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Angeklagter Polizist: Tödlicher Schuss war Notwehr

Polizeibeamte sichern zum Prozessbeginn um einen tödlichen Schuss eines Berliner Polizisten den Eingang am Landgericht Neuruppin (Brandenburg).
Neuruppin/Berlin (dpa) - Empörung und Tumulte im Zuschauerraum, Unschuldsbeteuerungen auf der Anklagebank - der Prozessauftakt um den tödlichen Schuss eines Berliner Polizisten auf einen Kleinkriminellen verlief emotional.

Der Hauptangeklagte verteidigte sich am Dienstag vor dem Landgericht Neuruppin mit dem Hinweis auf Notwehr. Seine beiden Kollegen blieben bei ihrer Aussage, dass sie nichts bemerkten. Freunde und Verwandte des 26-jährigen Autodiebs und Einbrechers aus Berlin, der Silvester 2008 von dem Polizisten erschossen wurde, protestierten lautstark. Der Fall hatte Anfang 2009 für großes Aufsehen gesorgt.

Dem Hauptangeklagten wird Totschlag vorgeworfen. Der Zivilfahnder, der vor 16 Monaten den gesuchten Kleinkriminellen im brandenburgischen Schönfließ festnehmen wollte, ließ von einem Verteidiger eine Erklärung vorlesen. Es habe «eine gewaltige Gefahr für Leib und Leben für meine Kollegen und mich» bestanden, hieß es. «Der Einsatz endete tragisch. Ich bedaure dies zutiefst. Das ist eine große Belastung für mich.»

Die beiden anderen Polizisten sind wegen versuchter Strafvereitelung angeklagt. Sie sollen ihren Kollegen mit falschen Angaben geschützt haben. Der Anwalt des zweiten Polizisten las ebenfalls eine Erklärung vor, nach der sein Mandant nur ein Mündungsfeuer gesehen habe, aber danach bereits Silvesterböller knallten, so dass ihm Schüsse nicht aufgefallen seien. Weil er Schüsse nur mit Kopfhörern vom Schießstand her kenne, könne er die Knallgeräusche nicht unterscheiden. Der dritte Polizist saß im Auto und sah und hörte nach eigenen Angaben ebenfalls nichts. Er betonte in einer Erklärung: «Ich habe zu keinem Zeitpunkt unwahre Angaben gemacht.»

Einige Zuschauer aus dem Freundes- und Verwandtenkreis empörten sich. «Die lügen doch alle», rief jemand. Ein anderer: «Das stimmt doch alles gar nicht.» Umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen begleiteten den Prozessauftakt.

Laut Anklageschrift versuchten die drei Polizisten, den gesuchten Kriminellen vor dem Haus seiner Freundin festzunehmen. Zunächst entkam der junge Mann in seinem gestohlenen Jaguar, kehrte aber zurück. Die Fahnder blockierten den Wagen, in dem der Gesuchte saß. Die Autotüren ließen sich aber nicht öffnen.

Der Hauptangeklagte ging den Ermittlungen zufolge zur Fahrertür, rüttelte am Griff - dann schoss er zum ersten Mal. Die Kugel blieb in der Lunge des Fahrers stecken. Trotz der schweren Verletzung startete der unter Kokain stehende Mann den Motor, gab Gas und knallte einige Meter weiter in parkende Autos. Der Polizist feuerte noch siebenmal und traf mehrfach den Jaguar, wie es weiter in der Anklage hieß. Der Angeschossene verblutete am Steuer.

Prozesse / Polizei
04.05.2010 · 19:05 Uhr
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