News
 

«Atalanta»: Operation im Einsatz gegen Piraten

Logo der EU-Mission «Atalanta»Großansicht
Northwood (dpa) - Das deutsche Containerschiff «Hansa Stavanger» ist frei. Doch die EU-Anti-Piraten-Mission «Atalanta» konzentriert sich auf den nächsten Piratenangriff. In Northwood in der Nähe von London ist sozusagen die Kommandozentrale für den internationalen Einsatz.

«20 Leute, acht Nationen, null Probleme», sagt Fregattenkapitän Gerhard Sender aus dem norddeutschen Kappeln mit Blick auf die Besetzung in Northwood. Er koordiniert mit seinen europäischen Kollegen die Marine-Patrouille eines 800 Kilometer langen Sicherheitskorridors am Horn von Afrika.

Vor der somalischen Küste gibt es dagegen allerhand Probleme: Piraten versuchen zunehmend Handelsschiffe anzugreifen, in ihre Gewalt zu bringen und Lösegeld zu erpressen. «Sie sind ja auch irgendwie Geschäftsleute», beschreibt es Sender trocken. «Entweder sie greifen das nächstbeste Schiff an - oder sie werden umkommen.» Im Erfolgsfall bekommt jeder Pirat im Durchschnitt 25 000 US-Dollar.

Der Kampf gegen Piraten vor der Küste Somalias ist der erste Militäreinsatz der EU-Marine. Die «Operation Atalanta» - benannt nach der stets bewaffneten, jungfräulichen Jägerin aus der griechischen Mythologie - sichert vorrangig die Schiffslieferungen des Welternährungsprogramms für die zehntausenden Flüchtlinge in Somalia. Außerdem sollen ihre elf Kriegsschiffe im Golf von Aden einen freien Seehandel gewährleisten, den Piraten und bewaffnete Räuber seit anderthalb Jahren verstärkt gefährden.

Neben den EU-Kriegsschiffen fahren derzeit 20 Fregatten und Versorger unter NATO- oder Länderflagge. An der Mission nehmen mehr als 1500 Marinesoldaten teil. Seit Dezember beteiligen sich Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Schweden dauerhaft daran. Deutschland schickte die Fregatten «Emden» und «Rheinland- Pfalz» und das Versorgungsschiff «Berlin». Das Einsatzgebiet erstreckt sich von Dschibuti am Eingang zum Roten Meer über den Golf von Aden und Teile des Indischen Ozeans bis zu den Seychellen - eine Fläche so groß wie das Mittelmeer

«Es geht darum, den Gesamtwohlstand zu erhalten», sagte Flottillenadmiral Thorsten Kähler, Vize-Kommandeur der EU-Mission. Der 54-Jährige, der seit Juni für ein halbes Jahr am «Atalanta»-Ruder sitzt, wolle «mit frischem Blick» die Mission verbessern. «Piraterie gefährdet die Weltwirtschaft.» Aber auch die Anrainer am Golf von Aden müssten künftig mehr bei der Piratenabwehr tun. «Die Omanis, die sind auch mit in der Pflicht - das ist ja ihre Küste.»

Denn bis auf die Zähne bewaffnet versuchten die Seeräuber im vergangenen Jahr nach Angaben des Weltschifffahrtsbüro in London 111 Schiffe zu kapern - 42 Mal gelang es ihnen. Allein in den ersten sieben Monaten dieses Jahres waren es 144 Versuche. Am Ende übernahmen sie das Kommando über 29 Frachter, darunter die «Hansa Stavanger». Als sie vor vier Monaten gekapert wurde, hat Sender «völlig außer Acht gelassen», dass es ein deutsches Schiff gewesen ist: «Wir gucken keine Nation und keine Reederei an, wir stufen die Bedrohung ein.»

Schifffahrt / Piraten / Somalia
08.08.2009 · 09:32 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
Es liegen momentan keine neuen Nachrichten vor.
 

 

News-Archiv

 
Diese Woche
07.12.2016(Heute)
06.12.2016(Gestern)
05.12.2016(Mo)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen