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Analyse: Wiedeking verliert Machtkampf mit Piëch

Piëch und WiedekingGroßansicht
Stuttgart/Weissach (dpa) - Die Verlierer zeigen Gefühle nach einer langen und dramatischen Nacht. «Es tut mir in der Seele weh», ruft Wendelin Wiedeking, einst Porsche-Retter, nun Ex-Chef des Sportwagenbauers, den Arbeitern am Donnerstag in Stuttgart bei strömendem Regen zu.

Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche sagt trotzig und mit tränenerstickter Stimme: «Der Mythos Porsche lebt und wird nie untergehen.» Die Niederlage von Porsche aber ist besiegelt. VW hat den erbitterten Machtkampf gewonnen.

Die Weichen sind gestellt: Volkswagen übernimmt Porsche, der stolze Sportwagenbauer wird als zehnte Marke in den Wolfsburger Konzern integriert. Wiedeking und Finanzvorstand Holger Härter, einst als genialer Zahlenmensch gefeiert, haben sich bei der riskanten Übernahme von VW verzockt, einen Milliarden-Schuldenberg verursacht und mussten nun gehen. Als «Retter» kommt nun VW und dreht den Spieß um: Der «Goliath» kauft den «David».

VW-Chef Martin Winterkorn aber richtete den Blick nach vorne und warb um die Sympathien der Porsche-Beschäftigten. Er entwarf glänzende Perspektiven für das neue Autoimperium. Der neue Großkonzern unter Führung von VW solle zu einem «Kraftfeld» in der weltweiten Automobilindustrie werden. Porsche solle ein «eigenständiges Label» bleiben, versprach Winterkorn. Die angestrebte Zusammenführung mache zwei starke Unternehmen noch stärker. Zusätzliche Wachstumschancen würden erwartet, bestehende Arbeitsplätze gesichert und neue geschaffen.

Alle Beteiligten wissen: Der lange Machtkampf, der oft einer Schlammschlacht glich und mit vielen Intrigen und Tricksereien geführt wurde, hat Blessuren hinterlassen. Und so versprach auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) den Porsche-Mitarbeitern: Porsche werde selbstverständlich autonom mit Sitz in Stuttgart-Zuffenhausen bleiben wie Audi in Ingolstadt. «Die Porsche-Standorte sind sicherer als zuvor.» Im Schulterschluss mit VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hat sich Wulff gegen Wiedeking durchgesetzt. Bis Mitte 2011 soll der neue Auto-Gigant in Form gegossen werden.

Wiedeking präsentierte sich bei seinem Abschied vor dem Werkstor von Porsche in Tonlage Moll. Er gehe nur, weil Porsche zunehmend unter dem Konflikt mit VW gelitten habe. «Es muss aufhören mit der Beschädigung von Porsche. Ihr habt das nicht verdient.»

Für seinen erzwungenen Abschied und die vorzeitige Auflösung seines bis 2012 geltenden Vertrages bekommt Wiedeking nun einen «goldenen Handschlag» und kassiert eine Abfindung von 50 Millionen Euro. Die Hälfte der Summe wandert jedoch in eine soziale Stiftung. Zuvor war noch über eine gigantische Rekordabfindung von 250 Millionen Euro für den Manager spekuliert worden - das wäre mehr gewesen, als bislang jemals an einen gescheiterten Manager gezahlt wurde.

Bis zum Schluss hatte der sturköpfige Westfale um seinen Job gekämpft und immer wieder neue Rettungspläne für den hoch verschuldeten Sportwagenbauer präsentiert - am Ende ohne Erfolg. Die schleichende Demontage von Wiedeking in den vergangenen Wochen hat sich der Manager nach Einschätzung von Branchenexperten aber auch selber zuzuschreiben. «Wiedeking und Härter sind Opfer ihrer eigenen Pläne geworden», sagte der Nord/LB-Autoanalyst Frank Schwope.

Als absoluter Machtmensch hatte Wiedeking nach dem Einstieg bei VW die Verantwortlichen und Mitarbeiter in Wolfsburg früh spüren lassen, dass nur er das Heft des Handelns in der Hand halten will. In der Folge gingen zehntausende VW-Beschäftigte gegen Wiedeking auf die Straße, das Feindbild aus Stuttgart hatte ein Gesicht.

Ein weiterer taktischer Fehler war, dass der Porsche-Chef die Abschaffung des VW-Gesetzes als Selbstläufer angesehen und die strategischen Fähigkeiten von Wulff unterschätzt hat. Der Politiker schaffte es, sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu verbünden und rettete das VW-Gesetz, das Niedersachsen eine Sonderstellung bei VW garantiert.

Auto / Porsche
23.07.2009 · 17:11 Uhr
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