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Araber finden Nobelpreis gut - aber zu früh

Obamas Kairoer RedeGroßansicht
Bagdad/Istanbul (dpa) - In der arabischen Welt gönnt man US-Präsident Barack Obama den Friedensnobelpreis. Das liegt erstens an seinem Einsatz für Frieden in Nahost und seinen Plänen für einen raschen Abzug der US-Truppen aus dem Irak.

Zweitens hat er sich bei den Arabern durch seine vielbeachtete Kairoer Rede beliebt gemacht, in der er den Muslimen ein neues Verhältnis auf der Basis von gegenseitigem Respekt anbot. Doch viele Politiker und Kommentatoren zwischen Kairo und Riad, die sich nach Obamas vollmundigen außenpolitischen Ankündigungen schnellere Resultate erhofft hatten, fragen sich: «Wieso bekommt er jetzt schon den Preis?»

«Ich finde, dass er diese Auszeichnung verdient hat, weil er Mut bewiesen hat, zum Beispiel als er die Entscheidung traf, das Gefangenenlager in Guantánamo dicht zu machen», sagt Wadah Abed Rabbo, Chefredakteur der syrischen Zeitung «Al-Watan». Auch sei es Obama binnen kürzester Zeit gelungen, das Image der USA in der Welt aufzupolieren. Allerdings meint Abed Rabbo, dass der Friedensnobelpreis ohnehin 1994 seine Unschuld verloren habe, als er auch an den israelischen Politiker Schimon Peres verliehen wurde. Viele arabische Kommentatoren hatten schon damals erklärt, dass nur Ministerpräsident Jizhak Rabin und Jassir Arafat den Preis verdient hätten, aber nicht Peres.

«Der US-Präsident hat den Wandel versprochen und dies ist nun die Krönung dieses politischen Richtungswechsels, dessen Ergebnisse wir hier im Irak positiv spüren», sagt der christliche irakische Parlamentarier Jonadam Kanna. Dass Obama den Friedensnobelpreis erhalten habe, sei ein «Sieg des Friedens über Gewalt und Hass.»

Doch seine Kollegin, die unabhängige Abgeordnete Majsun al-Damludschi beurteilt die Entscheidung des Nobelkomitees für Obama nicht so vorbehaltlos positiv wie er. «Er hat dem Irak nicht die Priorität eingeräumt, die unser Land verdient gehabt hätte, sondern er hat nur den Truppenabzug angekündigt», sagt sie. «Was er in Kairo gesagt hat, war gut, doch wir warten immer noch auf konkrete Ergebnisse.»

Auch der Vorsitzende des auswärtigen Komitees im syrischen Parlament, Suleiman Haddad, versteht die Preisvergabe an Obama weniger als Belohnung für dessen Politik, sondern eher als eine Geste, die Obama «ermutigen» soll, seine Versprechen auch einzulösen. «Wir wollen, dass sich Präsident Obama der israelischen Besatzung entgegenstellt», fügt Haddad, der einst Botschafter in Deutschland war, hinzu.

Am schlechtesten kommt der neue Friedensnobelpreisträger bei den konservativen Arabern und Islamisten weg. «Wir werden ihm erst dann gratulieren, wenn er Frieden geschaffen hat in Palästina», erklärt der jemenitische Vize-Minister für religiöse Stiftungen, Scheich Hassan al-Scheich. Und auf der Website des saudischen Nachrichtenportals «Sabq» heißt es in einem bissigen Leserkommentar: «Was für ein Frieden ist denn gemeint, wo doch immer noch Blut vergossen wird, Geld gestohlen und Unglaube verbreitet wird von den Amerikanern, ihren Agenten und säkularen Helfern?»

Nobelpreise / International / Reaktionen
09.10.2009 · 16:53 Uhr
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