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Angelina Jolie besucht Syrienflüchtlinge

Angelina Jolie in einem Flüchtlingslager in der Türkei.Großansicht

Damaskus/Istanbul (dpa) - Der bei der syrischen Opposition verhasste Milliardär Rami Machluf will Proteste gegen das Regime mit der Spende eines Teils seines Vermögens entschärfen.

Die Ankündigung des Geschäftsmannes, der ein Cousin des Machthabers Baschar al-Assad ist, hielt die Opposition am Freitag aber nicht von neuen Protesten ab. Zehntausende Syrer gingen trotz massiver Drohungen des Regimes nach dem Mittagsgebet auf die Straße, auch in mehreren Vierteln der Hauptstadt Damaskus. Dabei habe es am Freitag erneut mindestens zwölf Tote gegeben, berichtete der Nachrichtensender Al-Arabija.

US-Filmstar Angelina Jolie lenkte die Aufmerksamkeit auf das Schicksal der vor Gewalt geflohenen Syrer. Sie besuchte das Grenzgebiet der Türkei, wo etwa 10 000 Syrer in Flüchtlingslagern des Türkischen Roten Halbmondes leben.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bezeichnete die Angriffe syrischer Regierungstruppen als schändlich. Einen Militäreinsatz des Bündnisses schloss er ein einem Interview des spanischen Fernsehsenders TVE aber aus, auch weil es dafür keine regionale Unterstützung gebe.

Neue Demonstrationen gab es in der von der Armee eingekesselten Stadt Maarat al-Noaman in der Provinz Idlib, im Maidan-Viertel in Damaskus, im Umland der Hauptstadt sowie in den Städten Aleppo, Banias, Homs, Hama, Abu Kamal, Kamischli und Daraa. Das berichteten syrische Oppositionelle auf ihren Facebook-Seiten. In der südlichen Stadt Daraa, eine der ersten Protesthochburgen, berichteten die Regimegegner von heftigem Schusswaffengebrauch und einrückenden Panzern der Sicherheitskräfte.

Die Protestbewegung hatte für diesen Freitag zu Demonstrationen unter dem Motto «Freitag für Scheich Salih al-Ali» aufgerufen. Damit versucht sie nach Einschätzung von Beobachtern, die alawitische Minderheit mit ins Boot zu holen. Denn der 1950 gestorbene Freiheitskämpfer Al-Ali, der gegen die Vorherrschaft der Franzosen gekämpft hatte, gehörte ihr ebenso an wie die Familie Assad. Bislang sind die sunnitischen Muslime die tragende Säule des Aufstandes gegen Assads Regime.

Dessen reichstes Mitglied, Machluf, versucht indes, seine Interessen zu schützen. Der Monopolist wolle einen Teil seines Vermögens für wohltätige Zwecke spenden, berichtete das syrische Staatsfernsehen. In Oppositionskreisen wurde dies als Finte aufgefasst. «Diese Ankündigung ist ein reiner Witz», sagte ein syrischer Regimegegner in der Türkei.

Beobachter verwiesen auch darauf, dass Machluf bereits zu Beginn der Proteste seine profitable Kette von Zollfrei-Läden an das Golfemirat Kuwait verkauft hatte. Praktisch versuche der Assad-Verwandte, der in den Augen der Syrer Raffgier und Korruption der Günstlinge des Regimes verkörpert, sein Vermögen rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.

Trotz andauernden Widerstands Russlands und anderer Länder streben Deutschland und Frankreich weiterhin eine gemeinsame Syrien-Resolution des UN-Sicherheitsrats an. Dazu wolle man auch «gemeinsam mit Russland» reden, kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach einem Treffen mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy am Freitag in Berlin an. Aus dem Auswärtigen Amt verlautete, Außenminister Guido Westerwelle habe wegen der UN-Resolution mit seinem brasilianischen Amtskollegen telefoniert.

Die Europäische Union (EU) bereitet derweil neue Sanktionen gegen Assads Regime vor. Am Montag wollen die EU-Außenminister in Luxemburg darüber beraten, wie der Druck auf Syrien verstärkt werden kann.

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Konflikte / Syrien
17.06.2011 · 18:51 Uhr
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