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Analyse: Von Romney deklassiert - was tut Newt nun?

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Washington (dpa) - Newt Gingrich ist ein Phänomen. Gerade haben ihm fast 70 Prozent der Wähler in Florida eindeutig zu verstehen gegeben, lieber einen anderen Präsidentschaftskandidaten zu wollen.

Doch statt die Niederlage anzuerkennen und - wie es der gute Stil unter Politikern verlangt - seinem Gegner Mitt Romney zu gratulieren, hält der 68-Jährige so etwas wie eines Siegesrede. Haarklein zählt er auf, was er alles gleich an seinem ersten Tag im Weißen Haus tun wird. Der Politveteran lässt keinen Zweifel aufkommen: «Wir werden gewinnen», ruft er seinen Anhängern zu.

Kommentatoren rieben sich nach dem Auftritt am Dienstagabend die Augen. Statt aus der Schmach zu lernen, deutete er sie einfach in einen Erfolg um: «Es ist jetzt klar, dass dies ein Zwei-Mann-Rennen wird zwischen dem konservativen Führer Newt Gingrich und dem Moderaten aus Massachusetts». Romneys Name kam ihm nicht einmal über die Lippen.

«Gingrich hat die düstere Realität verdrängt», meinte das US-Magazin «Time» danach verwundert. Lebt der Ex-Parlamentspräsident nun endgültig in einer Traumwelt? Oder war sein Auftritt der Beginn einer wohldurchdachten, knallharten Offensive?

Gingrich machte jedenfalls klar, wie ernst es ihm ist. «Mein Leben, mein Vermögen und meine heilige Ehre» versprach er und zeigte mit den gewogenen Worten aus der Unabhängigkeitserklärung nicht nur, dass die Schlacht gegen Romney für ihn zu einer persönlichen Sache geworden ist. Er legte auch seine Strategie offen: Hier kämpft der Bewahrer der konservativen Werte und der «großen Ideen für eine große Nation» gegen den Möchtegern-Republikaner mit der liberalen Agenda und reichen Freunden, die seine teuren, vernichtenden Werbekampagnen finanzieren. «In den nächsten sechs Monaten wird die Macht des Volkes die Macht des Geldes besiegen», kündigte Gingrich vollmundig an.

Das Buhlen um die Herzen der Erzkonservativen in der Partei scheint tatsächlich Gingrichs letzte Chance zu sein, Romney noch stoppen zu können. Nur bei dieser Wählergruppe, die in Florida eine untergeordnete Rolle spielte, lag er am Dienstag noch vorne. Sie, die Abtreibungsgegner, die streng Religiösen und Evolutionsverneiner, hatten ihm in South Carolina einen sensationellen Triumph beschert - und sie könnten das in den anderen Südstaaten wie Georgia und Texas wiederholen. Diese Wahlen sind zwar noch lange hin, aber Gingrich hat mehrfach trotz knapper Mittel erstaunliches Stehvermögen bewiesen.

Es sei jedoch fraglich, ob es jetzt noch genüge, sich als «wahrer Konservativer» aufzustellen, zweifelte die «New York Times» am Mittwoch. Die Vorwahl in Florida habe vor allem gezeigt, dass es den Wählern in dem von Arbeitslosigkeit und Schulden geplagten Land auf Wirtschaftskompetenz ankommt. Über die Hälfte der Wähler in dem Sonnenscheinstaat sagten, ein Multimillionär und Firmengründer könne das Land eher aus der Krise führen als ein Idealist. Romneys Ideen lägen alle «in Reichweite», meinte die «Washington Post». Gingrichs dagegen seien «monumental, populistisch und am Ende kaum erreichbar».

Genau deswegen sei ihm die Nominierung auch nicht mehr zu nehmen, machte Romney in seiner Siegesrede am Dienstag klar. «Meine Führung wird die Ära Obama beenden und ein neues Zeitalter des amerikanischen Wohlstandes beginnen», versprach er vor jubelnden Anhängern und versetzte Gingrich einen heftigen Seitenhieb: «Anders als andere Leute, die Präsident werden wollen, weiß ich wie das geht».

Wahlen / USA
01.02.2012 · 21:17 Uhr
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