Asmussen betont EZB-Präferenz für Verbleib Griechenlands in Eurozone
--EZB-Direktoriumsmitglied arbeitet nur an "Plan A"
--Asmussen betont Rolle der Notenbank für Euro-Stabilität
--Sondermaßnahmen sollen derzeit nicht auslaufen
(NEU: Stark)
Von Andreas Kißler DOW JONES NEWSWIRES
BERLIN (Dow Jones)--Das Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), Jörg Asmussen, hat das Bestreben der Notenbank unterstrichen, Griechenland im Euro zu halten, und etwaige Planungen für einen "Plan B" zurückgewiesen. "Meine Präferenz, unsere Präferenz ist, dass Griechenland in der Eurozone bleibt", sagte Asmussen bei einer Konferenz in Berlin. "Darauf arbeiten wir hin, dass ist der Plan A."
Natürlich werde erwartet, dass das Land sein Anpassungsprogramm umsetze. "Aber ich würde nicht operieren unter anderen Szenarien", sagte Asmussen und hob auf die Frage nach einem "Plan B" für Griechenland hervor: "Ich arbeite an Plan A". Sobald man über andere Szenarien spekuliere, funktioniere dieser Plan nicht mehr, warnte Asmussen.
Der deutsche Vertreter im EZB-Direktorium betonte die Rolle der Notenbank zur Wahrung der Stabilität des Euro und unterstrich, die Zeit sei noch nicht reif für einen Ausstieg aus ihren Sondermaßnahmen. "Man muss sich gedanklich auf den Exit, auf den Ausstieg der Sondermaßnahmen vorbereiten", sagte er, fügte aber an: "Es ist zu früh, damit heute zu beginnen." Aus diesen wegen der Krise ergriffenen Maßnahmen könne die EZB jederzeit aussteigen. "Ein Ausstieg ist jederzeit möglich, wenn wir Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität sehen," betonte Asmussen.
Auch sah er wegen der niedrigen Zinsen nicht das Ziel der EZB gefährdet, die Preisstabilität zu sichern. "Ich glaube schon, dass wir, wenn wir Risiken für die Preisstabilität sehen, unsere Instrumente entsprechend einsetzen können", sagte Asmussen. Mit den Maßnahmen habe sich die Notenbank innerhalb ihres Mandats bewegt, welches das primäre Ziel der Preisstabilität vorsehe.
"Die EZB sorgt für eine stabile Währung im Euroraum", sagte Asmussen bei der "Währungskonferenz" der Tageszeitung Die Welt. Deshalb und weil "der Euro ein Gewinn für Europa und Deutschland" sei und Europa reformieren könne, gab sich Asmussen trotz der derzeit schwierigen Lage optimistisch für die weitere Entwicklung des Währungsraums. "Der Euro ist ein Stabilitätsanker in der Krise", betonte er. "Ohne ihn hätten wir ohne Zweifel starke Wechselkursschwankungen gehabt." Die Inflationserwartungen bezeichnete er als stabil.
Für die Zukunft forderte das EZB-Direktoriumsmitglied "mehr Europa" und nicht weniger und eine Vertiefung als Finanzmarktunion, Fiskalunion und politische Union. Ausdrücklich wandte sich Asmussen dabei gegen Bestrebungen, den Fiskalpakt aufzuweichen, und bezeichnete ein In-Kraft-Treten des permanenten Euro-Rettungsfonds ESM als dringlich. "Der Fiskalpakt darf nicht neuverhandelt oder aufgeweicht werden", verlangte er. Er solle "unverändert mindestens in allen Staaten des Eurogebiets" rasch umgesetzt werden.
Der ehemalige EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark warnte bei der Konferenz vor der Einführung gemeinsamer europäischer Anleihen, die "eine reine Scheinlösung" darstellten. "Sie lösen mit Euro-Bonds heute keines der strukturellen Probleme, die diese Länder haben, die sie wollen", sagte er. Sobald Euro-Bonds eingeführt würden, würde der Elan für Strukturreformen nachlassen. "Der alte Schlendrian geht einfach so weiter, denn andere haften ja dafür", sagte Stark voraus.
Insgesamt sei nicht nur die Finanzkrise "bei weitem nicht überwunden", man habe es inzwischen auch mit einer Sinnkrise zu tun. Stark forderte ein unabhängiges Gremium, das ein Urteil über die Fiskalpolitik von Euro-Ländern abgeben solle und dazu öffentliche Empfehlungen abgebe, die einzuhalten seien.
-Von Andreas Kißler, Dow Jones Newswires +49 (0)30 2888 4118, andreas.kissler@dowjones.com DJG/ank/chg