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Annan: Syrien-Konflikt könnte außer Kontrolle geraten

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Damaskus/Kairo/Genf (dpa) - Fortdauernde Kämpfe in der syrischen Protesthochburg Homs machen die humanitäre Lage immer dramatischer. Das Rote Kreuz kann Tausenden Menschen nicht helfen, die in den von Regimetruppen belagerten Stadtteilen eingeschlossen sind.

Syrische Aktivisten sprachen von einer «Katastrophenzone». UN-Vermittler Kofi Annan befürchtet, dass der Syrienkonflikt auf die ganze Region übergreifen könnte.

Die Türkei bestätigte, dass ein türkisches Kampfflugzeug über dem Mittelmeer von Syrien abgeschossen wurde. Das wurde am Freitagabend nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts unter Leitung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan mitgeteilt. Das in Malatya gestartete Flugzeug war am Mittag vom Radarschirm verschwunden.

«Ich fürchte, wir nähern uns dem Tag, an dem es zu spät sein wird, um noch zu verhindern, dass diese Krise außer Kontrolle gerät», sagte Annan am Freitag bei einer Pressekonferenz in Genf. «Es ist höchste Zeit, das Morden zu beenden, diese Situation kann nicht endlos weitergehen». Dafür müsse der Druck auf die Konfliktgegner in Syrien erheblich verstärkt werden.

Ein Team des Roten Kreuzes, das nach Homs unterwegs war, kehrte unverrichteter Dinge nach Damaskus zurück. Es habe die Stadt wegen Artilleriebeschusses durch Regimetruppen nicht erreichen können, berichteten syrische Aktivisten am Freitag. Das syrische Außenministerium machte dagegen die Rebellen dafür verantwortlich. «Bewaffnete terroristische Gruppen» hätten auf die Helfer geschossen und sie daran gehindert, bis nach Homs vorzudringen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur SANA.

In den von Präsident Baschar al-Assads Truppen belagerten Teilen von Homs ist die Lage nach Angaben der Aktivisten dramatisch. Rund tausend Familien seien dort ohne jede Versorgung mit Lebensmitteln oder medizinische Hilfe. Aktivisten teilten mit, dass einige Zivilisten aus Homs fliehen konnten, weil Aufständische in der Nähe des Vororts Deir Balaaba einen schmalen Korridor geöffnet hätten.

Die Zahl der hilfsbedürftigen Menschen in Syrien ist derweil auf 1,5 Millionen gestiegen. Das teilte das UN-Büro für Nothilfekoordinierung (OCHA) am Freitag in Genf mit. Im März war das Büro noch von einer Million Notleidenden ausgegangen.

Annan sagte, er habe in den letzten Tagen intensive Beratungen geführt, um die von ihm vorgeschlagene Syrien-Kontaktgruppe zustande zu bringen. Ein erstes Treffen des Gremiums soll nach Möglichkeit am 30. Juni in Genf stattfinden, bestätigte der UN-Vermittler. Der Iran sollte ungeachtet politischer Widerstände im Westen in die Suche nach Frieden für Syrien eingebunden werden. Die Konfliktgegner in Syrien müssten «überzeugt werden, dass es in ihrem Interesse ist, das Töten einzustellen und mit Verhandlungen zu beginnen», sagte Annan.

Russland forderte den syrischen Präsidenten Assad auf, die Bevölkerung in freien Wahlen über sein Schicksal entscheiden zu lassen. «Einen anderen Weg sehe ich nicht», sagte Moskaus Außenminister Sergej Lawrow dem russischen Staatsfernsehen. Die Wahlen sollten «absolut frei und gerecht sein» und «unter strengster Kontrolle internationaler Beobachter».

Die Gewalt dauerte auch am Freitag an. In der Ortschaft Darat Issa bei Aleppo töteten Aufständische nach eigenen Angaben 26 Angehörige der regimetreuen Schabiha-Milizen. Am Vortag wurden nach Angaben von Aktivisten landesweit mindestens 114 Menschen getötet.

Nachdem sich am Donnerstag ein Pilot nach Jordanien abgesetzt hatte, liefen vier hohe syrische Offiziere zu den Aufständischen über. Sie sagten sich in einer Videobotschaft von der Armee los. Frankreich rief Assads Soldaten zum Desertieren auf.

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Video der Deserteure
Konflikte / Syrien
22.06.2012 · 23:26 Uhr
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