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Arbeitsmarkt auch für Qualifizierte noch unsicher

Falsche Qualifizierung und schlechte Personalplanung führen laut DGB zu Fachkräftemangel und Arbeitslosigkeit.Großansicht

Berlin (dpa) - Die Wirtschaft klagt über Fachkräftemangel - doch zugleich verlieren nach wie vor auch viele Qualifizierte ihren Job. Und immer häufiger sind Neu-Arbeitslose wegen unzureichender Absicherung gleich von Anfang an auf Hartz-IV-Stütze angewiesen

Trotz der guten Konjunktur haben im ersten Halbjahr fast 1,5 Millionen Menschen ihren Job verloren - darunter viele qualifizierte Fachkräfte. Über eine Million der Neu-Arbeitslosen verfügen über eine abschlossene Lehre oder über ein Hochschuldiplom. Dies geht aus einer Analyse des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervor, über die die «Saarbrücker Zeitung» (Montag) berichtet. Das Papier liegt auch der Nachrichtenagentur dpa vor.

Mit dem Wechsel von insgesamt 1,444 Millionen Menschen aus der Beschäftigung in die Arbeitslosigkeit sei der Zugang gegenüber dem Vorjahr zwar um 6 Prozent rückläufig, schreibt der DGB-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy in dem Papier. Gleichwohl sei aber das Risiko, arbeitslos zu werden, selbst für Qualifizierte nach wie vor groß. Als Hauptgründe nennt Adamy instabile und befristete Beschäftigungsverhältnisse, unzureichende Personalplanung der Unternehmen, wirtschaftlichen Strukturwandel und konjunkturelle Schwankungen.

Von den 1,444 Millionen Neu-Arbeitslosen im ersten Halbjahr 2011 haben 908 000 einen Berufsabschluss und 110 000 ein Hochschuldiplom. Die übrigen sind ungelernt oder nur geringfügig qualifiziert. Nach wie vor gilt, dass mit zunehmender Qualifikation das Risiko der Arbeitslosigkeit sinkt. Doch trotz der lauten Klagen der Wirtschaft über Fachkräftemangel und Problemen bei der Stellenbesetzung sei der Neuzugang auch von Qualifizierten in die Arbeitslosigkeit immer noch beachtlich, schreibt Adamy.

Ungelernte werden laut Studie nicht nur häufiger arbeitslos. Sie müssen auch länger nach einem neuen Job suchen. Derzeit gibt es rund 4 Millionen Geringqualifizierte mit sozialversichertem Job. Bei rund 400 000 Neu-Arbeitslosen aus diese Gruppe bedeutet dies, dass jeder zehnte Geringqualifizierte in den vergangenen sechs Monaten seinen Job verlor.

Die anziehende Konjunktur hat laut DGB-Studie auch nicht verhindern können, dass 2011 noch mehr Menschen nach dem Job-Verlust auf Hartz-IV angewiesen sind als im Jahr zuvor. Dies gelte für Akademiker, Menschen mit betrieblicher Ausbildung wie für Geringqualifizierte gleichermaßen. Ursache sind unzureichende Versicherungszeiten vor Eintritt in die Arbeitslosigkeit. Besonders bei Geringqualifizierten sei durch kurzfristig und niedrig entlohnte Beschäftigung das Verarmungsrisiko nach einem Job-Verlust gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen.

Wirtschaft und Hochschulrektorenkonferenz (HRK) appellierten am Montag «angesichts des schon heute spürbaren Fachkräftemangels und der demographischen Entwicklung» an Bund und Länder, mehr Studienplätze für den erwarteten Studentenansturm an den Hochschulen zur Verfügung zu stellen. Die doppelten Abiturientenjahrgänge infolge der Schulzeitverkürzung am Gymnasium in mehreren Bundesländern müssten als «enormes Talentreservoir» wahrgenommen werden, sagte Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger in einer gemeinsamen Erklärung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) sowie der HRK.

«Angesichts des alarmierenden Fachkräftemangels wäre es grotesk, junge Menschen vor den Hochschultüren stehen zu lassen. Allein im MINT-Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik fehlen den Unternehmen bereits jetzt mehr als 150 000 Fachkräfte», sagte Sattelberger.

Arbeitsmarkt / Fachkräfte
01.08.2011 · 17:24 Uhr
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