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Analyse: Wulff demonstriert Normalität

Bundespräsident Christian Wulff gibt auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Frankfurter Römer ein Autogramm. Foto: Boris RoesslerGroßansicht

Frankfurt/Main (dpa) - In Frankfurt gratuliert Christian Wulff dem Deutschen Fechter-Bund zum 100-jährigen Bestehen. Doch das Interesse gilt seinem Kampf um den eigenen Ruf. Während der Präsident dazu schweigt, wagt ein anderer eine Bemerkung.

In der schwersten Krise seiner Amtszeit steht Bundespräsident Christian Wulff lächelnd zwischen Glühweinständen und Lebkuchenbuden. Der Weg von seinem Wagen zum Festakt des Deutschen Fechter-Bundes im Rathaus von Frankfurt am Main führt Wulff am Samstag über den Weihnachtsmarkt. Als ein Bürger den Präsidenten um ein Autogramm bittet, bleibt er stehen, plaudert mit dem Mann und unterschreibt: «Bitte schön, alles Gute.» Weihnachtsduft und ein Hauch von Normalität liegt über der Szene, die ein Dutzend Fotografen und Kamerateams beobachten. Wulff bewegt sich langsamen Schrittes und plaudert mit Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU), als gebe es das Gedränge der Reporter um ihn herum nicht. Roth hatte den Journalisten schon vor Wulffs Ankunft gesagt: «Sie wissen, dass der Bundespräsident jetzt kein Interview gibt.»

Das Interesse der Medien am Glückwunsch des Präsidenten zum 100-jährigen Bestehen des Fechter-Bundes war stark gestiegen, seit Wulff wegen eines Privatkredites die Schlagzeilen dominiert. Bürger nehmen dagegen kaum Notiz vom Staatsoberhaupt.

Vor der Rathaus-Tür wird Wulff vom Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach, begrüßt. Minutenlang plaudern sie ungerührt im Blitzlichtgewitter. «Waren Sie schon auf dem Weihnachtsmarkt?», fragt Wulff. Dann verschwinden sie im Rathaus, wo er erneut von einer Traube Journalisten umringt wird. In seiner Rede spricht er den Wirbel um die eigene Person nicht an, zeigt sich mit freundlicher Miene und macht sogar den ein oder anderen Scherz.

Einzig Bach wagt während des zweistündigen Festaktes einen Satz zum aktuellen Geschehen: «Der Bundespräsident hat unsere ungebrochene Sympathie und Unterstützung», sagt er. Dann geht die Festgesellschaft zur Tagesordnung über, als sei es für ihren Ehrengast ein Tag wie jeder andere. Vom Weihnachtsmarkt erklingt festlich-friedliche Musik.

Bundespräsident
17.12.2011 · 22:03 Uhr
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