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Annecy 2018: Dabei sein ist alles

Das offizielle Logo der französischen Bewerberstadt Annecy für die Olympischen Winterspiele 2018.Großansicht

Durban (dpa) - Die Hochglanzbroschüren von Annecy 2018 sind vielversprechend, die Hochrechnungen vor der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2018 sind es nicht. Der französische Vertreter ist im Dreikampf um den Milliardenpreis nur staunender Außenseiter.

Frankreichs Ski-Legende Jean-Claude Killy riet Staatschef Nicolas Sarkozy dringend von einer Dienstreise nach Durban ab. Zu aussichtslos scheinen die Chancen von Annecy im Dreikampf mit München und Pyeongchang um die Olympischen Winterspiele 2018. «Sarko» soll die Erfahrung einer schmerzhaften Abstimmungspleite erspart werden. Dabei sein ist eben doch nicht alles. Skeptiker rechnen beim Votum an diesem Mittwoch mit einem Trostpreis für Annecy von maximal 20 Stimmen - und dem Aus in der ersten Wahlrunde.

Sogar Annecys Bewerbungschef Charles Beigbeder strahlt nicht unbedingt Zuversicht aus. «Es wird schwer, wir sind bescheiden, aber wir werden alles geben», erklärte der smarte Politiker vor der Weltpresse und versprach dennoch «fantastische Spiele» in der Mont- Blanc-Region. Der Präsentationspavillon der Franzosen am Indischen Ozean ist olympiareif, die Kandidatur ist es nicht.

So richtig reibungslos lief beim Außenseiter wenig. Zuerst war das Geld knapp und die Kandidatur konfus. Nach der Gelben Karte durch das Internationale Olympische Komitee im Juni 2010 hatten die Franzosen wieder bei Null anfangen müssen. Das IOC hatte kritisiert, dass Annecys Planer zu viele und zu weit auseinander liegende Standorte in ihr Konzept aufgenommen hatten.

Nach der Überarbeitung der Pläne wurde sogar der Bewerbungsetat von 16 auf 29,1 Millionen Euro aufgestockt, Aufbruchstimmung stellte sich nicht ein. Im Gegenteil: Killy und sein IOC-Kollege Guy Drut wetterten, die Kandidatur werde an die Wand gefahren - und hielten sich mit öffentlicher Unterstützung des Projekts auffällig zurück.

Gleich vier olympische Dörfer, ein Streukonzept und das komplizierte Transportsystem sind eine logistische Mammutaufgabe. Da reichen auch Beigbeders starke Sprüche im Endspurt nicht, um den deutlichen Rückstand auf München und Pyeongchang wettzumachen. «Unsere Vision ist klar. Wir wollen der olympischen Bewegung dienen», tönte er, «wir wollen starke Spiele, keine Spiele, die im Zeichen des Kommerzes stehen. Olympische Spiele gehören nicht einer Stadt, einen Land oder einem Kontinent, sondern der ganzen Welt.»

Annecy wirbt mit Tradition. Der vorgesehene Co-Gastgeber Chamonix war 1924 Schauplatz der ersten Winterspiele. In dem renommierten Skiort, 60 Kilometer östlich von Annecy, sollen 2018 die alpinen Skiwettbewerbe und das Eishockey-Turnier stattfinden. Die nordischen Disziplinen sind in La Clusaz, etwa 30 Kilometer von Annecy entfernt, vorgesehen.

Bei der Frage, ob Annecys Bemühungen lediglich ein Testlauf seien für die Pariser Ambitionen, Gastgeber der Sommerspiele 2020 oder 2024 zu werden, wurden die Vertreter der französischen Delegation auf einmal kleinlaut. Und jetzt wollen am Abstimmungstag in Durban auch französische Olympia-Gegner demonstrieren.

Olympia / 2018 / Annecy
06.07.2011 · 11:18 Uhr
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