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Ashton besucht Gaza - Toter bei Kassam-Angriff

Israelische Sicherheitskräfte inspizieren in Nativ Haasara die Schäden, die von einer Rakete aus dem Gazastreifen verursacht wurden.
Gaza/Tel Aviv (dpa) - Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton hat während ihres ersten Besuchs im Gazastreifen jede Form von Gewalt verurteilt.

Ashton nahm dafür einen Raketenangriff militanter Palästinenser zum Anlass, bei dem am Donnerstag erstmals seit dem Gaza-Krieg vor 14 Monaten wieder ein Mensch in Israel ums Leben kam. Der stellvertretende israelische Ministerpräsident Silwan Schalom kündigte umgehend eine harte Reaktion an. Ashton drängte hingegen zur Zurückhaltung. «Es muss sichergestellt werden, dass solche Zwischenfälle uns nicht daran hindern, einen dauerhaften Frieden für die Region zu finden», sagte sie.

«Ich bin zutiefst schockiert über den Raketenangriff und den tragischen Verlust von Leben», heißt es in einer offiziellen Erklärung Ashtons. Sie forderte alle Seiten auf, sich für eine rasche Aufnahme von Friedensgesprächen einzusetzen. «Wir müssen eine friedliche Lösung für alle Fragen und Probleme finden», sagte sie.

Die EU-Außenbeauftragte ist die ranghöchste Politikerin, die seit dem Besuch ihres Vorgängers Javier Solana vor gut einem Jahr wieder in den Gazastreifen gereist ist. Sie besuchte Schauplätze der Zerstörung durch den Gaza-Krieg. Damals waren während der dreiwöchigen israelischen Offensive etwa 1400 Palästinenser getötet und etwa 5500 weitere verletzt worden. «Ich werde zu einem Treffen mit dem Nahost-Quartett (EU, UN, Russland und USA) am Freitag in Moskau reisen und dort das Leiden der Bevölkerung im Gazastreifen zur Sprache bringen», sagte Ashton vor Journalisten in Gaza.

Ashton besichtigte unter anderem eine Grundschule im nördlichen Gazastreifen und ein UN-Zentrum zur Verteilung von Grundnahrungsmitteln. Die 53-Jährige würdigte den Willen der Kinder in Gaza, auch unter schwierigen Umständen «ihre Bildung fortzusetzen». «Ich hoffe, dass mein Besuch bei den Bemühungen hilft, die Lebensumstände der Bevölkerung von Gaza zu verbessern», sagte sie.

Während ihres Besuchs schlug eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Kassam-Rakete in dem israelischen Grenzort Nativ Haasara ein. Eine militante Splittergruppe namens Ansar al-Sunna bekannte sich zu dem Angriff. Nach Angaben von Sanitätern handelte es sich bei dem Opfer um einen Arbeiter aus Thailand.

Ashton hatte dem israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres am Morgen in Jerusalem gesagt, sie sei in die Region gekommen, um den Nahost-Friedensprozess zu unterstützen. Peres äußerte sich dabei zu den umstrittenen israelischen Siedlungsplänen in Ost-Jerusalem: «40 Jahre lang gab es eine bestimmte Position, dass wir in den Vororten bauen, die hauptsächlich jüdisch sind und nicht in den Vororten, die hauptsächlich arabisch sind - das wurde von allen Regierungen so gehalten.» Dies habe bislang nie die Verhandlungen gestört, sagte Peres.

Peres sprach sich dafür aus, so weiterzumachen wie gehabt. «Dass wir nicht bauen, wo wir vorher nicht gebaut haben und es unser Recht ist, dort zu bauen, wo wir schon gebaut haben.» Gleichzeitig müsse man so schnell wie möglich Verhandlungen mit den Palästinensern aufnehmen, damit der künftige Grenzverlauf geklärt werde.

Unterdessen erklärte Obama am Mittwoch, die Beziehungen mit Israel steckten nicht in der Krise. Israel hatte vergangene Woche während des Besuchs von US-Vizepräsident Joe Biden den Bau von 1600 neuen Wohnungen im Nordosten Jerusalems angekündigt und damit internationale Kritik ausgelöst. In einem Interview des US-Fernsehsenders FoxNews sagte Obama dennoch, Israel sei einer der engsten Verbündeten. «Wir und das israelische Volk haben einen besonderen Bund, der nicht einfach verschwinden wird.»

Konflikte / Nahost
18.03.2010 · 16:58 Uhr
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