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«Aufbau West» bei Kinderbetreuung stockt

KinderkrippenGroßansicht

Wiesbaden/Berlin (dpa) - Der «Aufbau West» bei der Kinderbetreuung stockt: Im Westen Deutschlands fehlen noch 230 000 der bis 2013 zugesagten Betreuungsplätze für Kleinkinder.

Derzeit können sich Krippen oder Tagesmütter in den alten Ländern nur um jedes fünfte Kind unter drei Jahren (20,0 Prozent) kümmern, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte. Die von Bund, Ländern und Kommunen für 2013 vereinbarte Quote von rund 35 Prozent liegt in weiter Ferne. Anders im Osten: Die neuen Bundesländer und Berlin schaffen die Quote längst. Spitzenreiter Sachsen-Anhalt kommt sogar auf 56 Prozent.

Hunderttausende neue Kita-Plätze hat die Politik versprochen, Familie und Beruf sollen besser vereinbar sein. Vom Kindergartenjahr 2013/14 an gilt für Mädchen und Jungen ab dem ersten Geburtstag ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Doch der Ausbau der Kinderbetreuung in Deutschland kommt nicht wie geplant voran. Deshalb fordern Kommunal- und andere Verbände eine Überprüfung der Pläne und neue Kraftanstrengungen. «Es darf nicht dazu kommen, dass die Städte mit Klagen und Schadensersatzforderungen überzogen werden, falls der Rechtsanspruch am 1. August 2013 nicht erfüllt werden kann», warnte Städtetagspräsident Christian Ude (SPD).

Bundesweit gerechnet besucht derzeit gut jedes vierte Kind (25,4 Prozent) unter drei Jahren eine Krippe, Kita, Krabbelstube oder Tageseltern. Das waren 517 000 Mädchen und Jungen und damit 45 000 mehr als vor einem Jahr. Der Anstieg fiel 2011 geringer aus als im Vorjahr, als das Plus bei 55 000 Plätzen lag.

Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigte die Verständigung der Koalition auf das von der CSU gewünschte Betreuungsgeld für Familien, die ihre kleinen Kinder nicht in eine Kindertagesstätte schicken. Dies gehe auf eine Absprache mit dem damaligen CSU-Chef und bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber im Zusammenhang mit einer Milliarden-Zusage des Bundes für den Ausbau der Krippenplätze zurück. Das sagte die CDU-Chefin nach Angaben von Teilnehmern am Dienstag in der Sitzung der Unionsfraktion im Bundestag.

Merkel sagte, auch jene Familien, bei denen etwa die Großmutter die Kinderbetreuung übernehme, sollten das Betreuungsgeld erhalten. Dies gelte selbst dann, wenn die Mutter in Vollzeit arbeite.

In der Aussprache machten Abgeordnete nach den Angaben ihre Skepsis gegen die Einführung des Betreuungsgeldes deutlich. Dabei sei auch die Furcht vor Fehlanreizen geäußert worden.

Bund, Länder und Kommunen hatten den Ausbau der Kinderkrippen 2007 vereinbart. Der Bund versprach den Ländern damals, dafür bis 2013 insgesamt vier Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. Schon am Montag war bekanntgeworden, dass die angestrebte Betreuungsquote von 35 Prozent - das wären bundesweit 750 000 Plätze - im Westen bis 2013 voraussichtlich nicht mehr zu erreichen ist. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) hatte den Ländern mangelndes Engagement beim Ausbau der Kleinkinderbetreuung vorgeworfen.

Besonders niedrig ist die Betreuungsquote den Statistikern zufolge mit knapp 16 Prozent in Nordrhein-Westfalen sowie mit gut 19 Prozent in Niedersachsen und Bremen. In Sachsen-Anhalt (56 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg (je 51 Prozent) geht die Mehrheit der Kleinkinder in die Krippe. In den neuen Ländern ist die Betreuungsquote insgesamt mit 49,0 Prozent mehr als doppelt so hoch wie in den alten (20,0 Prozent). Berlin erreicht fast 42 Prozent.

Noch am fleißigsten beim Ausbau der Betreuungsplätze ist Rheinland-Pfalz, wo die Betreuungsquote 2011 binnen eines Jahres um 4,5 Punkte auf 24,8 Prozent kletterte. Überdurchschnittliche Zuwächse gab es auch in den norddeutschen Ländern Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen und Niedersachsen. Das geringste Plus verzeichnet mit 1,9 Prozentpunkten Nordrhein-Westfalen. Im Bundesschnitt beträgt der prozentuale Zuwachs 2,2 Prozentpunkte.

Der Bedarf, Söhne und Töchter zeitweilig zu Erziehern oder Tageseltern zu geben, steigt mit dem Alter der Kleinkinder: Die Eltern jedes vierten Einjährigen bringen ihren Nachwuchs in die Krippe oder zur Tagesmutter. Bei den Zweijährigen sind es schon 47,2 Prozent. Und von den Babys im ersten Lebensjahr werden nur 2,6 Prozent auch außerhalb des Elternhauses versorgt.

Der Deutsche Kinderschutzbund, Grüne und Linke forderten stärkere Anstrengungen beim Ausbau der Kita-Plätze. AWO-Chef Wolfgang Stadler kritisierte, Frauen werde die Berufstätigkeit unmöglich gemacht. «Vielen Frauen wird somit gar nichts anderes übrig bleiben, als das am Sonntag von der Koalition beschlossene Betreuungsgeld anzunehmen.»

Schwarz-Gelb will ab 2013 Eltern, die ihren Nachwuchs selbst betreuen, 100 Euro monatlich im zweiten Lebensjahr des Kindes und 150 Euro im dritten Lebensjahr zahlen.

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Pressemitteilung
Familie / Kinder
08.11.2011 · 17:47 Uhr
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