilder an dem Hochhaus in Berlin keinen Namen. Hier wohnte bis Ende Juli die 46-jährige Frau, die sich durch einen Sprung aus der Höhe das Leben nahm.

In der Wohnung wurden am Mittwochabend vier teilweise verweste Babyleichen gefunden. Die Hintergründe sind auch am Freitag noch weitgehend unklar. Die Kriminalpolizei hofft auf die Ergebnisse einer Obduktion der sterblichen Überreste und die weitere Untersuchung der Wohnung.

Noch ist nicht bekannt, ob die Kinder getötet oder tot geboren wurden. Unklar ist auch, wie lange die Kinder schon tot sind, ob etwa Zwillinge darunter waren und wie alt sie wurden. Die vier kleinen Körper waren verwest und zum Teil skelettiert. Sie lagen eingepackt im Fach eines Hockers.

Gefunden hat die Leichen ein 49-jähriger Mann, der nach dpa-Informationen als Anwalt in Potsdam arbeitet und ein Verhältnis mit der Frau gehabt haben soll. Ob er der Vater der Kinder war oder überhaupt von ihnen wusste, ist unbekannt. Bei den Ermittlungen spiele der Mann aber erst mal keine Rolle, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Freitag.

Der Mann war wohl auch Mieter oder Eigentümer der Wohnung und wollte sie am Mittwochabend leer räumen, hieß es von Mitarbeitern der Hausverwaltung. Dabei stieß er auf die Leichenteile in dem Möbelstück und gab sie auf einer Polizeiwache ab.

Der Fall erinnert an die neun toten Babys, die im Sommer 2005 auf einem Grundstück in der Nähe von Frankfurt (Oder) gefunden wurden. Sie waren ebenfalls bei einer Entrümpelung entdeckt worden.

Zwar hatte die Polizei die Berliner Wohnung untersucht, nachdem sich die Bewohnerin vom Flur des 18-stöckigen Hauses aus in den Tod gestürzt hatte. Die Babyleichen wurden aber nicht entdeckt. Wie ein Polizeisprecher am Freitag sagte, wird nach einer Selbsttötung üblicherweise auch die Wohnung der Toten untersucht. «Das ist aber keine Durchsuchung bis in die letzte Ecke.» Die Polizei sucht in solchen Fällen nach einem Abschiedsbrief oder nach Kampfspuren. Medienberichte, nach denen die Frau hochschwanger war, als sie sich das Leben nahm, wurden nicht bestätigt.

Mehrere Bewohner des Hochhauses sagen, sie kannten die 46-Jährige nicht. Eine etwa 50-jährige Frau, die auf dem Weg in eine der Arztpraxen im ersten Stock ist, sagt: «Mir fehlen die Worte. Es ist einfach so furchtbar.» Andere wollen über die Ereignisse lieber nicht sprechen. «Das passt alles gar nicht hierher», meint ein Mann nur im Vorbeigehen.

Kriminalität / Kinder
02.10.2009 · 16:39 Uhr
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