News
 

Analyse: Was treibt Datendealer an? Jagd auf «Mr. X»

Wie kommen Datendealer an ihr Geld?Großansicht
Berlin (dpa) - Die Republik rätselt: Wer ist der Unbekannte, der mit dem Staat ins Geschäft kommen will? Unter Datendealern gibt es verschiedene Typen - die Gierigen, die Frustrierten und die Banker mit schlechtem Gewissen.

GELD: Das älteste Motiv der Welt. Ein Bankmitarbeiter hat Zugang zu brisanten Daten und durchschaut die Steuertricks. Er sieht die Kontostände und denkt, diese Kunden können Ärger mit dem Finanzamt und hohe Steuerstrafen leicht verschmerzen. Er selbst fühlt sich nicht unbedingt unterbezahlt - doch die Chance, auf einen Schlag Millionär zu werden, will der Dealer sich nicht entgehen lassen.

FRUST: Der Angestellte schuftet seit Jahren 60 Stunden die Woche. Die dicken Boni bekommen aber immer die Kollegen. Auch die erhoffte Beförderung zerschlägt sich. Die Wut wächst. Der Informant fängt an, sich erste Daten zu beschaffen. Der Plan reift, im großen Stil Material zu sammeln, um es den Behörden anzubieten. Kenner gehen davon aus, dass es auch unter Investmentbankern, die in der weltweiten Finanzkrise entlassen wurden, schwarze Schafe gibt, die beim Räumen ihres Schreibtisches interne Daten mit eingepackt haben.

GEWISSEN: Viele Informanten wollen einfach nur ihr schlechtes Gewissen erleichtern. «Es kann ein Bankangestellter einer Schweizer Bank sein, der diese Machenschaften seines Hauses nicht mehr mittragen will und das unanständig findet. Das wären dann sogar hehre Motive», sagt Steuergewerkschaftschef Dieter Ondracek. Der Insider verlange ein hohes Honorar, weil das Risiko groß sei. «Der sagt, ich gehe diesen Weg aus Gewissensgründen, aber ich möchte doch eine finanzielle Sicherheit für die Zukunft haben, weil mein Job auf dem Spiel steht.»

EIFERSUCHT: Wenn es nicht um Geld, Anerkennung oder Moral geht, können sehr private Gründe einen Datendieb antreiben. Betrogene Ehefrauen oder -männer sind in Rosenkriegen wenig zimperlich. «Wenn ich sein Schwarzgeld nicht bekomme, dann lass ich ihn wenigstens auffliegen», lautet das Motto. Neben gehörnten Partnern geben gerne Ex-Arbeitskollegen, neidische Verwandte oder Nachbarn den Finanzämtern einen heißen Tipp.

Egal, zu welcher Kategorie der aktuelle «Mr. X» (es kann auch eine Frau sein) gehört - wer kein IT-Profi ist, kann eine Karriere als Datenhändler schon fast abhaken. Banken haben Sicherheitssysteme, um Datenlecks zu verhindern oder aufzuspüren. Um intern nicht aufzufliegen, muss der Informant diese Sperren austricksen oder Komplizen haben, die es können.

Hat er die Daten auf eine DVD, einen USB-Stick oder per Mail aus dem Institut geschmuggelt, ist es bis zum erhofften Geldsegen noch ein weiter Weg. Der Dealer muss Abnehmer für sein Diebesgut finden. Ausländische Geheimdienste zu kontaktieren, ist nicht so einfach wie im Film. Deswegen kommen manchmal Zwischenhändler ins Spiel.

Oft läuft der Erstkontakt simpel ab. Finanzbeamte erzählen, dass in den Briefkästen der Behörden Umschläge mit Daten-CDs oder Ausdrucken liegen. Die erste Stichprobe wird gecheckt. Die Fahnder müssen sicher sein, dass es sich um echte Daten handelt. Schlägt der Computer beim Abgleich der Steuererklärungen der gelieferten Namen Alarm, ist das Material gut.

Sind die Daten und das Umfeld des Informanten wasserdicht abgeklopft, kann die Finanzverwaltung grünes Licht für den Deal geben. Neben der Überweisung auf ein sicheres Auslandskonto verlangen Datenanbieter oft eine neue Identität. Sie fürchten Racheakte ihrer früheren Arbeitgeber oder enttarnter Kunden aus der Unterwelt. Ein Steuerfahnder: «Jeder Informant muss wissen, dass sein altes Leben vorbei ist.»

Kriminalität / Steuern / Schweiz
02.02.2010 · 22:52 Uhr
[3 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
Es liegen momentan keine neuen Nachrichten vor.
 

 

News-Archiv

 
Diese Woche
08.12.2016(Heute)
07.12.2016(Gestern)
06.12.2016(Di)
05.12.2016(Mo)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen