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Antonis Samaras: Lernfähiger Wahlsieger

Der Chef der konservativen Partei Nea Dimokratia (ND) verlässt die Wahlkabine. Foto: Nikitas KotsiarisGroßansicht

Athen (dpa) - Antonis Samaras lässt sich nicht gerne umstimmen. Doch wenn es um die Zukunft seines Landes geht, kann der Sieger der griechischen Parlamentswahlen durchaus einlenken.

Mehrfach musste der 60-jährige Chef der traditionell proeuropäischen konservativen Partei Nea Dimokratia (ND) deswegen in seiner politischen Laufbahn bereits zurückstecken.

So musste Samaras im November 2011 einsehen, dass harte Aussagen nach dem Motto «Das Sparprogramm ist falsch, ich werde es ändern» Empörung auslöst - allen voran bei den Geldgebern. In der größten Krise des Landes stimmt Samaras im November der Bildung einer Regierung unter dem parteilosen Finanzexperten Lucas Papademos zu. Und er billigte das harte Sparprogramm.

Ultrakonservative Abgeordnete traten daraufhin aus der Partei aus und gründeten eine neue, die Unabhängigen Griechen. Samaras warnte: Was Griechenland in 30 Jahren errungen habe, könne binnen weniger Wochen verloren gehen, falls die Linke an die Regierung komme.

Weil Armut und soziale Konflikte im Land zunahmen, fuhr er bei der Wahl im Mai eines der schlechtesten Ergebnisse in der Geschichte seiner Partei ein. Die ND kam auf 18,9 Prozent (2009: 34 Prozent). Dennoch wurde sie stärkste Kraft im Parlament.

Großes Charisma versprüht Samaras nicht. Der Spross einer reichen Athener Familie glänzte als junger Mann mit sportlichen Leistungen und wurde griechischer Jugend-Tennismeister. Später studierte er Wirtschaftswissenschaften am Amherst College in den USA. Das dortige Internat bewohnte er eine Weile gemeinsam mit dem späteren sozialistischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou. Sein Studium setzte er in Harvard fort. 1977 kehrte er nach Griechenland zurück und wurde als 26-Jähriger ins Parlament gewählt.

Kritiker werfen Samaras vor, er könne trotz seiner langjährigen Erfahrung nicht die Massen bewegen, anders als der geschickte Taktiker und gute Redner Alexis Tsipras von der radikalen Linken. Dennoch konnte Samaras die Entscheidungswahl gewinnen.

Die Griechen sind in ihrer Mehrheit proeuropäisch. Mehr als 80 Prozent wollen in der Eurozone bleiben. Samaras hatte immer wieder betont, das Sparprogramm für Griechenland sei notwendig, es habe aber die Wirtschaft abgewürgt. Investitionen müssten her. Einer seiner Lieblingssätze mit Blick auf das Sparprogramm lautet: «Die Medizin ist gefährlicher als die Krankheit.»

Samaras ist für seine Hartnäckigkeit bekannt. Als griechischer Außenminister trieb er das Land Anfang der 90er Jahre in einen endlosen Streit um den Namen der nördlichen Nachbarrepublik Mazedonien: Die Republik sollte einen anderen Namen annehmen, der das Wort Mazedonien nicht beinhaltet, unter anderem, weil es in Nordgriechenland eine gleichnamige Provinz gibt. Als er merkte, dass sein Kurs nicht mehr von der Führung der regierenden ND getragen wurde, stürzte er die Regierung zusammen mit einigen Abgeordneten 1993 und gründete eine neue Partei: den in nationalistischen Gewässern fischenden «Politischen Frühling». Er scheiterte und versank elf Jahre lang in der politischen Bedeutungslosigkeit.

Bereits 2007 hatte die ND ihrem Rebellen verziehen und ihn wieder aufgenommen. Nach der verheerenden Niederlage der Konservativen im Oktober 2009 kam die neue Chance für Samaras. Im November 2009 wurde er zum neuen Parteichef der ND gewählt. Nun warten neue, ungleich schwerere Aufgaben auf ihn.

Wahlen / Regierung / Griechenland
18.06.2012 · 21:08 Uhr
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