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Auswirkungen der Schweinegrippe werden größer

Als Nachweis für die erfolgte Impfung gegen die Schweinegrippe klebt ein Arzt einen Aufkleber in den Impfausweis eines Patienten.Großansicht
Hamburg (dpa) - Die Schweinegrippe in Deutschland hat immer größere Auswirkungen. Die Zahl der Schweinegrippe-Toten ist inzwischen bundesweit auf sechs gestiegen. In mehreren Bundesländern mussten in der vergangenen Woche Schulen wegen der Schweinegrippe schließen.

Im Süden der Bundesrepublik wurden am Wochenende mehrere Handballspiele der Regionalliga und der 2. Bundesliga abgesagt, weil einige Spieler - Frauen und Männer - an Schweinegrippe erkrankt sind. Es bestehe akute Ansteckungsgefahr, berichtete die Handball- Bundesliga-Vereinigung Frauen am Samstag. Das Robert Koch-Institut hat bislang mehr als 25 000 Schweinegrippefälle registriert.

Der Virologe Michael Pfleiderer rechnet damit, dass die Impfmüdigkeit der Deutschen bei der Schweinegrippe bald verschwinden wird. «Ich weiß, dass die Stimmung über Nacht umschlägt, sobald wie jetzt in den USA die Zahl der Schwerkranken steigt und die Krankenhausbetten knapp werden», sagte der Impfstoff-Experte vom Paul-Ehrlich-Institut der «WirtschaftsWoche». Es gebe keinen Grund für Vorbehalte: Die kritisierten Wirkungsverstärker seien erprobt und in herkömmlichen Grippe-Impfstoffen millionenfach gespritzt worden. Gegenwärtig werde «unglaublicher Blödsinn als Wahrheit» verkauft.

Bundesgesundheitsministers Philipp Rösler (FDP) hält die normale Herbstgrippe derzeit für gefährlicher als die Schweinegrippe, will sich aber gegen beide schützen. Er werde sich erst gegen die normale Grippe impfen lassen, sagte Rösler der «Bild am Sonntag». «Die ist momentan noch gefährlicher.» Danach lasse er sich gegen die Schweinegrippe impfen. Den Bürgern empfahl er, sich mit ihrem Arzt zu besprechen.

Die Impfaktion gegen die Schweinegrippe kommt in vielen Regionen Deutschlands auch knapp eine Woche nach Beginn nur schleppend voran. Zum einen bieten mehrere Hausärzte bewusst keine Impfungen an. Zum anderen wurde laut Stuttgarter Sozialministerium zumindest nach Baden-Württemberg deutlich weniger Impfstoff geliefert als im Juli geplant. Niedersachsen hatte wegen Lieferengpässen den Start der Schweinegrippe-Impfung um eine Woche auf kommenden Montag verschoben.

Statt 900 000 Dosen Pandemrix pro Woche seien bisher in der ersten Marge 200 000 und in einer zweiten 112 000 in Baden-Württemberg angekommen. Die Situation bundesweit sei vergleichbar, sagte eine Sprecherin des Hersteller GlaxoSmithKline. Grund seien Anlaufschwierigkeiten bei der Herstellung. Vorrangig geimpft werden Klinikmitarbeiter, Polizisten, Feuerwehrleute und chronisch Kranke.

Für die verzögerte Lieferung sind nach Angaben des Herstellers Anlaufschwierigkeiten verantwortlich. «Am Anfang hat sich das Impfstoff-Saatvirus nicht so gut vermehren lassen wie erwartet», sagte die Sprecherin. Es zeichne sich ab, dass die im Juli anvisierte Zahl von bundesweit 8,3 Millionen Impfdosen monatlich vorerst deutlich unterschritten werde. Mittlerweile habe die Firma das Herstellungsverfahren optimiert: «Wir sehen eine Tendenz nach oben.»

Die Zahl der Schweinegrippe-Toten in Deutschland war am Freitag von drei auf sechs gestiegen. Bundesweit erstmals ist auch ein Mensch ohne bekannte Vorerkrankungen an den Folgen der Neuen Grippe gestorben. Die 48-jährige Frau wurde von einem anderen Krankenhaus noch auf die Intensivstation der Universitätsklinik Bonn gebracht, konnte aber trotz künstlicher Beatmung nicht mehr gerettet werden. Die Mutter aus dem Rhein-Sieg-Kreis hinterlässt vier Kinder und einen Ehemann. Im Saarland starb ein chronisch kranker, fünfjähriger Junge und in Augsburg ein schwerbehinderter 16-Jähriger an Schweinegrippe.

In den USA wird unterdessen das Grippemittel Tamiflu in der flüssigen Form knapp. Die US-Seuchenbehörde CDC gab alle restlichen Notfall-Reserven des Grippemittels in flüssiger Form frei, die besonders für Kinder geeignet ist.

www.neuegrippe.bund.de

www.degam.de/H1N1.html

Gesundheit / Grippe
31.10.2009 · 16:56 Uhr
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