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Analyse: Wer könnte Obama besiegen?

Die Republikaner tun sich schwer, einen Herausforderer für US-Präsident Obama zu finden. Foto: Saul LoebGroßansicht

Washington (dpa) - Knallhart und hässlich ist der Vorwahlkampf der US-Republikaner geworden. Seit zwei Monaten dauern die Vorwahlen bereits an, fast jede Woche wird in einem Bundesstaat abgestimmt - doch ein echter «Frontrunner», ein Favorit, der die Herzen der Partei erwärmt, ist nicht gefunden.

Das Rennen zwischen dem gemäßigten «Wirtschaftsmann» Mitt Romney und dem konservativen und tiefreligiösen Rick Santorum ist zum Kampf um die Seele der Partei geworden. Beim «Super Tuesday» wird in zehn Bundesstaaten abgestimmt - wer sich hier durchsetzt, hat die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten in Reichweite.

Längst geht es in dem Duell nicht mehr vorrangig um politische Rezepte, wie Amerika den Weg aus der Krise finden, wie die Schulden abgebaut oder wie der Iran in Schach gehalten werden könnte. Immer mehr werden konkrete Sachfragen in den Hintergrund gedrängt, in der aufheizten Debatte geht es um etwas ganz Anderes - um die vielbeschworenen «values», die Werte der Partei, die grundsätzliche Ausrichtung der «Grand Old Party». Und «values» bedeuten in den USA vor allem eins: Religion.

Schon spricht die «New York Times» von «Kulturkriegen», die zum beherrschenden Thema des Vorwahlkampfs geworden sein. Manche Republikaner fürchten, der allzu harte Vorwahlkampf drohe die Partei zu belasten - und nutze letztlich nur dem Mann im Weißen Haus.

Tief gespalten sind die republikanischen Vorwähler. Nach landesweiten Umfragen liefern sich Romney und Santorum ein Kopf-an- Kopf-Rennen. Der ehemalige Parlamentspräsident Newt Gingrich und der radikalliberale Kongressabgeordnete Ron Paul sind dagegen weit abgeschlagen - nur ein Wunder könnte sie ins Spiel bringen.

Am Dienstag steht viel auf dem Spiel. Abgestimmt wird unter anderem in den wichtigen «swing states» Ohio und Virginia sowie in Georgia. Das Votum in Ohio gilt als der wichtigste Preis des «Super Tuesday»: Wer in den USA Präsident werden will, lautet die traditionelle Faustregel, muss in diesem Staat gewinnen.

Dennoch: Ob der Super-Wahltag eine Entscheidung bringt, wer Barack Obama am 6. November herausfordert, ist äußerst fraglich. Santorum und Gingrich haben öffentlich geschworen, nicht das Handtuch zu werfen. Notfalls würden sie bis zum Parteitag der Republikaner Ende August durchhalten - erst dann wird offiziell Obamas Herausforderer gekürt.

Das Duell signalisiert ein grundsätzliches Dilemma der Republikaner: Zwei Seelen beherrschen die Partei. «Ein Drittel bis zu 50 Prozent der aktiven republikanischen Vorwähler gehören zu den Evangelikalen», meint die Politikwissenschaftlerin Iva Deutchman.

Es handele sich um stark religiös ausgerichtete «Sozialkonservative», denen «Werte-Themen» wie Abtreibung und Verhütung wichtiger seien als Wirtschaftsaufschwung und Schuldenabbau. «Diese Gruppe ist in den vergangen Jahrzehnten hochpolitisiert worden», sagt Deutchman. Den «Sozialkonservativen» stünden die Gruppen der Wirtschaftsliberalen und der Neo-Konservativen gegenüber.

Santorum, der zunächst als krasser Außenseiter angetreten war, hat seinen Aufstieg vor allem der Tatsache zu verdanken, dass viele den Ex-Gouverneur und «Wirtschaftsmann» Romney, der als Unternehmensberater in der freien Wirtschaft ein Vermögen verdient hat, nicht als «echten Konservativen» anerkennen. Noch in der ersten Phase des Vorwahlkampfes standen Themen wie Wirtschaft und Finanzen eindeutig im Vordergrund - Romney suchte sich als erfahrener Retter zu präsentieren.

Doch dann hat es der Katholik Santorum geschickt verstanden, das Thema Religion in den Wahlkampf einzuführen. «Ich glaube nicht an ein Amerika, in dem die Trennung zwischen Kirche und Staat absolut ist», ereiferte er sich kürzlich. Das Thema Religion gilt für Romney auch aus einem weiteren Grund als eine weiche Flanke - er ist Mormone. Und vielen Evangelikalen sind Mormonen zutiefst suspekt.

Unter besonnenen Republikanern geht bereits eine Furcht um: Der Trend zu konservativen Dauerbrennern wie Abtreibung und Verhütung, das Nein Santorums zur Homo-Ehe und die Betonung des Themas Religion könnte sich später als Bumerang erweisen. Denn Wahlen werden in den USA letztlich bei den Wechselwählern gewonnen. «Einige Republikaner finden zwar viel Zuspruch bei der eigenen Basis, doch bei der Präsidentenwahl könnte dies zum Nachteil werden», urteilt Deutchman.

Wahlen / USA
06.03.2012 · 21:09 Uhr
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