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Analyse: Wird der Arbeitsmarkt die Laune verderben?

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München (dpa) - Die deutsche Wirtschaft fasst nach ihrer monatelangen Talfahrt immer besser Tritt - eine gute Prognose folgt in diesen Tagen der anderen.

Die Höchststände wie vor zwei, drei Jahren liegen zwar noch in weiter Ferne, aber auch im August war der ifo-Geschäftsklimaindex als wichtigster Frühindikator für die Stimmung in der Wirtschaft überraschend deutlich von 87,4 Punkten im Vormonat auf 90,5 Punkte geklettert. Dies war der fünfte Anstieg in Folge und mehr, als die meisten Experten erwartet hatten. Das Horrorszenario einer langanhaltenden, tiefen Rezession scheint damit vorerst gebannt, es bleiben aber die bangen Fragen nach der Dauerhaftigkeit der Erholung und vor allem nach den Auswirkungen der Krise auf den Arbeitsmarkt.

Nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist die Talsohle erreicht. Es sei zu früh, schon ein Ende der Krise auszurufen, so Kanzlerin Merkel. «Die Krise ist vorbei, wenn wir wieder da sind, wo wir vor der Krise waren», sagte Merkel dem Sender N24.

Besser sah es laut ifo-Index vor allem bei den Erwartungen der 7000 befragten Unternehmen für die kommenden sechs Monate aus. Hier stieg der Index von 90,4 auf 95,0 Punkte. «Die Wirtschaft in Deutschland erholt sich langsam von ihrem Fall», teilte das ifo Institut mit. Doch trotz der Erholung in den vergangenen Monaten seien die Werte immer noch schlechter als vor einem Jahr. Auch die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage fällt nach wie vor alles andere als gut aus. Hier stieg der Index zwar von 84,4 Punkten im Vormonat auf 86,1 Punkte. Der Vorjahreswert hatte aber noch bei 102,9 Punkten gelegen.

Die Forscher warnen daher vor Euphorie. «Das ist schon eine Erholung, aber noch kein Aufschwung», sagte Volkswirt Klaus Abberger auf Anfrage. Momentan sorgten noch die zahlreichen Konjunkturpakete für Schwung. «Und da fragen wir uns, ob das Ganze nachhaltig ist und die Wirtschaft alleine gehen kann oder ob es danach zu einem Rückschlag kommt.» Dies werde sich wahrscheinlich im Laufe des kommenden Jahres zeigen.

Eine weitere wichtige Frage sei, wie sich der Arbeitsmarkt entwickelt, sagte Abberger. «Noch ist nicht alles überwunden. Wir sehen schon, dass die Arbeitslosigkeit steigen wird, gerade auch im Verlauf des nächsten Jahres. Der starke Fall der Wirtschaft wird Nachwirkungen haben.» Das ifo Institut rechne zwar mit einer Arbeitslosenzahl von weniger als fünf Millionen. «Sie wird aber an diese Marke herankommen.» Im Juli hatte die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland bei 3,46 Millionen gelegen.

Auch andere Experten geben für den Arbeitsmarkt keine Entwarnung. Auch wenn die tiefe Rezession ein Ende gefunden habe, seien zuletzt rund 25 000 Menschen zusätzlich auf Jobsuche gewesen, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Normalerweise geht die Arbeitslosenzahl nach dem Ende der Hauptferien in den meisten Bundesländern leicht zurück», erläutert Analyst Alexander Koch von der HypoVereinsbank.

In diesem August jedoch erwarten Koch und seine Kollegen übereinstimmend einen Anstieg. «Obwohl wir die Rezession beendet haben und kurzfristig eine deutliche Verbesserung der deutschen Industrie sehen, wird das nicht ausreichen, um die Überkapazitäten schnell wieder abzuschaffen», erklärte Koch. Im Herbst, spätestens aber zum Jahreswechsel würden viele Unternehmen dann mit Entlassungen reagieren. Die offiziellen Daten will die Bundesagentur für Arbeit am kommenden Dienstag bekanntgeben.

Bei der Kurzarbeit stünden viele Firmen demnächst am Scheideweg, sagte Eckart Tuchtfeld von der Commerzbank. Entweder hätten sie eine gute Perspektive und wollten ihre Belegschaft deshalb über die letzten Monate retten - oder sie griffen zu Kündigungen. «Für uns kristallisiert es sich als wahrscheinliches Gesamtbild heraus, dass es doch zu einer spürbaren Belastung des Arbeitsmarkts kommen wird im Zuge der Auflösung der Kurzarbeit und im Zuge des Nachhinkens des Arbeitsmarktes.» Denn dort machten sich wirtschaftliche Entwicklungen erst mit einer Verzögerung von zwei bis drei Quartalen bemerkbar.

Konjunktur / Arbeitsmarkt
27.08.2009 · 11:44 Uhr
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