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Aschewolke behindert wieder Flugverkehr in Europa

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Hamburg (dpa) - Vulkanasche aus Island hat Europas Luftverkehr wieder behindert. Wichtige Flughäfen in Großbritannien und Holland wurden vorübergehend geschlossen.

Die umstrittenen kontrollierten Sichtflüge, mit denen die Fluggesellschaften ihre Maschinen nach dem Vulkanausbruch wiederholt in den gesperrten Luftraum gebracht hatten, will Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) abschaffen. Dem ARD- Magazin «report München» sagte der Politiker, er wolle die entsprechende Gesetzeslücke schließen.

In der Nacht zum Montag waren die beiden größten britischen Flughäfen, Heathrow und Gatwick, geschlossen worden. Ebenso wie die gesperrten Airports in den Niederlanden, Amsterdam-Schiphol und Rotterdam The Hague, wurden sie am Vormittag wieder für den Flugverkehr freigegeben, teilten die zuständigen Behörden mit.

Der deutsche Luftraum bleibt von der Aschewolke vorerst verschont, schätzte der Deutsche Wetterdienst (DWD). Berechnungen zufolge bestehe «bis in die kommenden Nacht 0.00 Uhr für die deutschen Flughäfen keine Gefahr», sagte die Leiterin der DWD- Luftfahrtberatungsstelle, Sabine Bork, der Nachrichtenagentur dpa am Montag. Der Wind treibe die Staubwolke zum Nordmeer. Der Vulkan blieb aber weiterhin aktiv und spuckte Asche in den Himmel.

Die britischen Behörden wollen neue Grenzwerte für Vulkanasche in der Luft festlegen und damit für weniger Einschränkungen im Flugverkehr sorgen. Von Dienstagmittag an sollen Maschinen auch bei einer höheren Asche-Konzentration in der Luft fliegen können, wenn sie bestimmte technische Vorgaben erfüllen, teilte die Luftfahrtbehörde CAA am Montagabend mit.

In den vergangenen Tagen hatten sich mehrere Fluggesellschaften, die massive Verluste verkraften müssen, - darunter Ryanair, Virgin Atlantic und British Airways - beschwert, einige Sperrungen von Flughäfen wegen der Asche seien unbegründet. Der Präsident von Virgin Atlantic, Richard Branson, nannte die Schließung von Manchester «einen Witz». Ein Sprecher von British Airways sagte, die Fluggesellschaften sollten selbst entscheiden dürfen, ob sie fliegen oder nicht. Der derzeitige Ansatz sei «zu restriktiv».

Nach Auskunft der britischen Flugsicherung Nats wurden am Montag Dutzende Flüge gestrichen. Passagiere an den internationalen Drehkreuzen mussten Verspätungen in Kauf nehmen. In Gatwick, Großbritanniens zweitgrößtem Flughafen, konnten bis 11.00 Uhr (12.00 Uhr MESZ) gar keine Maschinen landen. Derweil gingen Flughäfen in Manchester, Liverpool und Leeds nach der Sperre am Wochenende wieder in Betrieb.

Ebenso konnten irische Flughäfen am Montag wieder öffnen. Airports in Teilen Schottlands und Nordirlands blieben dagegen weiter geschlossen. Wind aus Nordwest hatte die Vulkanasche in Richtung Irland und Großbritannien geweht. Nach Angaben der Europäischen Flugsicherheitsorganisation Eurocontrol in Brüssel verhinderte die Aschewolke am Montag europaweit rund 1000 Flüge.

Am Vormittag wurden auch der vorübergehend gesperrte Flughafen von Ostende und der belgische Luftraum über der Nordsee wieder freigegeben. Die Lufthansa strich am Montag nach Angaben eines Unternehmenssprechers etwa ein Dutzend Flüge nach Amsterdam.

Auch deutsche Flughäfen spürten Auswirkungen der Asche des isländischen Gletschervulkans Eyjafjallajökull. Auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld fielen die Flüge von und nach Dublin, Edinburgh, London und Nottingham aus. Die Flughäfen in Frankfurt und Hamburg waren ebenfalls betroffen. Elf Langstreckenflüge wurden zum Rhein- Main-Airport umgeleitet worden, weil sie nicht an ihren Zielorten in Amsterdam und London Heathrow landen konnten.

Verkehrsminister Ramsauer nannte die Sperren «richtig und alternativlos». Die Fluggesellschaften hätten in der Diskussion nach dem Vulkanausbruch in Island eine spezielle Gesetzeslage nutzen können. «Es ist eine gewisse Unlogik - ganz klar - zu sagen: Instrumentenflüge dürfen nicht stattfinden, aber für kontrollierte Sichtflüge gibt es kein Verbot, gibt es keine Regelung», erläuterte Ramsauer in der ARD.

«In diese Lücke ist man von Seiten der Luftlinien gestoßen», sagte Ramsauer. «Und dann hat das Luftfahrtbundesamt gesagt, das ist nicht verboten. Dieses Regelungsdefizit und manches andere muss schnellstens behoben werden, da sind wir gerade dabei.»

Lufthansa dagegen schließt Flüge nach kontrollierten Sichtflugregeln (CVFR) im Bedarfsfall trotzdem nicht aus: «Ein Fliegen nach CVFR kann Lufthansa für die Zukunft nicht grundsätzlich und für alle Zeiten ausschließen, da es sich um ein rechtlich einwandfreies und sicheres Verfahren handelt», sagte Lufthansa- Sprecher Michael Lamberty dem ARD-Magazin «report München».

Der Lufthansa-Sicherheitspilot Jürgen Steinberg war nach seiner Kritik an den Sichtflügen aus seiner Funktion ausgeschieden. Steinberg hatte Ende April zeitlich begrenzten Sichtflügen zunächst zugestimmt, um Umsatzausfälle zu begrenzen. Später hatte er dies bedauert und erklärt, dies dürfe sich nicht wiederholen. Der Verkehrsminister sagte in der ARD, «wenn jemandem der eigene Sicherheitspilot hinschmeißt, den Dienst quittiert, weil er diametral anderer Auffassung ist», solle man sich mit Angriffen zurückhalten.

Vulkane / Luftverkehr / Island / Niederlande
17.05.2010 · 21:29 Uhr
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