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Aschewolke kostet viel Nerven und Geld

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Hamburg (dpa) - Die Aschewolke aus Island liegt über Europa und kostet Nerven, viel Geld, aber wohl nicht die Gesundheit oder gar unseren Sommer.

Nach einem «schwarzen Freitag» für den Luftverkehr, an dem die wichtigsten Flughäfen Europas schließen mussten, gehen die beispiellosen Störungen möglicherweise noch tagelang weiter. Für Europas Volkswirtschaft wird das Ganze richtig teuer.

Der deutsche Luftraum bleibt am Samstag bis mindestens um 14.00 Uhr gesperrt. Das sagte eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS) am Freitagabend der Nachrichtenagentur dpa. Am Samstagvormittag müsse die Frist möglicherweise verlängert werden. Auch der Münchner Flughafen, der zunächst am längsten offen war, machte am Freitagabend dicht. Die größte deutsche Fluggesellschaft Lufthansa und der Reiseveranstalter Tui strichen sämtliche Flugreisen bis mindestens Samstag 12.00 Uhr.

Damit müssen Reisende auch am Wochenende mit massenweise Flugausfällen rechnen. Bereits am Freitag war ein Großteil des Flugverkehrs in Europa - etwa 60 Prozent aller Flüge - ausgefallen.

In Europa starten und landen täglich normalerweise etwa 28 000 Flugzeuge - die Behörde Eurocontrol in Brüssel rechnete nur mit 11 000 Flugbewegungen. Von bundesweit 10 000 Flügen fielen am Freitag etwa 7000 aus, wie ein Sprecher der Deutschen Flugsicherung sagte.

Der Internationalen Flugverband IATA bezifferte den täglichen Einkommensverlust der Fluglinien auf mehr als 200 Millionen Dollar (fast 148 Millionen Euro) am Tag.

Der gesperrte Himmel löste einen Massenansturm auf Busse, Bahnen, Mietwagen und Fähren aus. Hunderttausende steckten aber auch fest. Für viele war die Nacht zum Samstag die zweite in Wartehallen. Bahn- und Bus-Firmen mobilisierten Reserven, um Gestrandete zu befördern. «Shit happens», fluchte der 28-jährige Jeff Thompson am Frankfurter Airport. Dort - aber auch in London Heathrow, an den beiden Pariser Großflughäfen oder in Amsterdam waren die Anzeigetafeln mit lauter «Cancelled»-Anzeigen ein Hingucker.

Nach den westlichen Ländern gaben auch Polen, Tschechien, Bulgarien und Österreich massive Sperrungen bekannt. In Polen schloss auch der Flughafen von Krakau, an dem am Wochenende ausländische Spitzenpolitiker wie US-Präsident Barack Obama zum Begräbnis für den polnischen Präsidenten Lech Kaczynski anreisen sollen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel musste auf ihrem Rückweg aus den USA in Portugal zwischenlanden.

Der Vulkan am isländischen Eyjafjalla-Gletscher schleudert seine Asche bis zu elf Kilometer in die Höhe. Westwinde treiben die stahlharten Miniteilchen auf den europäischen Kontinent. Sie wirken auf Flugzeuge wie Schmirgelpapier und können die Triebwerke stoppen.

Nach Vorhersagen breitet sich die Wolke weiter über Europa aus, ist aber über Deutschland kaum sichtbar. «Man kann am blauen Himmel nur eine leicht milchige Trübung erkennen», sagte Meteorologe Helmut Malewski vom Deutschen Wetterdienst der dpa. Auf das aktuelle Wetter wirke die Wolke so gut wie gar nicht. Wenn es aber regne, könnten die Staubteilchen auf dem Boden sichtbar sein, ähnlich wie Saharastaub, der auswäscht und Reste auf Autos hinterlassen kann. Regen sei jedoch zurzeit nicht in Aussicht.

Nach Einschätzung des Hamburger Max-Planck-Instituts für Meteorologie hat der Vulkanausbruch auch keine Auswirkungen auf das weltweite Klima. Physikerin Claudia Timmreck sagte der dpa, der Flugverkehr reagiere zwar sehr empfindlich auf die kleinen, festen Ascheteilchen, nicht aber das Klima. Ein Effekt hänge vom Schwefelgehalt ab. «Und bei diesem Vulkan ist nicht so viel Schwefel rausgekommen.»

In der Geschichte gebe es ein klassisches Beispiel für einen Vulkan, der das Klima beeinflusst habe, sagte Timmreck - und zwar die Laki-Eruption 1783/84 in Island. «Da hat man einen Klimaeffekt beobachtet, der Sommer hatte extreme und ungewöhnliche Wetterbedingungen.» Der Sommer 2010 sei aber nicht in Gefahr.

Unterdessen gaben die Behörden in Schweden und Norwegen den Flugverkehr in den jeweils nördlichen Landesteilen wieder begrenzt frei. Die Asche-Konzentration in der Luft habe abgenommen, hieß es.

Der Vulkan stößt weniger gefährliche Stoffe aus und hat an Kraft verloren. Das ergab ein Überwachungsflug der isländischen Küstenwacht. Die Aschewolke habe jetzt eine «reinere» Zusammensetzung, sie bestehe fast nur noch aus Wasser sowie Steinpartikeln. Dies bedeutete aber nicht, dass sich ein Ende des Ausbruchs abzeichne.

Vulkane / Luftverkehr / Island
16.04.2010 · 23:07 Uhr
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