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Analyse: Verwirrung um Schweigen aus dem Weißen Haus

US-Präsident Barack Obama hat den Abzug aller Kampftruppen aus dem Irak nicht offiziell kommentiert.Großansicht

Washington (dpa) - Auf seinem Weg zum Flughafen im Miami legte US-Präsident Barack Obama am Mittwoch einen ungeplanten Stopp bei einem Sandwich-Laden ein und bestellte ein Brötchen mit Rindfleisch.

Nach einer dreitägigen Wahlkampftour durch die USA hatte er noch Hunger auf etwas Deftiges, berichteten die Reporter in seinem Tross. Fast zur gleichen Zeit verkündete der US-Fernsehsender NBC in seinen Hauptnachrichten das offizielle Ende der amerikanischen Kampfhandlungen im Irak.

Die Nachricht vom kompletten Abzug aller Kampftruppen aus dem Zweistromland schlug in den USA ein wie eine Bombe. In einem Live-Bericht vom Ort des Geschehens schilderte der NBC-Chefreporter Richard Engel, wie die letzten Mitglieder der 4. Stryker-Brigade über die Grenze nach Kuwait fuhren. Nachrichtensender wie CNN oder Al-Dschasira unterbrachen ihr Programm, angesehene Zeitungen wie die «Washington Post» und die «Los Angeles Times» stellten große Titelgeschichten auf ihre Homepages.

Die detailreichen Reportagen zeigten: Viele US-Medien waren auf den Moment vorbereitet. Der Abzug der Einheit hatte nach Angaben der «Washington Post» bereits am Samstag begonnen, mehrere Journalisten begleiteten den rund 600 Kilometer langen Treck über den Landweg. Der Sender NBC habe bereits vor Wochen vom Pentagon die Genehmigung erhalten, Live-Bilder zu zeigen, schreibt die «New York Times». Allerdings durfte aus Sicherheitsgründen nicht berichtet werden, bis die letzten Soldaten die Grenze auch wirklich überschritten hatten. Zu groß war die Angst vor Anschlägen gerade bei diesem symbolträchtigen Auszug aus dem Land.

Im Gegensatz dazu wirkte das Weiße Haus, als sei es von der medialen Wucht überrascht worden. Auch nach seiner Landung in Washington später am Abend ließen sich weder Obama noch seine Pressesprecher blicken, um die Nachricht zu kommentieren. Unter Umwegen verlautete aus dem Weißen Haus: Die «Operation Irakische Freiheit» ist erst am 31. August beendet - keinen Tag vorher.

Die Verweigerungshaltung in den Presseabteilungen auch des Außen- und Verteidigungsministeriums machten die Kommentatoren im TV sichtlich nervös, auch erfahrene Präsidentenreporter aus dem Weißen Haus schienen ratlos. Warum schweigt das Weiße Haus? Und will Obama sich vor seinem zehntägigen Urlaub überhaupt äußern? Verpasst er etwa eine Sternstunde seiner Präsidentschaft?

Komplett wurde die Verwirrung, als nach Angaben des Fernsehsenders MSNBC auf der Website des Weißen Hauses ein Eintrag mit der Überschrift «Das Ende des Kampfes im Irak» erschien, der die Berichte zu bestätigen schien. Kurz darauf sei der Eintrag nicht mehr zu finden gewesen.

Im Blog des Weißen Hauses tauchte dagegen eine am selben Tag von Obama geschriebene Nachricht an die Empfänger eines E-Mail- Newsletters aus dem Weißen Haus auf, in dem der Präsident den Abzug bis Ende des Monats als «Meilenstein» bezeichnete. Für viele war das die erhoffte Reaktion - der Eintrag war da allerdings schon viele Stunden alt.

Kommentatoren meinen, Obama wolle das Tempo der Berichterstattung über den Abzug selbst bestimmen. Immerhin sei es eines seiner großen Wahlkampfversprechen, den Krieg zu beenden. Und noch seien mehr als 50 000 Soldaten im Irak. Zudem habe er aus dem Fehler von George W. Bush gelernt, den Erfolg nicht zu früh auszurufen. Der Ausspruch «Mission erfüllt» des Ex-Präsidenten nur Monate nach Kriegsbeginn im März 2003 habe die Aufständischen nur angestachelt, die US-Truppen erst recht zu bekämpfen. Seitdem kamen tausende Soldaten bei Anschlägen ums Leben.

Konflikte / USA / Irak
19.08.2010 · 21:18 Uhr
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