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Anschlag am Berliner Hauptbahnhof verhindert

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Berlin (dpa) - Die Bahn im Visier von Attentätern: Mit Brandsätzen in Berlin und Brandenburg haben mutmaßlich Linksextreme am Montag den Zugverkehr rund um die Hauptstadt stark beeinträchtigt.

Am Berliner Hauptbahnhof wäre es um ein Haar zu einem womöglich folgenschweren Anschlag gekommen - ein Mitarbeiter entdeckte die sieben Brandsätze, bevor sie explodieren konnten.

Auf freier Strecke nordwestlich von Berlin zündete jedoch ein Brandsatz in einem Schacht für Signalkabel und kappte so die wichtige Verbindung nach Hamburg. Tausende Reisende und Pendler werden deshalb auch am Dienstag von Verspätungen und Zugausfällen betroffen sein. In einem Bekennerschreiben protestiert eine linksextreme Gruppe im Internet gegen den Bundeswehreinsatz in Afghanistan.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) verurteilte die Brandanschläge. «Das Leben unbeteiligter Pendler, Familien und Kinder zu gefährden ist keine Meinungsäußerung, sondern ein Anschlag auf unsere Gesellschaft», sagte Ramsauer der Tageszeitung «Die Welt». Die Verantwortlichen würden mit aller Härte verfolgt und zur Rechenschaft gezogen.

Verletzt wurde bei den Anschlägen niemand - möglicherweise auch, weil die Bahn ihr Personal nach dem Anschlag in Brandenburg am frühen Morgen auf zusätzliche Kontrollgänge schickte. An der nördlichen Tunneleinfahrt zum Hauptbahnhof entdeckte ein Mitarbeiter hinter einem Trafo-Haus am Mittag sieben Brandsätze in einem Kabelschacht. Spezialisten machten die Behälter mit brennbaren Flüssigkeiten rechtzeitig unschädlich.

Nach dpa-Informationen hätten die Sprengsätze enormen Schaden anrichten können. Die Tunneleinfahrt am Hauptbahnhof liegt gut 200 Meter vom Bahnhof selbst entfernt, der nicht gesperrt wurde.

Die Täter könnten aus der linksextremen Szene kommen: Das Landeskriminalamt (LKA) Brandenburg hält das Bekennerschreiben nach einer vorläufigen Bewertung für authentisch. Nach Angaben der Bundespolizei gibt es Parallelen zwischen beiden Anschlägen.

Die antimilitaristische Gruppe mit dem Namen Hekla schreibt in ihrem Bekennerschreiben von «Sabotagehandlungen an mehreren Kabelschächten». Die Gruppe fordert demnach auch Freiheit für den inhaftierten US-Soldaten Bradley Manning, dem das US-Militär vorwirft, Interna an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergegeben zu haben.

Die Bahn reagierte empört auf die Anschläge. «Unsere Kunden sollen nach den Bekennerschreiben für den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr herhalten. Das ist absolut verantwortungslos», teilte Konzernsicherheitsleiter Gerd Neubeck mit.

Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) forderte, die Bahn-Knotenpunkte besser zu schützen. «Man kann nicht jeden Quadratmeter beobachten, aber zumindest die Knotenpunkte sollte man sichern», sagte er am Montag in der RBB-«Abendschau». Er gehe im Moment nicht davon aus, dass weitere Brandsätze gelegt worden sind.

Die Gewerkschaft der Polizei forderte mehr Personal für Verfassungsschutz und polizeilichen Staatsschutz. Die Politik müsse die Warnungen des Verfassungsschutzes ernst nehmen. «Auch der RAF-Terror hat mit der verharmlosenden sogenannten Gewalt gegen Sachen begonnen», sagte der Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut. «Später wurden Menschen ermordet.»

Offensichtlich ist die Hekla-Gruppe bislang nicht in Erscheinung getreten. «Inwieweit die Gruppe bisher bekannt ist oder mit anderen Personen möglicherweise in Zusammenhang gebracht werden kann, ist derzeit völlig unklar», sagte Brandenburgs LKA-Sprecher Toralf Reinhardt. Hekla ist der Name eines isländischen Vulkans.

Die Bahn geht davon aus, dass die Reparatur an der Strecke Berlin-Hamburg bis Dienstagvormittag dauert. Verspätungen von bis zu einer Dreiviertelstunde sind aber bis zum Mittwochvormittag zu erwarten.

Verkehr / Bahn / Kriminalität
10.10.2011 · 20:25 Uhr
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