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Anleger feiern EU-Gipfel

Börse in Frankfurt: Die Beschlüsse des EU-Gipfels in Brüssel haben weltweit die Börsen beflügelt. Foto: Emily Wabitsch/Archiv

Brüssel/Frankfurt (dpa) - Die wegweisenden Beschlüsse vom EU-Gipfel in Brüssel haben am Freitag weltweit die Börsen beflügelt. Auch der Euro profitierte. Die Gemeinschaftswährung kratzte wieder an der Marke von 1,27 Dollar und erreichte den höchsten Stand seit einer Woche.

Für die bedrängten Euro-Länder Spanien und Italien ging der Druck an den Anleihemärkten spürbar zurück. Die Renditen für ihre Staatsanleihen fielen deutlich. Der deutsche Leitindex Dax sprang bis zum Nachmittag um fast vier Prozent ins Plus. Zuvor hatten bereits die Börsen in Asien nach dem nächtlichen Verhandlungsmarathon in Brüssel für gute Vorgaben gesorgt. In Tokio stand ein Plus von 1,5 Prozent zu Buche.

Der Euro konnte deutlich zulegen und stieg um 2,5 Cent auf knapp 1,27 Dollar. Der erste Tag des Treffens der Staats- und Regierungschefs sei mit unerwartet klaren Resultaten zu Ende gegangen, erklärten die Marktexperten der Landesbank Berlin den Höhenflug.

Positiv aufgenommen wurden aus Brüssel gleich mehrere Vorhaben: Die Staats- und Regierungschefs der Eurozone haben sich darauf geeinigt, den großen Krisenländern Spanien und Italien unter die Arme zu greifen. Geplant ist, dass beide Länder auch ohne harte Auflagen Geld aus den Rettungsfonds EFSF und ESM erhalten können. Außerdem sollen künftig nicht nur Staaten, sondern auch Banken direkt auf die Rettungsfonds zugreifen dürfen, sobald eine gemeinsame Bankenaufsicht installiert ist. Zudem wurde ein Wachstumspakt über 120 Milliarden Euro beschlossen.

Die Staatsanleihen der angeschlagenen Euroländer Spanien und Italien reagierten mit einem kräftigen Rückgang der Zinssätze. In Madrid sank die Rendite für richtungsweisende Anleihen mit der Laufzeit von zehn Jahren nach Bekanntwerden der Nothilfen um 0,54 Prozentpunkte auf 6,31 Prozent. Am Vortag stand der Zinssatz noch knapp unter der Marke von sieben Prozent und damit auf einem Niveau, das die Staatsfinanzierung auf lange Sicht kaum mehr möglich macht.

Eine starke Entspannung der Lage zeigte sich auch bei den Staatspapieren in Italien. Hier sank die Rendite der zehnjährigen Anleihen um 0,42 Punkte auf 5,74 Prozent. Geringere Zinskosten entlasten die öffentlichen Haushalte in den Krisenländern. Im Gegenzug legte allerdings die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe kräftig auf 1,61 Prozent zu. «Innerhalb der Eurozone muss ja das verteilte Geld auch aufgebracht werden, und dabei fällt in letzter Konsequenz die Kugel wieder auf die Nordstaaten», sagte Dietmar Blum von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. «Des einen Freud, des anderen Leid.»

Frankreichs Präsident François Hollande betonte, es sei gelungen, für Spanien Erleichterungen angesichts des großen Zinsdrucks zu schaffen. Der ständige und der vorläufige Rettungsschirm könnten genutzt werden, um «Schutz vor Zinssätzen» zu geben. «Ich stelle fest, dass die ersten Ankündigungen bereits gute Wirkung gezeigt haben.» Hollande erwartet zudem die Einführung einer Finanzsteuer noch im laufenden Jahr. Nachdem eine Lösung im Kreis aller 27 EU-Staaten gescheitert war, gehen nun mindestens neun Länder voran, darunter Deutschland, Frankreich und Österreich.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte: «Wir sind unserer Philosophie, keine Leistung ohne Gegenleistung, treu geblieben.» Merkel hob den Plan zur Schaffung einer «Superaufsichtsbehörde» für die europäischen Banken hervor. Dazu müsse allerdings noch eine einstimmige Ratsentscheidung erfolgen.

Der Internationale Bankenverband IIF begrüßte die Beschlüsse des Gipfels als Schritt in die richtige Richtung. Der Plan, Banken den direkten Zugang zu Kapital zu erleichtern und eine gemeinsame Bankenaufsicht zu schaffen, sei ermutigend, erklärte der Marktausschuss des IIF in München. Die in Brüssel vereinbarten Pläne müssten jetzt rasch umgesetzt werden, um die Märkte zu beruhigen.

Einige Experten werteten die Ergebnisse auch skeptisch. Angedachte Anleihekäufe durch den EFSF oder ESM könnten sich als Bumerang erweisen, warnt Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank. Die Krisenfonds hätten nur eine begrenzte Feuerkraft und würden Investoren so einladen, gegen sie zu spekulieren. Die auf dem Gipfel verfolgten Pläne könnten letztlich nur funktionieren, wenn die EZB sich entschlossen dahinter stellen würde.

EU / Finanzen / Gipfel / Börsen
29.06.2012 · 22:47 Uhr
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