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Autokonzerne auf Konfrontationskurs zu ADAC

Noch ist in Sachen ADAC-Skandal kein Ende in Sicht. Foto: David EbenerGroßansicht

München (dpa) - Der ADAC kommt immer mehr in Bedrängnis: Nun wollen die Autohersteller die früheren Preise «Gelber Engel» zurückgeben. Auto-Experte Dudenhöffer fordert eine Wechsel an der ADAC-Spitze.

In der Affäre um Manipulationen beim Autopreis «Gelber Engel» droht dem ADAC eine Protestaktion führender deutscher Autokonzerne. Die Hersteller VW, Daimler und BMW erwägen eine Rückgabe ihrer Preise auch aus vergangenen Jahren - falls nicht nur die Stimmenzahl bei der Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen 2014 nach oben frisiert, sondern auch die Platzierung der Fahrzeuge manipuliert wurde.

Der ADAC legte unterdessen einen 10-Punkte-Reformplan vor. Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer forderte einen personellen Wechsel an der ADAC-Spitze.

Der ADAC hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte beauftragt, die Vorgänge rund um den Autopreis zu untersuchen. Die Ergebnisse sollen Anfang kommender Woche vorgestellt werden.

«Wenn sich die Vorwürfe der Manipulation durch die Untersuchungen bestätigen, werden wir alle «Gelben Engel» definitiv zurückgeben», kündigte eine Sprecherin von Daimler in Stuttgart an. Ein VW-Sprecher sagte der «Bild»-Zeitung vom Freitag: «Wenn das stimmt, schicken wir dem ADAC eine ganze Wagenladung Preise zurück! Die sind jetzt schon angekratzt, dann sind sie ganz wertlos.» Ähnlich äußerte sich auch BMW-Sprecher Kai Lichte.

Die Konzerne reagierten damit auf einen Bericht der «Süddeutschen Zeitung» vom Freitag, nach dem bei der Wahl des VW Golf zum Lieblingsauto der Deutschen 2014 tatsächlich auch die Rangfolge der Sieger manipuliert worden sein soll. Demnach sollen die Leser der ADAC-Mitgliederzeitschrift «Motorwelt» den VW Tiguan auf Platz fünf gewählt haben, aber der Autoclub habe den 5er BMW auf Platz fünf gehoben, der bei der Abstimmung nur auf Platz sieben gekommen sei. Der VW Tiguan sei somit aus der Liste der Top Five geflogen.

«Nein, ich kann das nicht bestätigen», sagte ADAC-Sprecher Christian Garrels am Freitag. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte habe ihre Untersuchungen noch nicht abgeschlossen, betonte Garrels. Es liege in alleiniger Verantwortung der unabhängigen Prüfer, wann die Ergebnisse vorliegen und wann sie veröffentlicht werden. Dementsprechend bleibe es beim bisherigen Zeitplan, wonach die Ergebnisse am kommenden Montag oder Dienstag vorgelegt werden sollen.

Eine kollektive Preis-Rückgabe durch die Autokonzerne wäre ein weiterer Imageschaden für den Autoclub mit fast 19 Millionen Mitgliedern. Nach Informationen der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» vom Freitag ist eine entsprechende Erklärung der Autokonzerne schon vorbereitet. Ein VW-Sprecher sagte dagegen, es gebe keine solche vorbereitete Erklärung, an der der Wolfsburger Konzern mitwirke.

Die Ergebnisse der ADAC-Leserwahl seien schon länger verdächtig gewesen, sagte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer der Nachrichtenagentur dpa. Es sei untragbar, dass die jetzige Geschäftsführung und das jetzige Präsidium des ADAC weitermachten, sagte Dudenhöffer dem rheinland-pfälzischen Radiosender RPR1. «Da müssen wirklich neue Leute von außen her und den ADAC völlig neu aufbauen.» Der vom Autoclub vorgelegte 10-Punkte-Reformplan sei jedenfalls nicht ausreichend.

Nach den Reformplänen soll die Funktion eines Chief Compliance Officers (CCO) geschaffen werden, teilte der ADAC in München mit. Dieser CCO solle künftig auf die Einhaltung von Verhaltensrichtlinien achten und eventuelle Verstöße aufdecken. Zudem will der ADAC eine externe Website freischalten, auf der Mitglieder - auch anonym - auf Missstände hinweisen könnten. Der ADAC brauche eine Zäsur, sagte sein Präsident Peter Meyer.

Die Rechtsanwaltskanzlei Freshfields soll zudem sämtliche Compliance-Regelungen des ADAC überprüfen und ein erweitertes Kontrollsystem entwickeln. Ab sofort gibt es für Pannenhelfer des ADAC keinen Bonus mehr für den Verkauf von Auto-Batterien. Damit reagiert der Autoclub auf Vorwürfe, als Folge der Bonuszahlungen würden liegengebliebenen Autofahrern oftmals ohne Not neue Autobatterien aufgeschwatzt.

Die ADAC-Hubschrauber würden ab sofort ausnahmslos im Rahmen der Rettungshilfe eingesetzt, teilte der Autoclub weiter mit. In der Vergangenheit hatte führende ADAC-Vertreter die Helikopter in Ausnahmefällen für dienstliche Zwecke genutzt. Für alle künftigen ADAC-Tests beschloss der Club eine doppelte Qualitätskontrolle.

Verbände / Auto / Verkehr / ADAC
07.02.2014 · 21:52 Uhr
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