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Arizona - ein Eldorado für Waffenbesitzer

Am TatortGroßansicht

Washington (dpa) - Für Jared Loughner war es ein ganz gewöhnlicher Einkauf. Der 22-Jährige hatte kein Problem, an jene Waffe zu gelangen, mit der er am Samstag sechs Menschen tötete und 14 weitere verletzte.

Seelenruhig marschierte er am 30. November 2010 in das Sportsman's Warehouse in Tucson und kaufte eine halbautomatische Glock 19, dazu vier 9-mm-Magazine, zwei davon erweitert - 25 bis 33 Schuss anstatt der normalen 15.

Loughner musste nicht einmal lange auf seine Waffe warten. Ein rascher Computer-Check an der Verkaufstheke, ob er eine kriminelle Vergangenheit hat, und das war es dann auch schon. Eine Genehmigung für den Waffenbesitz brauchte er nicht, und er konnte seine Neuerwerbung sogar versteckt am Körper tragen.

In Arizona ist all das möglich. Hier gibt es so liberale Waffengesetze wie kaum in einem anderen US-Staat. Jeder Bürger ab 21 darf eine Handfeuerwaffe besitzen. Brauchte er früher zumindest eine Genehmigung für das «verdeckte» Tragen, so wurde diese Beschränkung im vergangenen Jahr aufgehoben. Da unterzeichnete die republikanische Gouverneurin Jan Brewer ein entsprechendes Gesetz, das auch von der mächtigen US-Organisation der Waffenbesitzer (NRA) unterstützt wurde. Arizona wurde damit nach Alaska und Vermont der dritte US-Staat mit derart lockeren Waffenkontrollbestimmungen.

So kann der Waffenbesitzer seine Glock oder Beretta fast überall mit hinnehmen - sogar in Gaststätten mit Alkoholausschank - vorausgesetzt, er bleibt nüchtern.

Arizona - ein Eldorado für Waffennarren, kritisieren Verfechter schärferer Waffenkontrollgesetze. Dazu gehört der Sheriff von Pima County, Clarence Dupnik. In seinem Bezirk liegt Tucson, der Schauplatz des Anschlags vom Samstag. Dupnik gibt den laschen Regulierungen im Staat eine Mitschuld an dem Geschehen. Der offensichtlich gestörte Loughner, so sagt Dupnik, hätte nie eine Waffe kaufen dürfen.

«Wir sind das Tombstone der Vereinigten Staaten», zitiert die «Los Angeles Times» den Sheriff. Er bezog sich dabei auf die gleichnamige Stadt (übersetzt Grabstein) in Arizona, berühmt-berüchtigt wegen ihrer schießwütigen Wildwest-Vergangenheit. «Was für ein lächerlicher Staat sind wir doch geworden.»

Und welch ein «Exporteur» von Waffen, die später in anderen US-Staaten bei Verbrechen benutzt werden, wie die «Washington Post» unter Berufung auf Statistiken der zuständigen US-Kontrollbehörde vorrechnet. Danach wurden 2009 rund 1640 in Arizona gekaufte Waffen an Tatorten außerhalb der Staatsgrenzen gefunden. Das bedeutet der Zeitung zufolge 25 exportierte Waffen pro 100 000 Arizona-Bewohner.

Die demokratische Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords, die am Samstag Ziel des Anschlags war und schwer verletzt wurde, setzte sich 2007 dafür ein, strikte Waffenkontrollgesetzte in der US-Bundeshauptstadt Washington zu kippen. Sie ist im Gegensatz zu vielen ihrer demokratischen Parteifreunde eine strikte Verfechterin des in der Verfassung verankerten Rechts auf privaten Waffenbesitz.

Traurige Ironie: Auch der beim Anschlag ums Leben gekommene Bundesrichter John Roll stellte sich einst gegen strikte Kontrollen. Der «Washington Post» zufolge wertete er 1994 staatlich vorgeschriebene Personenüberprüfungen vor dem Waffenkauf als Verstoß gegen die Verfassung. Das entsprechende Gesetz wurde am Ende jedoch aufrechterhalten.

Die Zeitung kommentierte am Montag, die Versuchung sei groß, hitzige politische Rhetorik für die Bluttat mitverantwortlich zu machen. «Vielleicht», heißt es weiter. «Aber Metaphern töten keine Menschen - Waffen töten Menschen.»

Kongress / Kriminalität / USA
11.01.2011 · 12:30 Uhr
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