Anleger bleiben in Deckung
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Banken- und Staatsschuldenkrise im Gemeinsamen Währungsgebiet hat die Aktienmärkte weiter im Griff. Zu der Furcht vor einem Austritt Griechenlands aus dem Euroraum nach den für das kommende Wochenende angesetzten Parlamentswahlen hat sich seit Montag die Angst vor einer Eskalation der Lage in Spanien gesellt. "Es dürfte schwierig sein, den Markt vor diesem Hintergrund noch einmal groß nach oben zu reißen", sagt ein Händler. Der Blick auf die europäische Börsenlandschaft zeigt dann auch das bekannte Nord-Süd-Gefälle: Während der DAX in Frankfurt um 0,2 Prozent anzieht und der CAC in Paris um 0,4 Prozent steigt, geht es in Mailand für den MIB um weitere 0,8 Prozent nach unten, der IBEX gibt in Madrid um weitere 0,4 Prozent nach. Gleichzeitig ziehen die Renditen der zehnjährigen italienischen und spanischen Staatsanleihen weiter an.
Am Samstag hat die EU Spanien zwar eine Kreditlinie über 100 Milliarden Euro zur Sanierung des maroden Bankensystems eingeräumt. "Wird der Darlehensrahmen komplett ausgeschöpft, steigen die Gesamtverbindlichkeiten der Iberer aber bis 2013 auf 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Angesichts lauer Konjunktur und hoher Arbeitslosigkeit ist es daher wohl nur eine Frage der Zeit, bis nicht nur die Kreditinstitute, sondern das ganze Land am Tropf hängt", sagt ein Händler.
Noch dazu würden die von EFSF oder ESM vergebenen Darlehen mit hoher Wahrscheinlichkeit vor anderen Krediten bedient. "Im Fall der Fälle würde das einen zumindest teilweisen Zahlungsausfall für Private Gläubiger bedeuten", orakelt der Börsianer. Daher sei der Schritt nicht dazu angetan, Investoren wieder für spanische Schuldtitel zu begeistern. "Damit wird der Teufelskreis zwischen der Refinanzierung von Banken und Staaten nicht aufgelöst."
Immer kürzere Halbwertszeit
Bereits zu Wochenbeginn ließen diese Überlegungen die anfängliche Euphorie dahinschmelzen, in Madrid etwa drehte der IBEX nach einem Plus von mehr als 5 Prozent zu Handelsauftakt im Tagesverlauf ins Minus und ging mit einem Verlust von 0,5 Prozent aus dem Montag. Gleichzeitig zog die Rendite zehnjähriger Schuldtitel deutlich auf 6,47 Prozent an. Ein ähnliches Bild zeigte sich in Italien, die Ansteckungsgefahr ist für das unter einem gewaltigen Schuldenberg ächzende Land wohl am höchsten.
Auch an Wall Street hinterließ der zweite Blick auf das Hilfsangebot für Spanien deutliche Bremsspuren, für die Indizes ging es nach Handelsschluss in Europa kräftig nach unten und sie schlossen auf den Niveaus der Tagestiefs. "Insgesamt lässt sich feststellen, dass Hilfspakete im Gemeinsamen Währungsgebiet, was ihre beruhigende Wirkung angeht, eine immer kürzere Halbwertzeit haben", sagt Lutz Karpowitz, Devisenanalyst bei der Commerzbank. Dies zeigt auch der Blick auf den Euro, der am Dienstagmorgen unter 1,25 Dollar zum Greenback gehandelt wird und damit auf dem Niveau vor der Kreditlinie für Spanien notiert.
Erste Indikation für US-Teuerung auf der Agenda
Die Agenda der makroökonomischen Kennziffern am Dienstag ist dünn bestückt, noch dazu stammen die avisierten Konjunkturdaten aus der bestenfalls zweiten Reihe. Auf dem Programm steht mit den Importpreisen allerdings die erste Indikation zur Teuerung in den USA im Mai. "Nicht nur ein Basiseffekt wirkt Preis dämpfend, sondern auch die anhaltende Verbilligung des Rohöls und anderer Rohstoffe", sagt Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen.
Im frühen Geschäft an Europas Börsen stehen weiter die Finanzwerte unter Druck, der Index der Bankenwerte verliert 0,6 Prozent, Versicherungstitel geben im Mittel um 0,5 Prozent nach. Besser halten sich die als defensiv geltenden Papiere der Nahrungsmittel- und Getränkehersteller sowie Telekommunikationstitel, die um 0,9 Prozent respektive 0,6 Prozent zulegen. Im Dax geht es für Commerzbank um 1,7 Prozent auf 1,34 Euro nach unten, damit sind die Papiere des zweitgrößten deutschen Kreditinstituts bislang Tagesverlierer.
ThyssenKrupp verbilligen sich um 1,4 Prozent auf 11,54 Euro. Der chinesische Stahlkocher Baosteel will wegen sinkender Nachfrage erstmals in diesem Jahr die Preise senken. Gegen den Trend steigen Fresenius um 1,0 Prozent auf 78,61 Euro. Der Gesundheitskonzern hat am Vortag seine Prognose für das laufende Jahr angehoben. Ansonsten machen vor allem die Umstufungen der Analysten Kurse. So steigen E.ON um 2,0 Prozent auf 14,61 Euro; die Analysten der UBS haben die Aktien des Versorgers zum "Kauf" empfohlen.
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