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Anschlag in Nordirland an symbolischem Tag

In der Nähe der nordirischen Hauptstadt Belfast explodierte eine Autobombe vor einer Kaserne.Großansicht
London/Belfast (dpa) - Eine katholische Terrorgruppe hat in Nordirland erneut einen Bombenanschlag verübt - ausgerechnet an dem Tag, an dem der Regionalregierung mehr Rechte von London übertragen wurden.

Bei der Explosion vor dem Sitz des britischen Geheimdienstes in der Nähe von Belfast wurde in der Nacht zu Montag ein Mann verletzt, berichtete die Polizei. Trotz des Anschlags wurde später der erste nordirische Justizminister seit 38 Jahren gewählt.

Die radikale republikanische Real IRA, eine Splittergruppe der ehemaligen Terrorgruppe IRA, bekannte sich zu dem Anschlag in der britischen Konfliktregion. Schlimmeres konnte verhindert werden, weil es vorher eine Warnung gegeben hatte. Rund 40 Menschen mussten mitten in der Nacht ihre Häuser verlassen und in Sicherheit gebracht werden.

Am Nachmittag wählte das Parlament in Belfast den 59-jährigen Chef der überkonfessionellen Alliance-Partei, David Ford, zum neuen Justizminister. In Nordirland herrschten jahrzehntelang blutige Kämpfe zwischen Katholiken, die eine Vereinigung mit der Republik Irland anstrebten, und Protestanten, die weiter zu Großbritannien gehören wollen. Die britische Regierung hatte wegen der Unruhen 1972 die Kontrolle über Nordirland übernommen.

Die Bombe detonierte in der Nähe der Zentrale des Inlandsgeheimdienstes MI5 in Nordirland vor einer Kaserne bei der Stadt Holywood. Die unbekannten Täter hatten ein Taxi entführt und den Fahrer gezwungen, die Bombe zu der Kaserne zu bringen. Familienmitglieder des Taxifahrers waren als Geiseln genommen worden.

Zum Stichtag 12. April gingen Befugnisse über Polizei und Justiz von London an Belfast über. Bereits im Februar war beschlossen worden, dass Nordirland künftig einen eigenen Minister für Justiz und Polizei haben soll.

Die Übertragung von mehr Rechten war ein Bestandteil des Karfreitagabkommens von 1998, das schrittweise Frieden in der britischen Region schuf. Nordirland war jahrzehntelang von Terror zwischen Katholiken und Protestanten geprägt, dem seit Ende der 60er Jahre mehr als 3500 Menschen zum Opfer fielen. Schließlich hatten sich die protestantische Unionistenpartei DUP und die katholische Sinn Fein vor drei Jahren auf die Bildung einer gemeinsamen Regionalregierung geeinigt.

Politiker beteuerten am Montag, der neue Anschlag - einer von mehreren in den vergangenen Monaten - werde den Friedensprozess nicht aufhalten. Die Gegner des Friedens hätten keine Unterstützung, sagte der britische Nordirland-Minister Shaun Woodward. Erst im Februar war eine Bombe in der Stadt Newry hochgegangen und hatte ein Gerichtsgebäude beschädigt. Im Januar war ein Polizist in der Grafschaft Antrim bei einem Anschlag schwer verletzt worden. Vor rund einem Jahr wurden zwei britische Soldaten und ein Polizist von Terroristen erschossen. Auch damals war die Real IRA beteiligt.

Nordirland / Konflikte / Großbritannien
12.04.2010 · 16:10 Uhr
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