Eine kleine Gruppe offensichtlich Anonymous-naher Programmierern hat sich zusammengeschlossen, um eine einzigartige Social Music Platform zu gründen. Ihr Ziel ist es, einen Dienst namens Anontune zu schaffen, der sämtliche Musikstücke aus den Drittanbieter-Plattformen wie YouTube, Myspace, Bandcamp und SoundCloud im Internet bezieht. Anonymisierte Nutzer sollen darauf zugreifen und beispielsweise Wiedergabelisten erstellen und diese teilen können.
Aktuell befindet sich das Projekt noch in den Kinderschuhen, erst etwa 20 Prozent des Dienstes sind nach den Aussagen der Entwickler fertiggestellt. Zudem könnte das Angebot ein Vertrauensproblem aufgrund der Nutzung von Java bekommen. Die Programmierer wollen Anontune auf Basis eines Java-Applets anfertigen, was viele unsichere Nutzer in Anbetracht der Hacking-Hintergrunds abschrecken könnte.
Anontune soll sich später besser als beispielsweise YouTube als vollständiger Music Player eignen, kündigten die Macher gegenüber
Wired an. Die Nutzer legen einen Account an, geben im Browser-Fenster die gewünschte Musik ein, die von der Anontune-Music Engine im Internet gesucht wird, lassen sie abspielen und legen Wiedergabelisten an, die sie weitergeben können.
Fraglich ist, wie eine solche Plattform rechtlich behandelt würde. Obwohl sie Inhalte von legalen Diensten bezieht, haben diese heute meist explizite Vereinbarungen mit Vertretern der Musikindustrie getroffen, um illegale Angebote zu umschiffen und sich bei den Urheberrechten abzusichern. „
Ich kann mir vorstellen, dass die Content-Eigentümer ziemlich nervös werden, wenn sie merken, dass die Seite wirklich realisierbar ist“, bemerkt Electronic Frontier Foundation-Rechtsanwalt Corynne McSherry an. „
Sie haben gerne Leute, mit denen die Deals abschließen können, und hierbei gibt es niemanden, mit dem man verhandeln kann.“
Obwohl der Verdacht nahe liegt, Anontune sei eine Antwort auf die
Niederschlagung des Filehosters MegaUpload, proklamieren die Macher einen anderen Hintergrund. „
Das Projekt ist weniger eine Reaktion auf MegaUpload als vielmehr eine Antwort auf die Tycoons der RIAA, die Musik-Dienste zerschlagen.“ Die Recording Industry Association of America (RIAA) ist der Verband der Musikindustrie in den USA. Die Entwickler hinter Anontune sehen in ihrem Vorgehen eine Alternative zur
Operation Playback, von dessen Ansatz sie glauben, dass er „
langfristig wahrscheinlich nichts bringt“.
Die Ankündigung dürfte auch und vor allem in Deutschland für Aufsehen sorgen, nachdem erst am Freitag das Landgericht Hamburg urteilte, dass YoUTube künftig mehr Einsatz beim Entfernen von urheberrechtlich geschütztem Material zeigen muss. Mit dem Urteil darf YouTube keine Videos zu Musiktiteln mehr anbieten, bei denen die
GEMA Urheberrechte geltend gemacht hat.
Vielen Dank an unseren aufmerksamen Leser lord007 für diesen Hinweis.