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Angeklagte im Sauerland-Prozess wollen aussagen

Die Angeklagten wollen Geständnisse ablegen. (Archiv)
Düsseldorf (dpa) - Hoffnung auf ein baldiges Ende im Sauerland- Prozess: Alle vier mutmaßlichen Terroristen wollen überraschend Geständnisse ablegen. Die Angeklagten hätten sich auf diese gemeinsame Linie geeinigt, erklärten ihre Verteidiger am Dienstag.

Der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling sprach von einer «sinnvollen Lösung». «Dadurch, dass dies so frühzeitig geschehen ist, ist ein spürbarer Strafnachlass möglich.»

Der Angeklagte Adem Yilmaz war am Dienstag vorgeprescht, hatte ein umfassendes Geständnis angekündigt und um ein Gespräch mit den anderen Angeklagten gebeten. «Es ist mir egal, wie viel Sie mir geben, ob 20 oder 30 (Jahre). Ich möchte nur, dass das hier vorbeigeht. Es ist langweilig», sagte Yilmaz am 15. Verhandlungstag. Das Gericht hatte das von Yilmaz erbetene Gespräch im Beisein von zwei Beamten des Bundeskriminalamts (BKA) sofort ermöglicht. Auch die Bundesanwaltschaft hatte zugestimmt.

Yilmaz' Anwältin Ricarda Lang erklärte dessen Vorstoß so: «Er ist nicht in der Lage, dem Prozess hier standzuhalten. Er begreift die juristischen Hintergründe nicht. Er hat keine Lust mehr, ihm ist langweilig.» Auf keinen Fall wolle er, dass im islamischen Fastenmonat Ramadan verhandelt wird, der in diesem Jahr Ende August beginnt. Es mache keinen Sinn, weiter zu schweigen, um dann im Urteil die «volle Packung» zu erhalten, erklärte Yilmaz (29). Bislang hatten die Angeklagten jegliche Aussage in dem Terror-Prozess verweigert.

Der mutmaßliche Rädelsführer Fritz Gelowicz kündigte persönlich ein umfassendes Geständnis an: «Ich werde gestehen, was es zu gestehen gibt.» Es werde dabei auch Überraschungen geben, ergänzte sein Anwalt Dirk Uden. Der Anwalt von Atilla Selek, Axel Nagler, erklärte, sein Mandant werde «alle Karten auf den Tisch legen». Das Gericht gab den Angeklagten zur Vorbereitung ihrer Geständnisse Zeit und will erst in der übernächsten Woche weiter verhandeln.

Der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling betonte, dass das Gericht an umfassenden Geständnissen interessiert sei, weniger an abgesprochenen Verteidiger-Erklärungen. Bundesanwalt Volker Brinkmann sagte, zwar wären die Angeklagten im Prozess wahrscheinlich sowieso überführt worden, die Geständnisse seien aber «prozessökonomisch, sie ersparen uns Zeit». Der Prozess - eines der größten Verfahren seit RAF-Zeiten - war bislang auf zwei Jahre angelegt. Ein Geständnis könnte zu einem Urteilsspruch schon in diesem Herbst führen, sagte Anwältin Lang.

Dass die Angeklagten ein Geständnis oder zumindest eine Aussage erwägen, war Mitte Mai bekanntgeworden, als bei Daniel Schneider ein an Yilmaz gerichteter Brief sichergestellt wurde. «Wann ist es sinnvoll, dass alle schweigen oder aussagen?», hieß es in dem Kassiber.

Die Angeklagten sollen eine Terrorzelle der Islamischen Dschihad Union (IJU) gebildet und in Deutschland schwere Anschläge mit Autobomben geplant haben. Drei der Islamisten waren am 4. September 2007 im sauerländischen Oberschledorn von der Spezialeinheit GSG 9 festgenommen worden, Selek wurde später in der Türkei verhaftet.

Prozesse / Terrorismus
09.06.2009 · 16:47 Uhr
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