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Auf Air-France-Versicherer warten Millionenkosten

Ein Teil der verunglückten Maschine wird von der brasilianischen Marine geborgen.Großansicht
Paris (dpa) - Der Absturz der Air-France-Maschine wird Versicherungsunternehmen vermutlich mehrere hundert Millionen Euro kosten. Nach Einschätzung von Experten handelt es sich bei der Katastrophe um den teuersten Luftverkehr-Unfall seit dem Absturz der American-Airlines-Maschine im Jahr 2001.

Damals kamen in New York 265 Menschen ums Leben, als ein Airbus A300-600 nach einem Pilotenfehler in den Stadtteil Queens krachte. Die Kosten für die Versicherer beliefen sich auf etwa 600 Millionen Dollar (432 Millionen Euro).

Vor allem die Forderungen der Hinterbliebenen werden die Unternehmen beschäftigen. «Es wird erhebliche Ansprüche geben», prognostiziert Stephen Riley von Global Aerospace Underwriting Managers. Zum einen habe es 228 Opfer gegeben, zum anderen sei eine europäische Fluggesellschaft betroffen. Als vergleichsweise gering wird die Belastung durch den Verlust des Flugzeugs eingeschätzt. Den sogenannten Zeitwert des 2005 ausgelieferten Airbus A330-200 taxieren Experten auf nur noch 67,4 Millionen Euro - im Vergleich zu einem heutigen Listenpreis von etwa 130 Millionen Euro.

Für das Flugzeugunglück sind insgesamt 15 Versicherungsunternehmen zuständig, darunter neben dem Hauptversicherer AXA der Allianz-Konzern, Global Aerospace und die American International Group (AIG). Eine genaue Schätzung der Gesamtkosten des Unglücks will derzeit allerdings niemand abgeben. Dafür sei es zu früh, sagt Patrick de La Morinerie von AXA Corporate Solutions. Das britische Branchenblatt «Insurance Day» schrieb zuletzt von Gerüchten über Kosten zwischen 350 und 700 Millionen Dollar.

Grundlage für die Entschädigungszahlungen an die Angehörigen der Opfer ist das Übereinkommen von Montreal vom 28. Mai 1999. Demnach können Hinterbliebene mindestens 110 000 Euro erwarten. Versicherer wie AXA handeln die Entschädigungen aber persönlich mit den Familien aus und richten die Zahlungen beispielsweise am Gehalt des Opfers aus.

Nach Angaben von de La Morinerie sammelt AXA derzeit Informationen über die Passagiere von AF 447 und die Hinterbliebenen. Bis zur endgültigen Klärung der Ansprüche gibt es einen Vorschuss in Höhe von rund 17 600 Euro. «Damit es im täglichen Leben keine finanziellen Schwierigkeiten gibt», erklärt der Versicherungsmanager. «Die Ansprüche richten sich danach, wer der Passagier war, was er beruflich gemacht hat und wen er hinterlassen hat», bekräftigt auch Riley von Global Aerospace. Für ein Opfer, das nur Angehörige mit eigenem Einkommen habe, werde weniger bezahlt als für ein Opfer, dessen Familie vollkommen von dessen Gehalt abhängig gewesen sei.

Die Folgen des Absturzes werden auch die anderen Fluggesellschaften zu spüren bekommen. «Es gab bereits zuvor zwei teure Abstürze in diesem Jahr - darunter den in den Hudson River - und jetzt diesen», sagt Patrick de La Morinerie. Eine Anhebung der Versicherungsbeiträge für das nächste Jahr sei wahrscheinlich.

Die Kosten für die Bergungsarbeiten trägt zumindest auf französischer Seite der Staat. «Das ist eine große nationale Katastrophe. Da gibt es keine Rechnungen», heißt es aus dem Verteidigungsministerium. Für den Steuerzahler dürfte ein nicht unerheblicher Betrag anfallen. Allein aus Frankreich sind 400 Soldaten, vier Flugzeuge, zwei Schiffe und ein Atom-U-Boot an der Suche nach Trümmern und Opfern beteiligt.

Der finanzielle Aufwand auf brasilianischer Seite dürfte sogar noch um einiges höher ausfallen. 260 Luftwaffen- und gut 760 Marine-Soldaten sind dort nahezu rund um die Uhr mit der Suche beschäftigt. «Im Moment können wir noch nichts über die Kosten sagen. Vielleicht in ein oder zwei Wochen. Jetzt geht es uns vor allem um eins: die Suche nach Wrackteilen und Opfern», sagt ein Sprecher der Luftwaffe in Recife. Die Marine meldete schon Anfang der Woche, dass alle beteiligten Schiffe inzwischen 13 763 Seemeilen (25 490 Kilometer) zurückgelegt hätten - das ist mehr als sechsmal die Strecke Madrid-Moskau.

Luftverkehr / Unfälle / Frankreich / Brasilien
18.06.2009 · 07:58 Uhr
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